08.06.2016, 09:36 Uhr

Ab in den Süden – aber ohne die Eltern

Urlaubsfeeling, aber alleine. Wer seinen Kindern vertraut, kann sie auch selbstständig verreisen lassen. (Foto: Bilderbox)

Der Familienurlaub steht bevor, doch Ihr Kind will allein verreisen. Dr. Streit gibt Tipps, wie das funktionieren kann.

Einmal schlägt für alle Eltern die Stunde: Der Familienurlaub wird geplant, aber das eigene Kind will nicht mehr mitfahren, sondern alleine verreisen. Grundsätzlich ist dies eine positive Entwicklung, meint der Psychologe, da dies das Streben nach Eigenständigkeit zeugt.

Rechtliches abklären
Gesetzlich gesehen ist es in Österreich kein Problem, Teenager ab 14 Jahren alleine auf Urlaub fahren zu lassen. Eltern müssen sich nur über eines bewusst sein: Auch wenn Sie nicht unmittelbar neben Ihren Kindern sind, trifft Sie die Aufsichtspflicht – außer, Sie geben diese an andere Institutionen weiter, wie etwa beim Schulbesuch. Auch die rechtliche Verantwortung für das Tun der Kinder im Urlaub oder zu Hause bleibt bei den erziehungsberechtigten Eltern oder Institutionen. Klären Sie daher im Vorhinein ab, mit wem, wann, und wohin Ihr Teenager auf Urlaub fahren möchte. Ein absolutes No-go ist es, wenn Sie diese Dinge nicht wissen.

Zeitpunkte ausmachen
Lassen Sie nicht im Ungewissen, wann Ihr Teenager Kontakt aufnimmt, sondern machen Sie klare Zeitpunkte aus, wann sich Ihre Tochter oder Ihr Sohn bei Ihnen melden soll. Klären Sie mit Ihrem Kind die rechtlichen Vor-aussetzungen des alleine Reisens ab und geben Sie ein Schreiben mit, in dem Sie ausdrücklich erklären, dass Sie mit der Reise einverstanden sind. Je positiver, vertrauensvoller, aber auch klarer und strukturierter der Umgang mit Ihren Kindern seit frühester Kindheit ist, desto erfolgreicher werden Sie auch mit der „neuen Urlaubssituation“ umgehen können. Diese Dinge sollten dabei beachtet werden:

1. Ihre Entscheidung. Ob Ihr Kind allein zu Hause bleibt oder ob es allein auf Urlaub fährt, das entscheiden Sie als Eltern und nicht das Kind. Wenn Sie sich für Nein entscheiden, dann bleibt es beim Nein. Lassen Sie sich nicht auf Diskussionen ein.
2. Präsenz zeigen. Bleiben Sie auch in Zeiten der Abwesenheit Ihres Kindes präsent und vernachlässigen Sie Ihre wachsame Sorge nicht.
3. Kontakt halten. Bereiten Sie den Urlaub mit Ihrem Kind gut vor. Sichern Sie ab, wann, wer, wo mit wem ist. Sichern Sie ab, welche Unterlagen Sie brauchen, und wie der Kontakt zu Ihrem Kind während der Urlaubszeit ist.
4. Informieren Sie. Tauschen Sie mit Ihren Kindern Informationen aus, was in dem jeweiligen Urlaubsland gebraucht wird.
5. Nähe trotz Distanz. Ihr Kind sollte zunächst möglichst Urlaub an einem Ort machen, der nicht zu weit weg ist, dann können Sie jederzeit schnell und bequem unterstützend eingreifen.
6. Bleiben Sie ruhig. Wenn Ihr Kind einen Urlaubswunsch nach „allein zu Hause“ hat, trauen Sie Ihrem Kind etwas zu. In der Regel sind Kinder viel verlässlicher, als wir Erwachsene es in unserer Panik annehmen.
7. Aufsichtspflicht beachten. Bleibt Ihr Kind während eines Kurzurlaubs von Ihnen alleine zu Hause, gilt zusätzlich: So lange das Kind minderjährig ist, muss es eine mit der Erziehungsverantwortung betraute Person geben, die entweder im gleichen Haushalt lebt oder mindestens zwei Mal am Tag vorbeischaut.
8. Zur Autonomie erziehen. Lassen Sie Ihr Kind früh Selbstständigkeit üben, dann können Sie es auch ohne Sorge alleine in den Urlaub schicken.

Dr. Philip Streit ist klinischer Gesundheitspsychologe, Psychotherapeut, sowie Lebens- und Sozialberater.
Seit 1994 leitet er das „Institut für Kind, Jugend und Familie“ in Graz, das größte Familientherapiezentrum der Steiermark.
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