15.10.2014, 20:30 Uhr

Akuter Mangel an Hausärzten im Bezirk

Bis zu 80 Prozent der Behandlungen können alleine vom Hausarzt bewältigt werden. (Foto: eyetronic/Fotolia)

Bei der Nachbesetzung von Allgemeinmedizinern ist der Bezirk Braunau das "Sorgenkind" in OÖ.

BEZIRK (ebba). Schon seit Jahren zeichnet sich ein Ärztemangel ab. In fast allen Bereichen fehlen Mediziner. Für viele Kassenstellen ist die Nachfolge mangels Bewerber ungewiss. Braunau ist dabei der Bezirk in Oberösterreich mit den größten Problemen. Seit 2011 wurden drei Nachbesetzungen mit Allgemeinmedizinern gerade mal so geschafft, jeweils mit nur einem Bewerber.

Die Facharztstelle für Haut- und Geschlechtskrankheiten in Braunau wurde gerade zum vierten Mal ausgeschrieben. Wolfgang Hynek geht Ende März 2015 in Pension. "Es gab noch keinen einzigen Bewerber. Ich denke, es liegt daran, dass es wenige Hautärzte gibt, die gerade fertig werden. Versucht haben wir schon alles, sogar in österreichischen und deutschen Ärztezeitungen Anzeigen aufgegeben", erklärt Hynek. Die nächstgelegenen Hautfachärzte befinden sich in Ried und Schärding. Auch die Hausarztstelle von Johann Schubert in Braunau wurde schon drei Mal ausgeschrieben.

Seine Praxis bereits geschlossen hat Ende September der Mattighofner Allgemeinmediziner Bernhard Hochreiter. Zwei Jahre lang wurde nach einem Nachfolger gesucht, der die Praxis übernehmen könnte. Sämtliche Anstrengungen der Stadtgemeinde blieben erfolglos. Bei der Ausschreibung der Stelle hält Mattighofen derzeit den "Rekord" in Oberösterreich. "Es wird gerade im elften Anlauf nach einem Nachfolger gesucht", so Bezirksärztevertreter Kurt Roitner.

Der Mattighofener Bürgermeister Friedrich Schwarzenhofer versteht nicht, warum die Praxisübernahme bei niemandem auf Interesse stößt: "Die Ordination verfügt über eine optimale Lage. Im selben Gebäude befindet sich eine Apotheke." Die Stadtgemeinde Mattighofen würde dem neuen Allgemeinmediziner beim Start mit einer Wirtschaftsförderung helfen. "Wir würden ihn gegebenenfalls auch bei der Wohnungssuche unterstützen", betont Schwarzenhofer und ergänzt: "Es gab zwar schon Bewerber, die haben aber alle abgesagt. Derzeit sind wir mit einem Interessenten in Kontakt. Die übrigen drei Allgemeinmediziner in Mattighofen haben mir versichert, dass die ärztliche Versorgung erst einmal gesichert ist. Dennoch können sie nicht alle Patienten von Hochreiter abfangen." Dazu kommt, dass diese Ärzte selbst kurz vor der Pensionierung stehen.

Der Beruf des Hausarztes sei laut Roitner für junge Mediziner nicht mehr attraktiv: Starre Kassenverträge, familienfeindliche Arbeitsbedingungen durch anstrengende Bereitschaftsdienste, steigende Kosten, unternehmerisches Risiko und immer mehr Vorgaben würden abschreckend auf den Ärztenachwuchs wirken. Dazu kommt, dass Turnusärzte während ihrer Ausbildung den Ordinationsbetrieb kaum kennen lernen und deshalb den Schritt zur Niederlassung nicht wagen. "Mit der Einführung einer finanzierten verpflichtenden Lehrpraxis, wie sie seit Jahren gefordert wird, könnten junge Ärzte den Alltag in einer Praxis kennenlernen und sich darauf vorbereiten", meint Roitner. Diese wurde aber bis dato nicht durchgesetzt.

"Mehr wie die Hälfte der Allgemeinmediziner werden in den nächsten fünf bis zehn Jahren in Pension gehen. Die Verantwortung liegt nun bei der Politik und der Krankenkasse, die Rahmenbedingungen für junge Mediziner zu verbessern, damit der Beruf wieder mehr Attraktivität gewinnt. Es muss dringend eine finanzierte Lehrpraxis geboten werden", appelliert Roitner.
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