17.09.2014, 20:30 Uhr

Tödliche Routine am Bahngleis

Ein Unfall auf der Mattigtalbahn forderte ein weiteres Todesopfer. (Foto: Scharinger)

Vergangene Woche war wieder ein Menschenleben auf einer Eisenbahnkreuzung im Bezirk zu beklagen.

BEZIRK (ah). 47 Mal kamen im Vorjahr Menschen bei Unfällen auf Österreichs Bahnübergängen zu Schaden. 18 Personen mussten die Zwischenfälle mit ihrem Leben bezahlen. Der letzte tödliche Unfall ereignete sich vergangenen Mittwoch an einem Übergang in St. Peter in der Ortschaft Meinharting. Ein 79-jähriger Autolenker aus dem Bezirk Salzburg-Land starb bei der Kollision mit einem Güterzug. Seine 76-jährige Lebensgefährtin aus Mauerkirchen erlitt schwere Verletzungen. Nur etwa einen Kilometer von der Unglücksstelle entfernt waren im Dezember des Vorjahres eine junge Mutter und ihre damals elfjährige Tochter getötet worden.

Die ungesicherten Kreuzungen entlang der Mattigtalbahn gelten als sehr gefährlich. Auf 60 Kilometern Bahnstrecke gibt es 86 Übergänge. Nach dem schweren Unfall im Dezember ist die Diskussion um die Sicherung der Übergänge neu aufgeflammt. Was ist bisher geschehen?

"Es ist etwas in Bewegung gekommen. Die ÖBB haben uns aufgefordert, Übergänge zu nennen, welche aufgelassen werden können und welche mit Licht- oder Schranken zu sichern seien", so Uttendorfs Bürgermeister Josef Leimer. "Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, die Frage ist nur, wer übernimmt die Kosten", räumt Leimer ein. Eine Lichtanlage koste etwa 150.000 bis 180.000 Euro, eine Schrankenanlage etwa 250.000 Euro. In Uttendorf gebe es zwölf Übergänge, die teilweise bereits technisch gesichert seien. "Wir sind zum Glück keine Abgangsgemeinde, aber sichern wir fünf Übergänge, ist unser Budget weg", betont Josef Leimer. Als nächster Schritt steht ein Treffen mit ÖBB-Verantwortlichen an. Dabei soll das ausgearbeitete Konzept präsentiert werden.

Sein Bürgermeisterkollege Rüdiger Buchholz aus St. Peter zeigt sich vom aktuellen Vorfall tief betroffen. In St. Peter verfügt man bereits über ein fertig ausgearbeitetes Verhandlungspapier. Dieses wurde der ÖBB und Landeshauptmann-Stellvertreter Reinhold Entholzer vorgelegt. Er ist für die Verkehrssicherheit in Oberösterreich zuständig. "Auf der Mattigtalbahn und der Strecke nach Neumarkt/Kallham gibt es in unserem Gemeindegebiet acht Bahnübergänge. Fünf werden aufgelassen und drei technisch gesichert", so Buchholz. Sein Wunsch ist es, dass mit Ende 2015 alle Übergänge auf der Mattigtalbahn entsprechend gesichert sind. "Land, ÖBB und Gemeinde. Wir werden alle unseren Beitrag leisten", versichert Buchholz weiter. Es sei übrigens nicht einfach damit abgetan einen Übergang aufzulassen. Es müssen dann auch entsprechende Ersatzwege geschaffen werden.

Verhängnisvolle Routine
Mehr als 60 Prozent der Zusammenstöße ereignen sich auf Bahnübergängen ohne Schranken oder Lichtanlagen. Oftmals sind es ortskundige Personen, welche die örtlichen Gegebenheit ganz genau kennen. "Es stellt sich schnell einmal Routine ein. 100 Mal ist kein Zug gekommen, beim 101 Mal ist er aber da", warnt Armin Kaltenegger vom Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV). Zeitdruck oder Ungeduld sind Gründe welche Lenker veranlassen, die Bahnkreuzung trotz schließender Schranken oder Rotlicht noch zu überqueren.

Da für die nötigen Umbauarbeiten schlichtweg das Geld fehle, kann und wird es nicht so schnell gehen. Der KfV-Experte appelliert daher an die Vernunft der Fahrzeuglenker: "Besteht mit dem Zug bereits Sichtkontakt, kann der Zug nicht mehr anhalten. Ein Zug hat immer Vorrang." In 99 Prozent aller Fälle seien die Lenker selber schuld. Er appelliert daher an die Fahrzeuglenker, die Verhaltenspflichten so wie in der Fahrschule gelernt einzuhalten. Das bedeutet Lichtzeichen und Stopp-Schilder unbedingt beachten. Gibt es keine technische Sicherung, dann sollte man sich durch Sehen und Hören überzeugen, ob ein Zug kommt.

Warnvideo der ÖBB:
https://www.youtube.com/watch?v=WJKz9EfqHx0&featur...
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