26.04.2016, 21:00 Uhr

Österreichs StudentInnen lachen: Elternsprechtag an der Karl-Franzens-Universität Graz?

Karikatur: Greser und & Lenz, FAZ
Mama & Papa ante portas: Auf einer Studien- Info-Serviceseite der Karl-Franzens-Universität Graz ist ein Anmeldeformular für einen Elterninfovortrag angebracht: Vor- und Nachname und E-Mailadresse sind Pflichtfelder, die ausgefüllt werden müssen und im Textfeld steht: Ja, ich möchte als Elternteil am Freitag, den 28. August, von 12.15-13.00 Uhr im Rahmen der Schnupperuni am Infovortrag teilnehmen.

In den vergangenen Jahren hat sich das Interesse von Eltern an der Studienwahl und an dem Erfolg ihrer Kinder an österreichischen Unis vermehrt bemerkbar gemacht, berichten Beratungsinstitutionen. Die Karl-Franzens-Universität Graz ist daher aktiv geworden und bietet nun während der Schnuppertage für Studienanfänger auch einen Informationsabend für Eltern an.

Helikoptereltern

Die österreichische Tageszeitung "Der Standard" titelte vor ein paar Monaten mit einem Augenzwinkern : "Wenn Mama und Papa im Studium mitmischen."

Die Generation der Helikopter Eltern ist also an der Grazer Karl-Franzens Universität angekommen. Sie tut alles für ihre Lieben, sie räumt jedes Unwohlsein sofort aus dem Weg, sie verwehrt ihren kleinen Prinzessinnen und Prinzen nichts und kontrollieren sie so engmaschig. Mit viel zu frühem Effizienzdenken, Beratungsliteratur und Lern-Software und kumpelhafter Dauerpräsenz, wird die Jugend und Jugendlichkeit der eigenen Nestkücken fortschreitend ausgeweitet. Die Sorge um die frühkindliche Synapsenverdrahtung und Visionen von einem perfekten, maßgeschneiderten Designer- und Premiumkind sind bei diesen Latte-Macchiatio- Mamis und Papis evident.

Der Standard berichtet: "Die Tendenz, dass Eltern über den Bildungsweg ihrer Kinder bis ins Erwachsenenalter bestimmen wollen, ist bei der Mittel- und Oberschicht stärker ausgeprägt. Die Hemmschwelle, sich mit der Universität zu befassen, ist kleiner.

Selbstständigkeit sei eine Fähigkeit, die Teil einer universitären Ausbildung ist. Diese würde schwerer zu erlernen sein, wenn Eltern während großer Prüfungen vor Sälen warten, bei der Fakultät anrufen und Noten erfahren wollen oder ihre Kinder zur Studienberatung und Sprechstunden begleiten. Gerade in diesen Situationen würden Studierende unselbstständiger und nur still neben ihren Eltern sitzen."

Helikoptereltern beim Linz Marathon

Unlängst haben übereifrige Eltern ihre drei- bis vierjährigen Kinder bei einem Juniormarathon im österreichischen Linz ins Ziel gezerrt und damit so viel Empörung ausgelöst. Der Organisator hat sich von dem Verhalten der Eltern distanziert. Dass der Ehrgeiz mancher Eltern zu groß sei, lasse sich trotz mehrmaliger Aufrufe während des Laufes leider kaum verhindern, hieß es und der Organisator hat den Lauf im nächsten Jahr bereits abgesagt.

Um auf die Universität zurückzukommen: In ihrer Erziehungsarbeit nehmen Helikopter-Eltern ihre Kinder zu wichtig. Sie konzentrieren sich auf das Mikromanagement der wechselnden Launen des Kindes , auf spontane Ängste und materielle Forderungen. Sie intervenieren bei Schulleitern und Lehrern und es gibt in Österreich auch schon Präzedenzfälle, wo Elternteile um die Note ihrer Zöglinge an der Universität kämpfen wollten. Sie bügeln Fehler ihrer Kinder aus, bevor diese daraus lernen können. "Over-Parenting" wird dieses Phänomen bezeichnet, das so anstrengend sein kann, dass alle Beteiligten die Freude am Familienleben verlieren.

Jesper Juul, Verfechter einer entspannten Erziehung

Der dänische Familientherapeut Jesper Juul, der als Verfechter einer entspannten Erziehung gilt, beschreibt die Folgen von Überbehütung noch drastischer: Verwahrlosung, Ignoranz und Desinteresse, so argumentiert er, richteten gar weniger Schaden in Kinderseelen an als jener Narzissmus, der den Nachwuchs glücklich und erfolgreich sehen will, um sich selbst als kompetent zu erleben.

Für Fälle, in denen die Eltern mit zur Studienberatung kommen, werden die Berater der Österreichischen Hochschülerschaft mittlerweile gezielt geschult, damit die Studierenden neben ihren Eltern bei der Beratung nicht zu kurz kommen.
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