12.10.2016, 06:30 Uhr

"In der Ruhe liegt die Kraft"

Egbert Pöttler steht für die Authentizität Stübings ein. (Foto: Helmut Mitter)

Direktor Egbert Pöttler antwortet auf die Idee vom Stübinger "Disneyland".

Rudi Lackners Vision von einem "Disneyland" im Freilichtmuseum (WOCHE, Nr. 40) hat nicht nur für zahlreiche Lesermeinungen gesorgt. Egbert Pöttler, Museumsdirektor und Geschäftsführer, reagiert und macht deutlich: "In der Ruhe liegt die Kraft – Stübing ist hellwach!"

Authentizität vs. Kommerz

Das Freilichtmuseum Stübing zählt zu den bedeutendsten Freilichtmuseen Europas. Es sammelt, dokumentiert und präsentiert als Ort des Wissens die bäuerliche Bau-, Wohn-, Arbeits- und Lebenskultur aus sechs Jahrhunderten für die Nachwelt. "Die den Freilichtmuseen zugrunde liegenden Darstellungsprinzipien der Authentizität und Ganzheitlichkeit eines historischen Lebensraumes, der u. a. durch Ruhe und Bescheidenheit geprägt war, lassen sich dabei wohl nur schwer mit den Bedürfnissen einer Hotellerie und Gastronomie des 21. Jahrhunderts verbinden", entgegnet Pöttler der Forderung Lackners, aus dem Museumsdorf einen Themenpark zu machen. Bis zu 15 Gastronomiebetriebe, 400 Hotelbetten und damit ein enormer Nutzen für den Tourismus sind für Lackner vorstellbar. Die Aufgabe des Museums, so Pöttler, liege aber nicht in der Steigerung von Nächtigungszahlen. 1985 wurde Stübing immerhin unter den rechtlichen Schutz einer nicht gewinnorientierten Bundesstiftung gestellt, "um das unwiederbringliche Kulturgut unseres Landes vor jedwedem unbedachten kommerziellen Missbrauch nachhaltig zu schützen", hält er fest.
Als überzogene Vorstellung ebendieses kommerziellen Gebrauchs sieht Harald Vetter, ehemaliger Leiter des Volkskulturreferats des Landes, Lackners Vision. Die Idee des Gründers, "eine gesamtösterreichische Haus- und Kulturlandschaft den Nachkommen als Besinnung auf ihre eigene Herkunft präsentieren zu wollen", würde sich sonst ins Negative verkehren. Der Stübinger Besucher solle in Ruhe das Freilichtmuseum erwandern, "ohne sofort mit fragwürdigen, künstlich hochgeschaukelten Kaufverlockungen konfrontiert oder irgendwelchem pseudofolkloristischen Tamtam ausgesetzt zu werden", sagt Vetter.

SN
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