12.12.2017, 10:00 Uhr

Wer kommt, geht und weiter besteht

Kürzere Öffnungszeiten und das Auskommen mit weniger Personal wird in der Gastronomie immer mehr zum Trend. (Foto: Kzenon/Fotolia)

Immer mehr Wirte im Bezirk Braunau verringern ihre Öffnungszeiten, um "überleben" zu können.

BEZIRK (ebba). Kaum eine Wirtschaft wurde in den vergangenen Jahren so gefordert wie die Gastwirtschaft. Allergenverordnung, Registrierkassenpflicht, das Hin und Her in Sachen Rauchverbot, das nun doch nicht kommt ... "Heutzutage muss man es sich schon gut überlegen, ob man sich das noch antut", meint Wirtesprecher Herbert Karer, Gastwirt im "Badhaus" Mattighofen.

Um als Wirt bestehen zu können, sei man immer mehr gefordert sich anzupassen – damit sich das Geschäft weiterhin rentiert und man nicht Gefahr läuft, den Betrieb einmal schließen zu müssen. „Viele Wirte schauen jetzt, dass sie die Öffnungszeiten verringern und mit weniger Mitarbeitern auskommen. So macht es zum Beispiel der Gasthof Baumkirchner in Altheim oder das Restaurant Dafner in Neukirchen. Heute hat man halt nur noch mittags und abends, anstatt durchgehend, geöffnet. Das muss dann aber auch von der Bevölkerung so akzeptiert werden, dass der Wirt nunmal nicht immer offen hat.“

Durch die Reduzierung der Öffnungszeiten genießen Gastronomen wieder mehr Freizeit. „Die Belastung in diesem Job ist hoch. Immer an den Wochenenden und in der Nacht zu arbeiten und der zusätzliche Stress, wenn ein Mitarbeiter ausfällt und man gefordert ist, das zu kompensieren. Viele wollen das einfach nicht mehr. Der Freizeitgedanke wird immer wichtiger.“ Kürzere Öffnungszeiten werden sich daher nicht aufhalten lassen. Laut Karer sei dies der Trend der Zeit.

Das absolute Rauchverbot in der Gastronomie, das im Mai 2018 hätte in Kraft treten sollen, kommt nun doch nicht. Dabei wäre längst nicht jeder Wirt dagegen gewesen. Walter Ginzinger zum Beispiel, vom gleichnamigen Gasthaus in Mauerkirchen. "Er führt schon seit Jahren ein Nichtraucherlokal und fährt damit sehr gut. Andere wiederum hörte man immer wieder sagen, wenn das Rauchverbot kommt, kann ich zusperren“, erzählt Karer.

Um als Gastronom überleben zu können, gehöre allen voran der „Auflagenwildwuchs“ eingedämmt, so der Wirtesprecher. „Immer wieder werden Gesetze erlassen und wir müssen es ausbaden“, ärgert er sich stellvertretend für seine Wirtekollegen.

Hier ist Schluss

In Mattighofen wird sich mit Ende des Jahres eine Traditionsgaststätte aus der gastronomischen Landschaft verabschieden. Die „Schmankothek“ schließt. Laut Nicole Heimel waren für diesen Entschluss mehrere Faktoren ausschlaggebend. Wohl aber auch die Tatsache, dass ständig neu hinzukommende Auflagen es einem nicht gerade leicht machen. „Dazu kommt, dass ich mir das Nachtarbeiten einfach nicht mehr antun wollte“, sagt Heimel. Damit ist in ein paar Wochen – nach 15 Jahren – Schluss.

Ein weiterer Traditionsbetrieb schließt nach 33 Jahren in Mauerkirchen. "Badwirt" Johann Lengauer konnte keine Übereinkunft mit der Gemeinde finden, was die Sanierungs- und Ausbaufinanzierung des Lokals anging. Für den Hausball am 5. Jänner wird zum letzten Mal geöffnet. Ab März 2018 macht Johann Lengauer dann in Weng weiter. Als neuer Pächter vom Wirt z’Leithen wird er von dort aus auch sein Catering weiterhin anbieten.

Die Gemeinde Mauerkirchen hat indes noch einen weiteren Verlust zu verkraften: Denn auch der Öller-Wirt sperrt zu. Hier wurde der Pachtvertrag nicht verlängert.

Wirtshaus findet Wirt

Es gibt aber auch Positives zu berichten. So soll sich für die Liegenschaft des ehemaligen Gasthofes Bräu in Munderfing endlich eine Lösung abzeichnen. "Ich will jedoch nicht zu viel verraten. Noch ist nichts unterschrieben", betont Munderfings Bürgermeister Martin Voggenberger. Offenbar dürfte aber die Plakataktion "Wirtshaus sucht Wirt" gefruchtet haben (die BezirksRundschau berichtete: Wirtsuche einmal anders - Verpächter inseriert auf Gebäudefassade). Es sollen noch einige Gespräche geführt werden. Bis Jänner jedoch sollte fix sein, ob beziehungsweise welcher Pächter den Gastronomiebetrieb übernehmen wird.
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