20.04.2016, 10:34 Uhr

Let‘s talk about sex

Katja Grach: Spricht unverblümt über Sexualität.

Sexualpädogogin und Erfolgsbloggerin Katja Grach treibt es beim „sextalk“ definitiv keine Schamesröte ins Gesicht.

WOCHE: Du bloggst und arbeitest an Themen wie Lifestyle, Sex und Elternschaft, was interessiert dich daran?
Katja Grach: Was mich eigentlich reizt, ist zu zeigen, wie eine geschlechtergerechte Welt in der Praxis aussehen kann. An Sexualität und Elternschaft lässt sich das relativ leicht abbilden.

Ist es dir manchmal unangenehm über diese persönlichen Dinge zu sprechen?
Grundsätzlich entscheide ich ja selbst, wieviel ich von mir preisgebe. Aber ich glaube schon, dass es auch ein bisschen an Persönlichem braucht, um glaubwürdig zu wirken und Menschen zu berühren.


Aus deiner Erfahrung als Sexualpädagogin sind Menschen beim„sextalk“ gehemmt?
Meinem subjektiven Eindruck nach erlebe ich Kinder und Jugendliche meist wesentlich ungehemmter in ihrer Neugier und ihrem Mut, Themen gegenüber Unbekannten auszusprechen. Bei Erwachsenen scheint mir ein ehrliches über Sex sprechen eher tabuisiert.

Warum findest du Sexualpädagogik wichtig?
Niemand ist gleich und niemand ist verkehrt. Für Liebe, Begehren und Körper gibt es keine Norm. Das zu wissen, kann wahnsinnig entlasten. Wenn es Erwachsenen schwer fällt über Sexualität zu sprechen, dann ist es umso wichtiger Menschen zu treffen, die Mythen auflösen und Ängste nehmen. Sonst bleibt wirklich nur mehr die Option Porno als Aufklärungsmedium…

Du meintest mal Sex ist wie Kaffee. Erklär mir das !
Eigentlich stammt das Zitat von meiner Kollegin Heidi von liebenslust*. Aber ich stimme ihr absolut zu. In unserer Gesellschaft wünschen sich viele Sexualität in Kapselform: immer gleich, hübsch verpackt, mit Geschmacksgarantie und kontrollierbar. Aber Sexualität ist vor allem Kommunikation und die kann gelingen, sich verändern, vielfältig sein, oder auch mal enttäuschend. Und das ist absolut okay. Sex kann mensch nicht konsumieren sondern vor allem selbst gestalten.

Wie denkst du über Pornographie?
Pornographie ist nicht per se böse. Das was ein kapitalistischer Markt draus macht finde ich aber bedenklich und geht an den Bedürfnissen der Menschen vorbei.

Welche Auswirkungen hat der Konsum visueller Pornographieauf die Sexualität von Jugendlichen?
Das kommt immer auf Vorwissen und Vorerfahrung an. Im Porno stecken genauso viel Drehbuch, Schnitt, Special Effekts, Schminke und Schauspieler wie in jeder anderen Filmproduktion. Das wird aber oft (nicht nur von Jugendlichen) übersehen. Die Folge sind unrealistische Erwartungen an sich, das Gegenüber und vor allem an Körper. Diese Bilder können wir in unseren Workshops bei liebenslust immer sehr schnell ins rechte Licht rücken.

Du schreibst, dass Gewalt, Geschlecht und Sexualität zusammengehören. Wie ist das gemeint?
Es gibt ganz klare Vorstellungen von Männern und Frauen in unserer Gesellschaft. Wenn Menschen sich sogar nicht an die Klischees halten, werden sie dafür sanktioniert. Eines von vielen Beispielen ist, wenn kleine Jungs gerne rosa tragen. Da merkt man ziemlich schnell, dass Heterosexualität die Norm ist. Die Suizidrate bei homosexuellen Jugendlichen ist nicht aus Zufall um ein vielfaches höher und homophobe Gewalt ist Realität.

WOCHE-WORDRAP
Ich bin Feministin: Weil es keinen Grund gibt, keine zu sein.
Eine Frau zu sein bedeute: In meinem Fall erklären zu müssen, warum ich mich am Computer gut auskenne.
Sexualität interessiert mich: Weil….sich viel in ihr zeigt, wozu uns sonst oft der Zugang fehlt.
Mutterschaft bedeutet für mich….eine große Verantwortung zu tragen.
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