04.05.2016, 10:00 Uhr

Pell Mell: Umschlagplatz für Ideen und Design

Vietnamesische Mittagspause: Designerin Bettina Reichl und WOCHE-Redakteur Max Daublebsky mit Robert Nguyen vom „Vina“ am Grieskai. (Foto: geopho.com)

Bettina Reichl über Mode in Graz, ihr eigenes Label und den Pell Mell Store.

Graz ist seit 2011 „UNESCO City of Design“, schon seit 2002 hat die Modedesignerin Bettina Reichl mit Pell Mell, einem Verkaufs- und Präsentationsraum für österreichische und internationale Designer, dafür gesorgt, die heimische Modeszene zu stärken und zu vernetzen. Im Gespräch mit der WOCHE spricht sie über Graz als Kulturstadt und die Mode als internationale Sprache.

WOCHE: Graz wird ja nicht unbedingt in einem Atemzug mit Paris, New York und Mailand genannt. Wie würden Sie trotzdem die Modeszene der Stadt einschätzen?
Bettina Reichl: Graz hat eine Tradition als Kulturstadt und schon sehr lange einen guten Ruf als Architekturstadt. Im Windschatten davon hat sich auch die De-
signstadt entwickelt und die Mode ist ein Teil davon. Mich hat es von Anfang an interessiert, hier eine Plattform für Modedesign zu schaffen und die Leute zu vernetzen. Es hat immer Menschen gegeben, die das gefördert haben und die so dazu beigetragen haben, dass es eine lebendige Modeszene in der Stadt gibt.

Welche Rolle spielen Pell Mell und Sie selbst in der Grazer Szene?
Pell Mell ist vor 14 Jahren von vier Modedesignerinnen gegründet worden und wir haben von Anfang an auch einen kleinen Galeriebereich gehabt, um Gastdesigner aus dem In- und Ausland vorzustellen. Das haben wir bis heute beibehalten, weil wir uns als ein kreativer Umschlagplatz für Ideen und Modedesign verstehen. Einerseits produzieren wir selbst unsere Kollektionen, auf der anderen Seite haben wir größere Projekte wie etwa das Designfestival „assembly“ ins Leben gerufen.

Warum braucht Graz ein Designfestival?
Wir haben es nicht gegründet, weil wir gedacht haben, dass wir es brauchen. Es ist aus einem Freundeskreis entstanden. Menschen müssen ihre Kreativität immer irgendwie in die Welt setzen. So wie andere gemeinsam Sport machen, wollten ein paar Designer ihre Ressourcen zusammenlegen und gemeinsam zeigen, was sie machen.

Sie leiten außerdem „Crossing Fashion“.
„Crossing Fashion“ ist eine Projektserie, die ich für das „Afro Asiatische Institut“ kuratiere, wo es um die Zusammenarbeit von Modedesignern aus der Steiermark und aus Südamerika, Afrika und Asien geht. Mode wird dabei als Sprache eingesetzt, um etwas über die Kultur zu erzählen und es geht darum, ein positives Verständnis zur Vielfalt der Kulturen zu schaffen, die auch in unserer Stadt zusammenleben.

Gibt es so etwas wie einen typischen Grazer Modestil?
Ich glaube, dass Individualität ein Thema ist. Die ganze österreichische Modeszene ist ja so, dass es sehr viele kleine Labels gibt, die versuchen, eine ganz eigene Handschrift auszuprägen – gegen den Mainstream. Nachhaltigkeit spielt aber allgemein zunehmend eine größere Rolle.

Wie würden Sie den Stil Ihres eigenen Labels „Odrowaz“ beschreiben?
Ich versuche, auf das Wesentliche zu reduzieren. Meine Kleider wirken auf den ersten Blick schlicht, leben aber von einer Intelligenz wenn man näher hinschaut – vom Schnitt oder vom Materialeinsatz her. Und ich experimentiere sehr gerne mit geometrischen Formen.

Bettina Reichl

Geboren am 19. Mai 1964 in Graz.
Abschluss der Modeschule Hetzendorf 1988.
Betreibt das Label „Odrowaz“ und führt seit 2002 gemeinsam mit Karin Wintscher-Zinganel den Designladen Pell Mell.
Ist Mitbegründerin des Grazer Designfestivals „assembly“, das heuer vom 19. bis 22 Mai im Joanneumsviertel stattfindet.
Kuratiert außerdem seit 2004 internationale Modeprojekte im Rahmen der Projektreihe Crossing Fashion.
Preise: u. a. Slow Fashion Award 2010, Kastner & Öhler Fashion Award 2011.
Gute Mode muss laut Reichl die Persönlichkeit des Trägers unterstreichen und soll fair und nachhaltig produziert sein.
Schätzt japanische Mode, zum Beispiel jene des Designers Issey Miyake.
Geht als Ausgleich zur Arbeit so oft es geht in die Natur, fährt Ski, liest gerne, ...

Pell Mell

2002 von Bettina Reichl und Karin Wintscher-Zinganel gegründet.
Showroom für Mode, Design und Kunst.
Der Raum soll Schnittstelle und Ausgangspunkt für kunst- und grenzübergreifende Projekte sein.
Adresse: Griesgasse 4, 8020 Graz.
Tel.: 0699/17 25 68 16
Web: www.pellmell.at

Gast und Wirtschaft

Vina – vietnamesisch Essen
Grieskai 38, 8020 Graz
Tel.: 0676/57 72 587
Web: www.vina-restaurant.at
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 11.30 bis 15 Uhr und 17 bis 22 Uhr, Samstag 11 bis 22 Uhr, Sonntag 11.30 bis 20 Uhr.
Beschreibung: Im laut eigener Aussage ersten vietnamesischen Restaurant der Stadt serviert die Familie Nguyen traditionelle Gerichte aus dem südostasiatischen Land und bringt so Abwechslung in die Grazer Lokalszene.

Das Essen

Bettina Reichl entschied sich für eine "Hu Tieu", eine traditionelle vietnamesische Reisnudelsuppe mit Garnelen und mariniertem Schweinefleisch, für die WOCHE gab es vegetarische Sommerrollen und "Com Vit", gebackene Ente mit Sojasprossen, Knoblauchsauce und Jasmin-Reis.
Die WOCHE meint: Laut Bettina Reichl kann das Essen im Vina mit dem Original in Vietnam mithalten und Familie Nguyen sorgt dafür, dass man sich hier willkommen fühlt.
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