13.05.2016, 12:25 Uhr

Vorschusslorbeeren von WKO-Präsident Leitl für Kanzler Kern

Wirtschaftskammerpräsident und ÖVP-Mitglied Christoph Leitl äußert sich im Interview mit den Regionalmedien Austria zur neuen politischen Lage.

Sind Sie für Neuwahlen?
CHRISTOPH LEITL: Neustart statt Neuwahl. Wir sollten keine Zeit verlieren. Nach dem Stillstand der letzten Jahre geht es darum, wieder Spitze zu werden. Ich fühle mich wie ein Bergsteiger, der wegen Schlechtwetter im Tal bleiben musste. Jetzt ziehen sich die Wolken zurück und wir können auf den nächsten Berg steigen.

Was halten Sie von Christian Kern, dem neuen Bundeskanzler?
LEITL: Ich habe mit ihm, nachdem er ein wichtiges Mitglied (der Wirtschaftskammer, Anm. d. Red.) war, regelmäßig Kontakte gehabt. Ich habe einen guten Eindruck.

Gewinnt die SPÖ durch ihn wieder mehr Wirtschaftskompetenz?
LEITL: Sie hat gar keine andere Chance. Da bin ich zuversichtlich.

In der SPÖ gibt es aber einen starken linken, unternehmerfeindlichen Flügel.
LEITL: Das haben wir in den letzten Jahren gemerkt. Das hat viel zur Lähmung und Polarisierung beigetragen. Aber die SPÖ hat erlebt, dass sie durch die Polarisierung nur Stimmen an die Konkurrenz verliert. Wir stehen inmitten gewaltiger Umwälzungen wie Internationalisierung und Digitalisierung. Das können wir nur gemeinsam bewältigen und damit meine ich nicht nur die Koalitionsregierung. Auch alle anderen Parteien im Parlament würde ich miteinbeziehen. Wir brauchen einen nationalen Konsens: Ja, wir wollen zurück an die Spitze. Konkret brauchen wir ein besseres Umfeld für Betriebe, wir brauchen für sie Entlastung und Wertschätzung und wir brauchen einen besseren Anreiz für Arbeit und eine Mindestsicherung für die, die nicht können, aber nicht für die, die nicht wollen. Nur so kommen wir zu mehr Wachstum und Beschäftigung.

Ist es klug, bis 2018 einen profilierten SPÖ-Kanzler zu haben?
LEITL: Parteitaktik interessiert mich nicht. Mich interessiert der Wirtschaftsstandort Österreich und, dass wir wieder einen motivierten Mittelstand haben.

Redaktion: Linda Osusky/Wolfgang Unterhuber

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