Weidenflechten
Kunstwerke aus 100 Prozent Natur

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Viele ältere Heurigenbesucher können sich bestimmt an Veronika Weiszbart erinnern. Sie lebt heute als Veronika Gramsel in der Steiermark und ist bereits einige Jahre in Pension.

BEZIRK BADEN. Viele ältere Heurigenbesucher können sich bestimmt an Veronika Weiszbart erinnern. Sie lebt heute als Veronika Gramsel in der Steiermark und ist bereits einige Jahre in Pension.
"Ich habe mir vor drei Jahren ein umweltfreundliches Winterhobby gesucht und mich dabei an meinen Opa, Georg Gramsel, in Trumau erinnert. Er war ein Bauer und Weidenflechter. Dieses Handwerk ist inzwischen in Vergessenheit geraten. Ich habe beschlossen, an dieser Familientradition anzuknüpfen und das Weidenflechten selbst zu erlernen."

20 Stunden für einen Hut

Gesagt, getan. Veronika meldete sich bei einem der seltenen Flechtkurse an und erlernte die gar nicht so einfache Kunst von der Pike auf. "Man braucht viel Fingerfertigkeit, Geduld und Kraft, der Beruf war nicht umsonst früher ein Männerberuf", sagt sie und ist stolz darauf, dass sie die Kunst des Flechtens inzwischen so gut beherrscht wie nur wenige andere.
Heuer hat sie sich auf das Flechten von Steirerhüten spezialisiert, ihre Hüte sind mit ebenmäßig geflochtenen Krempen ausgestattet. "So 20 Stunden sitzt man schon an so einem Hut", erzählt Veronika vom Arbeitsaufwand.
"Aber mir gehen da viele Bilder durch den Kopf, Bilder aus meiner Kindheit: Wir Kinder mussten immer die Rodel ziehen, wenn unser Opa auf Schnee und Eis unterwegs war, Weiden zu schneiden und nach Hause zu transportieren. Dann hat er die Weiden zu Körben geflochten, die sehr vielfältige Verwendung fanden. Man hat mit ihnen Holz getragen oder auch Kartoffeln. Ich erinnere mich an einen Herbst, da hat Opa laufend ganze Körbe voller Wiesenchampignons vom Feld nach Hause gebracht. Es war eine schöne Zeit."

100 Prozent Natur

Körbe flechten ist Veronikas Sache nicht so sehr, sie sagt "Das können andere besser". Sie hat sich eben auf Hüte und Balkon- und Gartendekoration spezialisiert.
"Voriges Jahr habe ich eine Weidenmuschel, zwei Meter breit, zwei Meter hoch und ein Meter tief geflochten - in mehrwöchiger Arbeit." Es gibt zwar heute immer seltener Winter mit Schnee und Eis wie in Veronikas Kindertagen, Gegenstände aus Weidenholz sind jedoch in Zeiten von Klimawandel und Umweltverschmutzung wieder gefragt. "Der Vorteil ist - Körbe, Hüte oder Gartendeko aus Weidenholz verrotten zu 100 Prozent."

Rohstoff wächst nach

Der Rohstoff wächst außerdem nach: Daheim im Garten hat Veronika Gramsel selbst Weiden gepflanzt, um immer genug Material für die Arbeit zu haben. Sie ist aber auch jetzt im Frühjahr stets auf der Suche nach einjährigen Weiden in der freien Natur.
Kürzlich war sie an der Triesting in ihrer alten Heimat, um Weiden zu schneiden. "Die Thermenregion ist wesentlich früher dran mit der Vegetation als meine neue Heimat, und so bekomme ich mehr Material für meine Steirerhüte zusammen."

Ein alter Lehrberuf

In Deutschland ist "Flechtwerkgestaltung" ein dreijähriger Lehrberuf. Die Berufsschule befindet sich in Lichtenfels. In Österreich gibt es den Lehrberuf "Korb- und Möbelflechter" seit 2007 nicht mehr. Veronika Gramsel ist aber überzeugt, dass der Beruf, so wie in Deutschland, auch in Österreich eine Renaissance erleben wird. "Immer wieder fragt man mich, ob ich nicht einen Kurs geben möchte."
Bekannte geflochtene Gegenstände sind in Deutschland Strandkörbe, in Österreich Zeitungshalter und - wer weiß - Steirerhüte.

Autor:

Gabriela Stockmann aus Baden

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