29.11.2016, 22:52 Uhr

Hasch und Alkohol sind Spitzenreiter

Harte Drogen beschränken sich längst nicht mehr nur auf Heroin. (Foto: diego cervo/Fotolia)

Der Drogenkonsum steigt. Auch in den Bezirken nimmt die Anzahl der Drogenabhängigen zu.

BEZIRKE (raa). In den Niederlanden, in Tschechien, selbst in den ansonsten sehr restriktiven USA ist der Umgang mit Cannabis, zumindest teilweise, legal. In Österreich ist Cannabis trotz Bestrebungen nach Liberalisierung illegal, ja strafbar. "Schon der Konsum, natürlich vor allem der Besitz dieser Drogen, führt in jedem Fall zu einer Anzeige", so Markus Kern, Suchtgiftermittler der Polizei Eferding.
"Ich würde auf keinen Fall sagen, dass Cannabis die Einstiegsdroge ist", glaubt Ingo Fuhrich von der Therapiestation Erlenhof überzeugt. "Es geht um die Lebensumstände, in die man mitunter hineingeboren wird, um später ein Drogenkonsument zu werden", so Fuhrich. "Sucht ist eine Krankheit. Der eine entwickelt Symptome, der andere nicht", weiß der Drogentherapeut aus seiner Erfahrung.

Flucht aus der Realität

"Einer unserer Patienten hat mir erzählt, er schwebe nach dem Konsum einen Meter über der Couch", erzählt Fuhrich. Die Sucht ist eine Flucht aus der Realität, die eben auch von dieser geprägt sein kann. "Die Süchtigen basteln sich durch ihren Konsum Gefühlszustände, die ihnen gefallen", so Fuhrich weiter. Er weiß, dass das die Flucht aus ungelösten Problemen darstellen kann.
Wenn die Polizei Drogenaufgriffe macht, werden diese in jedem Fall an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. "Der Leitsatz des Suchtmittelgesetzes lautet 'Therapie statt Strafe', und es obliegt der Bezirkshauptmannschaft, ob Maßnahmen ergriffen werden."
Dealer bieten neben Cannabis auch harte Drogen. "Alles ist illegal, und es kommt zu einer Anzeige. Aber es ist ein Unterschied, ob man für den Eigenbedarf anbaut oder damit handelt", so der Suchtgiftermittler.
"Wir haben auch Aufgriffe im Bereich Speed, Crystal Meth und Heroin, die über das sogenannte Darknet bestellt wurden. Aber auch da haben wir dank unserer Maßnahmen viele Zugriffe", so Kern. "Natürlich wird der Handel härter bestraft als der reine Konsum oder Anbau für den Eigenbedarf."
"Jeder Aufgriff wird an die BH weitergeleitet, die oft Auflagen ausspricht", betont Kern.
"Sucht hat viel mit Verheimlichen und Tricksen zu tun. Hier sind Angehörige gefragt, das zu erkennen und nicht überzureagieren", weiß Fuhrich aus seiner Erfahrung. "Die größte aller Süchte ist Alkohol", meint Kern, "und die ist leider etabliert." Drogenberatungen bietet jeder Bezirk, auch für Angehörige, an. Alkoholberatungen werden in jeder Bezirkshauptmannschaft durchgeführt. Drogenberatungen entweder an Linz oder Wels vermittelt. "Süchtig werden kann jeder, egal aus welcher Schicht", mahnt Fuhrich.

Zum Kommentar: Die vielfache Flucht vor der Wahrheit
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