16.03.2016, 06:00 Uhr

Ein Schnüffler auf vier Pfoten

Martin Kirchsteiger mit seinem Deutschen Jagdterrier "Chris" macht Jagd auf Laubholzbockkäfer.

Mit seinem Hund geht Bezirksförster Martin Kirchsteiger auf die Jagd – auch nach speziellen Käfern.

Wenn der fünfjährige Chris seine Arbeitskleidung – ein oranges Geschirr – angelegt bekommt, weiß er schon ganz genau, was zu tun ist: Es geht wieder auf die Jagd. Und zwar auf die Jagd nach "Anoplophora glabripennis", dem asiatischen Laubholzbockkäfer. Der Quarantäneschädling, der vorwiegend mit unbehandeltem Stein-Verpackungsholz aus China oder auch japanischem Ziergehölz einreist, verursacht durch seinen Fraß große finanzielle und technische Schäden an Laubhölzern und macht diese wirtschaftlich wertlos. Der Käfer gilt als weltweit gefährlichster Laubholzschädling, legt in seinem kurzen Leben (rund 40 Tage) an die 80 Eier in Baumrinden und braucht für seine Entwicklung im Inneren des Baumstammes bis zu drei Jahre. Befällt er heimische Bäume – erkennbar durch Absterben des Baumes oder auch durch etwa einen cm große, kreisrunde Ausbohrlöcher – ist Feuer am Dach. "Im Umkreis von rund 100 Metern müssen alle möglichen Wirtspflanzen laut EU-Richtlinie gerodet werden. In Deutschland waren wir schon bei solchen Rodungen dabei", erzählt Martin Kirchsteiger von der Forstaufsichtsstation Bruck-Nord.

Eigene Ausbildung
Um den Käfer und seine Eier bzw. Larven zu erschnüffeln, hat Chris 2012 mit seinem Herrl einen eigenen Kurs besucht und zählt seither zu den europaweit nur rund 50 Hunden, die über diese Zertifizierung verfügen. "Der Kurs dauert zwar nur 14 Tage, man muss mit dem Hund aber ständig üben und trainieren, weil ihn ja andere Einflüsse wie etwa Tiergeruch ablenken könnten", so Kirchsteiger.
Ist der kleine Hund fündig geworden, wird er belohnt. "Dass er etwas gefunden hat, zeigt sich an einer momentanen Wesensänderung. Dazu sollte man seinen Hund halt schon sehr gut kennen und die Kommunikation muss absolut stimmen", so der Förster. Weil die Schnüffelei für den Hund Schwerstarbeit ist, braucht er nach einer gewissen Zeit eine Pause. "Das ist ein sehr mühsamer und langwieriger Prozess für beide", erklärt Kirchsteiger, "aber es schweißt uns natürlich auch weiter zusammen"
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