30.07.2016, 06:00 Uhr

Absolventin der Uni-Graz sucht nach letzten Urwäldern

Ein Urwaldrelikt: der Goldstreifige Prachtkäfer (Foto: Sandra Aurenhammer)
Beinahe die Hälfte Österreichs ist mit Wald bedeckt. Jedoch handelt es sich dabei größtenteils um bewirtschaftete Forste, deren Struktur vom Menschen beeinträchtigt ist. „Tatsächlich befinden sich nur mehr drei Prozent der heimischen Waldflächen in einem natürlichen Zustand“, erklärt Sandra Aurenhammer. Die Absolventin des Masterstudiums Ökologie und Evolutionsbiologie an der Karl-Franzens-Universität Graz ist, aufbauend auf einem Naturschutzprojekt der Kärntner Landesregierung, auf der Suche nach den letzten Urwäldern Südösterreichs. Als Urwald werden Gebiete bezeichnet, die über Jahrhunderte hinweg völlig unberührt und intakt geblieben sind. Behilflich sind ihr dabei spezielle Arten von Käfern, die nur in sehr naturnahen, totholzreichen Beständen leben können. „Anhand ihrer Vorkommen lässt sich die Biografie des Waldes schreiben; sogenannte „Urwaldreliktkäfer“ geben Aufschluss über sein Alter, über die klimatischen Gegebenheiten und seine Nutzungsvergangenheit. Die Käfer erzählen quasi seine Geschichte“, so die Wissenschafterin, die für ihre noch nicht abgeschlossene Forschungsarbeit heuer mit dem Theodor Körner-Förderpreis ausgezeichnet wurde.

Käfer sind bei Behausung wählerisch

Die Präsenz sensibler Arten sagt also sehr viel über den allgemeinen Zustand eines Waldes aus“, erklärt Aurenhammer. Daher sind zum Beispiel spezielle Bock-, Pracht- und Hirschkäfer sehr gute Indikatoren für das ökologische Gleichgewicht ihrer Umgebung. Rund 7.500 verschiedene Käferarten gibt es allein Österreich. So wie viele andere Holzbewohner sind auch Käfer recht wählerisch, was ihre Behausung anbelangt: „Sie brauchen Bäume, die bestimmte Merkmale aufweisen. Außerdem leben viele Käfer in Symbiose mit speziellen Pilzen, die selbst wiederum ein besonderes Umfeld verlangen“, so die Forscherin. Die letzten Urwaldreste Österreich befinden sich meist in sehr unzugänglichem Gelände, das sich für die wirtschaftliche Nutzung nicht eignet. In Zusammenarbeit mit führenden BotanikerInnen und ZoologInnen hat Aurenhammer bereits rund 70 Flächen in den Hohen Tauern, Karnischen Alpen, Karawanken und Gailtaler Alpen untersucht und ist dabei auf unterschiedliche Käferarten gestoßen, die tatsächlich nur in ursprünglichen Wäldern vorkommen.
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