19.08.2016, 14:20 Uhr

Professionelle Agrarforschung im Dienste der Praxis

Leiterin Doris Lengauer und Helmut Pelzmann, der von 1968 bis 2005 in der Versuchsstation Wies tätig war.

Die Versuchsanstalt in Wies feierte ihr 50-jähriges Bestehen


Die Versuchsstation für Spezialkulturen in Wies, eine Institution mit viel Kompetenz und Forschungsgeist, ist 50! Ob Impulse für den Gemüseanbau, praxisorientierte Versuche oder Pionierarbeit bei der Kräuterproduktion – die Wissensvermittlung hat eine enorm große Bandbreite. Das Jubiläum wurde am Dienstag, dem 16. August 2016, mit rund 170 geladenen Gästen gefeiert.


Festlich eingestimmt von der Bläsergruppe des Musikvereins St. Peter im Sulmtal, eröffnete Leiterin Doris Lengauer den Festakt im liebevoll dekorierten Zelt. Sie konnte hierzu zahlreiche Ehrengäste aus nah und fern begrüßen. „Heute ist ein besonderer Tag. Seit fünf Jahrzehnten ist unsere Arbeit geprägt von Versuchen für die Praxis.“ Bioversuche finden statt, Produktneuheiten wie Schlangenhaargurke oder die bunte Melanzanivielfalt werden getestet, um das Angebot für Gemüsebauern und Direktvermarkter zu erweitern. Ein großes Thema ist der neue Zugang zu Nützlingen. Das Projekt wird vom Land Steiermark und dem Lebensministerium finanziert. Die Käferbohnenberegnung als Maßnahme zur Ertragssicherung bei Hitze gehört zu den aktuellen Forschungsprojekten dazu. Zurzeit laufen auch Versuche mit anderen Kooperationspartnern. Gemeinsame Events mit der Marktgemeinde Wies und Fachveranstaltungen gehören zur Versuchsstation dazu.

„Seit einem Jahrzehnt bin ich Teil des Teams und kann meine Arbeit in der Natur mit einer sinnvollen Tätigkeit kombinieren. Das Thema Garten als Lebensraum und zur Lebensmittelerzeugung ist aktuell wie nie.“

DI Doris Lengauer
Leiterin der Versuchsanstalt Wies

Eine Persönlichkeit, die den Werdegang der Versuchsstation Wies von Anfang an miterlebt und geprägt hat, ist Ing. Helmut Pelzmann. Der ehemalige Leiter ließ mit dem Festvortrag „50 Jahre Versuchsarbeit für die Praxis“ die „Steinzeit“ der Einrichtung fachlich und pointiert Revue passieren. Aus seinem Erfahrungsschatz berichtete er von der Entwicklung des Gemüsesanbaues. „Große Versuche waren und sind Gemüseraritäten.“ Essiggurken wurden Pelzmann zur Lebensaufgabe. „Der Kürbis hat auch mein Leben begleitet. Anfang der 80er-Jahre spürten wir eine Nachfrage nach Gewürz- und Arzneipflanzen. Unser Einstieg war die Tagetes, auch Studentenblume genannt.“ Als dritter Schwerpunkt, so Helmut Pelzmann, hat sich der Zierpflanzenanbau etabliert.

Ehrengäste streuen dem „Geburtstagskind“ Blumen...


Bürgermeister Josef Waltl, dessen Vater die Versuchsstation Wies sehr am Herzen lag, strich die Bedeutung dieser „wissenschaftlich hochwichtigen Einrichtung“ hervor. Er bezeichnete sie jedoch auch als Aushängeschild in Bezug auf Tourismus. Der Obmann der Steirischen Gärtner und Baumschulen, Ferdinand Lienhart, gratulierte zu 50 Jahre Versuchsarbeit für und mit der Praxis. „Österreichweit wird viel umgesetzt, was hier in Wies entstanden ist.“ Fritz Rauer, Präsident des Bundesgemüsebauverbandes und des Landesverbandes der steirischen Gemüsebauern, sprach das Blühstreifenprojekt mit Nützlingen und den neuen Begriff „Superfood“ an. „Wir erzeugen Superfood und wir gestalten das Land!“
Landwirtschaftskammerpräsident Franz Titschenbacher zeigte sich ob der Berichte und Einblicke über den Werdegang der Versuchsstation Wies tief beeindruckt. „Sie bietet Sicherheit, Orientierung und Weiterentwicklung für die Landwirtschaft.“
„Am Umriss der letzten 50 Jahre sieht man, wie wichtig Wissenschaft und Forschung in der Landwirtschaft sind“, hielt Landerat Johann Seitinger fest. Zu den Stärken der jubilierenden Versuchsanstalt Wies meinte Seitinger: „Da gehört viel Wissen und Verantwortung dazu. Der Boden und auch das Wasser sind die wichtigsten Ressourcen, auf denen wir unser Leben aufbauen.“ Und der Landesrat ist überzeugt davon, „dass die Menschen in Zukunft mehr Gemüse essen werden.“

Im Detail

Die Versuchsstation für Spezialkulturen der Abteilung 10 (Land- und Forstwirtschaft) des Landes Steiermark in Wies ist bereits seit 1966 ein verlässlicher Partner der Gemüse- und Gartenbaubetriebe. Neben der Forschung im Bereich des Pflanzenschutzes, steht die Prüfung der Praxistauglichkeit neuer Gemüse- und Pflanzensorten im Zentrum der Arbeit der Einrichtung. Erster Leiter war DI Dr. Ekkehard Müller. Nach dessen Pensionierung wurde 1996 der langjährige Verwalter der Versuchsstation, Ing. Helmut Pelzmann, mit der Leitung beauftragt. Ihm folgte 2005 DI Doris Lengauer als neue Leiterin nach. Das Team der Versuchsstation Wies besteht aus 13 teil- und vollzeitbeschäftigten MitarbeiterInnen. Es werden auch Lehrlinge ausgebildet. Zurzeit sind es drei junge Menschen, die das vielfältigen Aufgabengebiet und die Kulturen gründlich kennen und schätzen lernen. 2008 kamen die neuen Gewächshäuser.

Fotos: Josef Fürbass
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