28.11.2016, 14:04 Uhr

Der lange Weg zum Küchenmesser

PFAFFSTÄTTEN. Viele seiner Zunft gibt es nicht mehr: Hanno Gridl ist Messerschmied. In seiner Heimat Pfaffstätten hat er sich eine Werkstätte eingerichtet, wo er seit drei Jahren dieses alte Handwerk betreibt. Eigentlich ist er Jurist, aber eine kleine genetische Veranlagung für diesen Beruf kann er dennoch vorweisen: Ein Vorfahre namens Ignaz Gridl hat mit der Realisierung des Palmenhauses in Schönbrunn Metallbaugeschichte geschrieben.

Stempel mit Geschichte

Als ich die Werkstätte betrete, ist Hanno Gridl gerade dabei, sein Markenzeichen in den Stahl eines werdenden Küchenmessers zu hämmern. "Ignatius-Messer" erinnert an diesen Vorfahren. "Ich habe mich auf die Herstellung von überlegenen Küchenmessern spezialisiert", erzählt Hanno. Warum gerade das? "Wer in ein solches Messer investiert, hat jeden Tag Freude damit, und es kann sogar über Generationen weitergegeben werden. Jedes Messer ist wegen der individuellen Gestaltbarkeit ein Unikat."

Die Arbeitsschritte

Erst wählt man Stahlsorte, Form, Griffmaterial. Der Klingenrohling wird entweder in Form geschmiedet oder gesägt. Es folgt der Grundschliff, die Löcher für die Griffnieten werden in das dafür gewählte Material - Holz oder Kunststoff - gebohrt. Spannend ist der Vorgang des Härtens: Der Stahl wird auf 1.050 Grad erhitzt und danach schockartig mit Öl oder Wasser abgekühlt. So wird der Stahl richtig hart, aber auch spröde und zerbrechlich. Dem wird gegengesteuert, indem das Messer mehrmals wieder erwärmt und abgekühlt wird. "Anlassen nennt man diesen Vorgang", so Hanno Gridl. Danach folgt der Feinschliff, bei dem die Klinge bereits ihr endgültiges Aussehen bekommt. "Am Ende ist die Schneide fein genug um Haare zu rasieren", so Gridl. Eine ähnlich sorgfältige Behandlung braucht auch der Griff aus Holz, Horn oder Kunststoff - schließlich soll das Messer gut in der Hand liegen und auch schön aussehen.

100 Messer pro Jahr

Acht Stunden braucht es im Schnitt, bis ein Ignatius-Messer ausgeliefert werden kann. Hanno Gridl arbeitet nur auf Bestellung, er schafft 100 Messer im Jahr. Die Kunden haben also ein rares Unikat in der Hand. "Wegen starker Nachfrage biete ich seit Kurzem aber auch das Schleifen von Messern und Scheren an", ergänzt Gridl, der sich das Messerschmieden selbst beigebracht hat. Denn: Messerschmied zu werden ist in Österreich kein Lehrberuf mehr.

Manchmal tut's weh

Hat sich Hanno bei diesem scharfen Beruf auch schon mal verletzt? "Oh ja, am öftesten habe ich mich beim abschließenden Polieren des haarscharfen Messers geschnitten. Doch auch Verbrennungen hat der Schmied schon erlitten, kein Wunder, bei den hohen Temperaturen, mit denen er es zu tun hat. Die meisten Missgeschicke kann Hanno Gridl aber selbst verarzten. www.ignatius-messer.at
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