Ausreichend Niederschlag
Zwettler Wälder: Borkenkäfer legt Verschnaufpause ein

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Experte Gerald Blaich erklärt die aktuelle Situation in unseren Wäldern.

BEZIRK ZWETTL. In den letzten Jahren hat der Borkenkäfer in den Wäldern des Bezirks und des Waldviertels insgesamt schwere Schäden, vor allem an der Fichte, verursacht. Wir haben den Stift Zwettler Experten Gerald Blaich zur aktuellen Situation befragt.

BEZIRKSBLÄTTER: Wie ist die aktuelle Situation im Bezirk Zwettl und darüber hinaus?
GERALD BLAICH: "Sie ist sehr entspannt. Wir hatten ein sehr kühles Frühjahr. Da die Borkenkäfer eine Temperatur von 15°C benötigen, begann die Bruttätigkeit um ein gutes Monat später."

Nachhaltiger Anbauplan: Braucht es mehr Schulungen für heimische Waldbesitzer?

Wie hat sich die Lage gegenüber der extremen Zeit vor ein paar Jahren verändert?
"Wir haben 2020 und heuer eine echte Entpannung der Borkenkäfersituatoion erlebt. Der jährliche Niederschlag beträgt im langjährigen Durchschnitt hier im Stift Zwettl ca. 700 l/m2. 2020 hatten wir endlich wieder 751 l/m2. Die schweren Kalamitätsjahre 2017-2019 waren durch viel zu wenig Regen geprägt. 2017 waren es nur 478 l/m2. Das ist für die Fichte einfach zu wenig. Zusätzlich stieg die langjährige Durchschnittstemperatur um 1-2 °C an."

Wie hat sich mittlerweile die Wald-Landschaft in unserem Bezirk verändert?
"Die Waldlandschaft hat sich nachhaltig verändert. Am und um den Truppenübungsplatz Allentsteig gibt es riesige Kahlflächen. Entweder wurden sie bereits aufgeforstet, oder es stellte sich großflächig Naturverjüngung in Form von 'Pioniervegetation' – das sind Zitterpappeln, Birken, Weiden, Vogelbeeren, etc. – ein. Darüber hinaus kämpfen viele Kleinwaldbesitzer mit sogenannten 'Käferlöchern' und deren Aufforstung. In Richtung trockenere Gegenden wie Langenlois oder Horn kam es auch zu flächigem Absterben von Weißkiefern."

Machen Sie bereits ein Umdenken bei den Waldbauern hinsichtlich Vielfalt bei Setzlingen aus?
"Ja, eindeutig. Die Förderschiene sowie die sehr gute forstliche Beratung durch die Bezirksbauernkammer oder den NÖ Forstaufsichtsdienst gehen weg von der Fichte, Richtung klimatolerantere Baumarten, wie Eiche, Tanne, etc. Einigen wenigen Unverbesserlichen, welche noch immer auf Fichtenmonokultur setzen, kann man nur viel Glück wünschen."

Wie wird es weitergehen?
"Die Jahre 2020 und 2021 sind nur eine kurze Verschnaufpause. Der Klimawandel ist voll im Gang. Das zeigen gerade jetzt die Bilder der Verwüstung aus Deutschland und auch Österreich. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann wir wieder mit Borkenkäferkalamitäten rechnen müssen. Auch andere Klimaextreme wie Stürme oder Starkregen werden wieder zuschlagen."

Mehr zum Thema: Blaich: "Fichte wird aussterben"

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