Mission Menschlichkeit

v. re. n. li.: Zidi Gamila, Mouelhi Chaker, Obmann Krasniqi Urim, Tourey Anwar, Zidi Habib, Nidal Hamed
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  • v. re. n. li.: Zidi Gamila, Mouelhi Chaker, Obmann Krasniqi Urim, Tourey Anwar, Zidi Habib, Nidal Hamed
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Braunau. Vergangenes Wochenende, am 7.11. übernahmen 13 Mitarbeiter des Islamischen Friedenszentrums den Dienst für die Flüchtlinge im Stadttheater und in der ehemaligen polytechnischen Schule.

Sieben Uhr morgens: Für die Mitarbeiter, unterschiedlicher Altersgruppen und Nationalitäten, begann der Tag. Zuerst wurden Eingänge und Aufenthaltsräume gesäubert, da nur zehn Flüchtlinge anwesend waren. Schon nach kurzer Zeit kam die Nachricht, dass ca. 900 Flüchtlinge erwartet werden würden. Was es bedeutet, nicht nur kurz als Dolmetscher anwesend zu sein, sondern einen Dienst von 12 Stunden vollständig zu übernehmen, wurde allen schnell klar. „Das Rote Kreuz und das Bundesheer müssen ziemlich gute Nerven haben, diese Arbeit täglich zu meistern“, stellt Zidi Gamila, mit Tränen in den Augen, fest. „Der Anblick war so herzzerreissend, ihre Geschichten konnte ich oft nicht zu Ende hören.“, erzählt sie weiter. Es wurden warme Mahlzeiten für 150-170 Personen im Islamischen Friedenszentrum gekocht. „Wir haben nicht damit gerechnet, dass so viele an diesem Tag kommen werden. Da das Essen nach kurzer Zeit bereits verspeist worden war, bin ich im Laufe des Nachmittags acht mal weggefahren, um erneut Essen zu besorgen.“, so einer der Mitarbeiter Dafer Abdurrahman.

Lehrreiche Stunden

Einige der freiwilligen Helfer waren an diesem Tag insgesamt 15 Stunden im Einsatz. „Wir wollten noch länger bleiben, hatten jedoch keine Kraft mehr“, sagte Nidal Hamed, die selbst vor vielen Jahren als Flüchtling nach Österreich kam. „Glaubst du wirklich ein Mensch verlässt seine geliebte Heimat freiwillig? Mein Schwager war ein Richter, er wurde vor den Augen meines Mannes erschossen. Mein Haus wurde zerstört. Ein Mensch flieht nur dann über das gefährliche Meer, wenn das Land eine größere Gefahr darstellt!“, teilt sie uns überzeugt mit. Nidal Hamed hat das Leid selbst erlebt. Dementsprechend kann sie sich in die Situation der Neuankömmlinge am besten hinein versetzen. „Ich bin nicht mehr jung, aber ich gebe mein Bestes. Die Arbeit ist körperlich und psychisch sehr belastend. Aber es macht mir Freude, weil ich weiss, wie es sich anfühlt, wenn sich andere einem Annehmen. Es reicht schon allein Verständnis, ein ehrliches Lächeln und einfaches Zuhören.“, so die Irakerin. Zidi Gamila, die ebenfalls 15 Stunden im Einsatz war, bemerkte: „Wenn ein Mensch schon ungern das Wort ´Krieg´ hört, wie ist es dann, wenn man ihn erlebt? Man sah es jedem der vielen Gesichter an, was diese Menschen durchgemacht haben.“ Dann möchte Fr. Zidi von einem kurzen Gespräch mit einem Flüchtling erzählen: „Ein Mann kam zu mir und bat um einen weiteren Teller Suppe für seine Frau. Ich sah seine Gattin von weitem und bemerkte, dass sie sehr geschwächt und krank aussah. Ich ging zu ihnen und fragte, ob ich die Rettung rufen sollte. Der Mann lag seinen Arm um seine Frau und hielt seinen Sohn im Schoß. „Nein, hab vielen Dank! Es geht ihr schon viel, viel besser, ich bin so glücklich, dass wir da sind!“ Als ich seine Frau fragte, was geschehen war, sah sie ihren Mann geschwächt an. Dieser fuhr fort: „Wir waren nur wenige Meter mit dem Boot vom Ufer weggefahren. Da ging unser Boot unter. Ich packte meinen Sohn und konnte mich ans Ufer retten. Ich sah Menschen neben mir, die nicht schwimmen konnten. Meine Frau war nahe am ertrinken und schrie nach mir. Ich und mein Sohn hörten ihre Schreie und dachten, es würde vorbei sein. Es war so ein Chaos, viele Menschen kämpften dafür, andere zu retten. Meine Frau wurde gerettet. Ich bin so glücklich!“, erzählte der Mann während Tränen über sein Gesicht rollten. „Andere haben es nicht geschafft.“ sagte er und schloss seine Erzählung ab.“

Dankbarkeit war groß

Alle Mitarbeiter des Islamischen Friedenszentrums waren glücklich, dass diese Menschen schon für ganz kleine Hilfen sehr dankbar waren. „Die Leute haben mindestens drei Mal ´Danke´ gesagt und wenn wir ihnen etwas gegeben haben, haben sie für uns gebetet. ´Möge Gott dich segnen, möge er dich belohnen´ habe ich sehr oft gehört. Das war sehr rührend.“, sagte Nidal Hamed. Als Abschluss wurden Süßigkeiten an mehr als 200 Kindern verteilt. Sie freuten sich unbeschreiblich auf die kleine Überraschung.
Was Menschen auf ihrer Flucht vor Krieg wirklich brauchen, war viel mehr als nur Essen, Kleidung oder eine Unterkunft. Dies bemerkten auch die jungen Mitarbeiter Tourey Serena, Zidi Nour und Habib. „Kaum lächelte man sie an, strahlten ihre Gesichter.“, sagten die Drei begeistert. Ein Lächeln gibt Menschen eben etwas, das materielle Dinge nicht geben können. Es zeigt Verständnis, Liebe und ein offenes Herz.

Zu viele Flüchtlinge

Es kommt eine Anzahl von Menschen in unser Land, mit welcher wir nicht gerechnet haben. Oft ist die Rede von „viel zu viele Flüchtlinge, als das Land ertragen kann“. Die Lösungen, die für dieses Problem erwähnt werden sind schockierend: Irgendwie dafür sorgen, dass keine mehr kommen können. Angeblich soll der Bau von Zäunen um Österreich die Lösung sein. Doch damit wird das Problem vergrößert. Flüchtlinge kommen so lange, solange der Krieg in ihren Heimatländern nicht beendet wird. Ihre Reise wird durch solchen ´Lösungen´ vielleicht erschwert, aber kommen werden sie trotzdem. Wenn sie es schaffen, ein gewaltiges Meer zu überqueren und hunderte Kilometer zu Fuß zurück zu legen, werden sie auch über einen Zaun klettern. Für uns jedoch wird ein solcher eisener Vorhang ein weiters Zeichen der Unmenschlichkeit sein. Nur weil manche Länder, durch das Versagen der EU, eine zu hohe Anzahl an Flüchtlingen haben, ist das doch nicht der Fehler der vom Krieg flüchtenden Menschen! Denn würde die EU das machen, was die EU ausmacht, hätten wir dieses Problem nicht.

Autor:

Jasmina Abdelrahman aus Braunau

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