15-Jähriger brauste mit Ferrari davon, lud zum Champagnergelage ein und ließ sich Botox spritzen!.

Anwalt Christian Hirsch (l.) spricht mit seinem Mandanten (M.) vor Verhandlungsbeginn.
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  • Anwalt Christian Hirsch (l.) spricht mit seinem Mandanten (M.) vor Verhandlungsbeginn.
  • hochgeladen von Peter Zezula

Früh übt sich, wer einmal ein ganz großer Gauner werden will - das könnte einmal, es gilt natürlich die Unschuldsvermutung, für den mittlerweile fünfzehneinhalbjährigen Marc K., wohnhaft im Bezirk Baden bei seiner Mutter, zutreffen.
Im September wurde der mit allen Wassern gewaschene Bub gerade noch daran gehindert, am Bad Vöslauer Flughafen mit einer Kleinmaschine abzuheben (die Bezirksblätter berichteten), musste dafür "Diversion" in Form von 100 Stunden Sozialarbeiten leisten.

Was nicht viel gefruchtet haben dürfte, denn das flinke Kerlchen hat sich weiteren großspurigen Unternehmungen zugewandt. Nur einen Monat später ergaunerte sich Marc von einem Autohändler in der Steiermark unter Vortäuschung, er sei ein Millionärsbubi, bereits 18 und im Besitz eines Führerscheines, einen Ferrari 458 Italia im Wert von rund 190.000 Euro. Sogar der Kaufvertrag war schon aufgesetzt. Bei einem gemeinsamen Essen mit dem Verkaufsleiter verließ er unter dem Vorwand telefonieren zu müssen, das Lokal und brauste mit dem Edelstück davon (die Schlüsseln hatte er ja noch von der Probefahrt zum Lokal).
Die Flucht führte ihn nach Baden, wo er zuerst in einer Tiefgarage ein Kennzeichen stahl, es vorne am Italiener montierte, 30 Euro Benzinzeche prellte und weiter fuhr, um in Nobelklubs in Wien zu feiern, wo er großspurig reiche Bubis einlud - ohne Bargeld.
So kam er im Club 99 ungeschoren davon, man fotografierte lediglich seine Kreditkarte. Schaden: 1.200 Euro.
Als in der Babenberger Passage seine blanke Kreditkarte logischerweise nicht angenommen wurde, ließ er sich und die Partygesellschaft kurzerhand von einem Sohn eines renommierten Anwalts auslösen. Die nie zurückgezahlte Zeche betrug 19.000 Euro. Schampus um 600 Euro die Flasche floss in Strömen.
Schließlich wurde der turbulenten Fahrt durch völlige Normalität der Garaus gemacht: Die Gemeinde schleppte den Flitzer in einer Parkverbotszone ab...

Wiener Neustadt. Der junge Mann wurde aus der Untersuchungshaft vorgeführt. Roter Kapuzenpulli, dünne Beine in schwarzer Hose, weiße Turnschuhe, kurzes Haar - er sah aus wie ein 15-Jähriger. Nicht älter. Er war vor dem Schöffengericht unter Richter Kurt Weisgram voll geständig, es kam, was kommen musste: Die Frage nach dem "Warum". Die beantwortete er nur wenig glaubhaft: "Ich versuchte, Freunde aus höheren Kreisen zu beeindrucken."

Und dann der Hammer, die Strafausdehnung durch Staatsanwalt Udo Kremnitzer: Nebst weiteren Betrugsdelikten (Limousinenservice um 1.750 Euro), gab sich Marc auch manchmal als Sohn eines berühmten Gastronomen aus und ließ sich am 16. Oktober bei einem Wiener Schönheitschirurgen sogar Botox ins Gesicht spritzen. Richter Weisgram schüttelte den Kopf: "Es ist ja unfassbar, ein 15-jähriger Bub kommt auf die Idee einer Botoxbehandlung..."

Fragen, die strafrechtlich (leider) nicht relevant sind:

Wie krank muss der Arzt sein?

Wo bekommen Teenies Champagner um mehrere Tausend Euro Wo bleibt das Jugendschutzgesetz?

Wie kann man einem Milchgesicht glauben, dass es bereits 18 und im Besitz eines Führerscheins ist - und dies nicht einmal kontrollieren?

Marcel vermochte diese Leichtgläubigkeit auszunützen.

Auch das Gericht schrieb den Jungen noch nicht ab, verurteilte ihn zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 14 Monaten und einer intensiven Psychobetreuung und Bewährungshilfe. Weiter weg fahren darf er nur mit Mamas Genehmigung.
Marcel, verteidigt von Rechtsanwalt Christian Hirsch aus Wiener Neustadt, nahm das milde Urteil ebenso an wie die Staatsanwaltschaft. Rechtskräftig.

Anwalt Christian Hirsch (l.) spricht mit seinem Mandanten (M.) vor Verhandlungsbeginn.
Das gute Stück wurde schließlich in Wien abgeschleppt.

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