23.08.2016, 14:46 Uhr

Dieser Freund ist nicht gut für dich, Kind!

Abrutschen: Bevor Ihr Kind in die falschen Milieus gerät, sollten Sie als Elternteil aktiv werden. (Foto: Bilderbox)

Dr. Streit sagt, wie Sie damit umgehen, wenn Ihr Kind den falschen Umgang pflegt.

Welcher Elternteil hat das nicht schon einmal erlebt? Man sieht einen Freund oder eine Freundin des Sohnes oder der Tochter und denkt: Dieser Umgang passt einfach nicht zu meinem Kind!
Der Psychologe erklärt, dass Eltern in solchen Situationen schnell zum „Katastrophieren“ neigen und man seinen Kindern bei der Auswahl der Freunde viel mehr zutrauen sollte. Denn grundsätzlich entstehen Freundschaften dadurch, dass wir erkennen, was gut für uns ist und was nicht. Kinder mit vier oder fünf Jahren bezeichnen schnell jemanden als Freund. Später entwickeln sich Freundschaften aufgrund gleicher oder ähnlicher Interessen. Im Erwachsenenalter gehören dann einige wenige gute Freunde zum engen Netzwerk.
Wenn Kinder mit Unsicherheiten zu kämpfen haben, da ihre psychologischen Grundbedürfnisse nicht gedeckt sind, können Sie schnell einmal in „falsche Kreise“ geraten. Der Selbstwert kann in dem Fall dadurch gesteigert werden, dass mit den Freunden Blödsinn gemacht wird. Ein falscher Umgang ist also oftmals das Spiegelbild des eigenen erzieherischen Tuns. Damit Ihr Kind nicht in die falschen Hände gerät und stattdessen von einem positiven Kontakt mit seinen Freunden profitiert, können Sie folgende Tipps beachten:
1. Präsenz zeigen. Informieren Sie sich, mit wem Ihr Kind Kontakt hat und sich regelmäßig umgibt.
2. Positive Haltung. Begegnen Sie Ihrem Kind wertschätzend, dann wird es in schwierigen Zeiten auf Sie zurückkommen.
3. Wachsam bleiben.Reagieren Sie, wenn Sie Warnsignale spüren, dass Ihr Kind in die falschen Kreise abrutscht.
4. Informieren Sie sich. Pflegen Sie einen Austausch mit den Eltern der Freunde Ihres Kindes, um den Umgang Ihres Kindes kennenzulernen.
5. Konstruktiv austauschen. Bitten Sie die Eltern der Freunde um Unterstützung, anstatt sich gegenseitig allzu weise Ratschläge zu geben.
6. Standhaftigkeit zeigen. Bleiben Sie klar und deutlich und sagen Sie Ihrem Kind, wenn Sie einen seiner Kontakte für unpassend erachten.
7. Handeln Sie. Jammern Sie nicht, sondern zeigen Sie Verantwortung.
8. Respekt schenken. Wenn Sie Ihrem Kind mit Achtung entgegentreten, können Sie mit ihm offen reden und sichergehen, dass es immer wieder in den sicheren Hafen der Familie zurückkommt.
9. Wir mögen dich. Machen Sie Ihrem Kind klar, dass Sie es lieben, nur durch seine Handlungen oder einen bestimmten Umgang beunruhigt sind.
Wenn Sie diese Schritte beherzigen und offen mit Ihrem Kind sprechen und sich austauschen, dann wird es sich bei Problemen zuerst an Sie wenden und so nicht in die Gefahr kommen, in die falschen Kreise zu geraten.


Dr. Philip Streit ist klinischer Gesundheitspsychologe, Psychotherapeut, sowie Lebens- und Sozialberater.

Seit 1994 leitet er das „Institut für Kind, Jugend und Familie“ in Graz. Es ist das größte Familientherapiezentrum der Steiermark.
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