Raus aus dem "Toten Winkel"

FRÄCHTER Heinz Janitz
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BEZIRK BADEN (lorenz, gast). Ein 9-Jähriger ist in Wien auf dem Weg zur Schule. Ein LKW-Fahrer liefert seine Ladung aus. Er biegt in eine Straße ein, die der Bub im selben Moment auf dem Zebrastreifen quert. Doch der Tote Winkel macht ihn für den LKW-Fahrer unsichtbar. Und kostet ihn sein Leben. Seitdem fordern unter anderem Eltern, Politiker und die Volksanwaltschaft den verpflichtenden Einbau von Abbiege-Assistenten. 1.200 Euro, die Leben retten können.

Was sagen Spediteure?

Franz Paulischin, Spediteur in Oeynhausen und Puchberg/Schneeberg, verweist auf die sechs Spiegelsysteme im Lkw. „Und trotzdem kann der Lenker nicht alles sehen. Zum Glück hatten wir bis jetzt noch keinen Unfall mit dem toten Winkel“, sagt Paulischin. Er mahnt aber auch: „Wir erleben immer wieder Passanten, die ihr Handy verzückt bedienen und über die Straße gehen, Sie glauben ein Schutzweg ist eine 100-prozentige Sicherheit“. Deshalb besucht Paulischin Volksschulen und erklärt schon den Kleinen die Gefahren, die bei einer Kreuzung auftauchen können – eben den Toten Winkel.
Paulischin wundert sich, dass die Abbiege-Assistenten nicht serienmäßig eingebaut werden, gibt es sie doch schon seit 2007. Er wird seine Lkw umrüsten.
„1200 Euro ist ja nicht so viel, aber es bleibt  ja nicht bei den Einbaukosten, das Fahrzeug wird etwa einen halben Tag ausfallen und ein Lkw der steht, kostet Geld“.
Skeptischer ist Frächter Heinz Janitz, denn: „Wir haben jetzt schon ein gutes Spiegelsystem. Aber wenn ein Fußgänger abgelenkt ist, zum Beispiel durch sein Handy und in einen Lkw rein läuft, wird ein Abbiege-Assistent auch nicht viel helfen. Aber übrig bleibt der LKW-Lenker. Ich finde es ist nicht fertig gedacht“, so Janitz.

Was sagt die Polizei?

Was sagt die Polizei? „Jede Maßnahme zur Lebensrettung ist begrüßenswert“, meint der Verkehrsreferent des Bezirks, Chefinspektor Karl Stix. Unfälle mit Lkw und Fußgänger gab es im Bezirk bisher nicht, "Das liegt sicher daran, dass wir andere Straßenverhältnisse haben als in den Ballungsräumen.“

Was sagen Experten?

Verkehrsexperte Ulrich Leth, Universitätsassistent an der TU Wien, begrüßt die Anschaffung von Abbiege-Assistenten. "Verpflichtend gibt es ihn meines Wissens noch nirgends, die meisten Länder warten wohl auf das Inkrafttreten der EU-Regelung, die ab 2024 umgesetzt werden soll. London hingegen wird schon 2020 eine Zufahrtsbeschränkung für Lkw einführen, die nicht über entsprechende Sicherheitsausstattung verfügen." Darüber hinaus tritt Leth für Maßnahmen ein, den Lkw-Verkehr einzudämmen. Einer der Hauptverursacher der Zunahme: der Onlinehandel. Der Badener Tadej Brezina, ebenfalls Verkehrsexperte der TU Wien, verweist auf eine Petition im Internet. "Mein Kollege Ulrich Leth hat die Initiative mitbegründet. Sie soll anstoßen, dass der verpflichtende Abbiegeassistent noch vor 2024 kommen, aber auch dass heute noch unsicher gestaltete Straßenräume für die verletzlichen Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger, Radfahrer oder Kinder schon deutlich früher als vorgesehen mit technischen Hilfsmitteln sicherer benutzbar werden. Langfristig müssen Straßenräume nach den Bedürfnissen aktiver Mobilität ausgerichtet werden und nicht nach jenen der Kraftfahrzeuge."

Baden rüstet Fuhrpark nach

Schnelle Reaktion kommt übrigens aus der Stadt Baden. Bürgermeister Stefan Szirucsek, selbst Vater von drei Kindern, hat angeordnet, dass die stadteigenen Lkw so rasch wie möglich mit Abbiegeassistenten nachgerüstet werden. "Die Sicherheit unserer Kinder ist oberstes Prinzip."

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