29.06.2016, 00:30 Uhr

"Vielfalt bewahrt mich vor Einfalt"

Alfred Komarek wurde im Ausseerland geboren. Heute lebt der Schriftsteller in Wien, Niederösterreich und Bad Aussee. (Foto: Janos Kalmar)

Die WOCHE Ennstal hat diesmal ein Interview mit Schriftsteller Alfred Komarek geführt.

Sie haben unzählige Auszeichnungen erhalten. Welche davon hat für Sie die höchste Bedeutung?
ALFRED KOMAREK: Der „Glauser“ für den besten deutschsprachigen Krimi war für mich besonders erfreulich. Er betrifft meinen ersten Roman („Polt muss weinen“) und er wird von Schriftstellern vergeben. Eine solche Anerkennung hat Gewicht.

Ihre Bandbreite als Autor ist groß. Welches Genre hat für Sie den größten Reiz?
Am Spannendsten ist immer noch das Verdichten und Präzisieren von sehr komplexen Inhalten in wenigen Zeilen. So werden Texte zu Miniaturen in denen unglaublich viel Substanz Platz hat. Andererseits ist mir jede literarische Form lieb und teuer, weil mich Vielfalt vor Einfalt bewahrt. Ich stelle mich gerne wechselnden Herausforderungen.

Warum sind die Polt-Geschichten so erfolgreich?
Die wichtigsten Voraussetzungen für einen Text, der Leser berührt, sind absolute Aufrichtigkeit, Authentizität und die Bereitschaft des Autors, sich voll einzubringen, bis hin zur Selbstausbeutung. Die Romane, im Fall Simon Polt speziell, erwecken darüber hinaus literarische Gestalten zu überzeugendem, nachvollziehbarem Leben, eingebunden in eine atmosphärisch dichte, sinnliche Umgebung. Spannung entsteht durch Anteilnahme.

Sie sind in Bad Aussee geboren und leben auch noch teilweise dort, was macht das Salzkammergut so speziell?
Einerseits ist es natürlich die pittoreske Schönheit einer im besten Sinne theatralischen Landschaft, andererseits sind es die Menschen, geprägt durch die Jahrhunderte währende Geschichte des Salzkammergutes.

Haben Sie einen Lieblingsplatz im Ausseerland?
Es gibt viele Lieblingsplätze, besonders aber mag ich den Garten rings um das Ausseer Elternhaus. Umgeben von Menschen, mit denen ich seit vielen Jahren vertraut bin, von einer Landschaft, die von der Geburt an Teil mein Lebens ist.

Was bedeutet Heimat im Allgemeinen?
Vertrautheit, innere Nähe. Es gibt also nicht nur eine Heimat - aber die der Kindheit und Jugend bleibt ganz wesentlich für mich.

Der Bezirk zelebriert großteils heute noch alte Bräuche und Sitten. Können wir „unsere“ Kultur in Zeiten der Globalisierung bewahren?
Viele der „alten“ Bräuche sind noch gar nicht so alt, oder haben sich verändert. So lange es gelingt, Althergebrachtes in die gelebte Gegenwart zu holen und nicht nur ins Museum, bin ich zuversichtlich. Das gilt natürlich auch für Tracht und Volksmusik. Was lebt, wird auch überleben.

Wie ist die hohe Dichte an Künstlern im Ausseerland zu erklären?
Eine wirklich schlüssige Antwort habe ich noch nicht gefunden. Aber eine wichtige Rolle spielt wohl der Umgang der Einheimischen mit Künstlern aller Art: Vergnügtes, aufrichtiges Interesse aber ohne aufdringliche Nähe oder Besitz-Ergreifung.
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