Heilkräuter
Für fast alles ist ein Kraut gewachsen

Iris Ott studierte Pharmazie und ist seit 2007 als Apothekerin tätig. Sie hat eine Ausbildung in Homöopathie und Traditioneller Europäischer Medizin. Seit März diesen Jahres leitet sie die Diana Apotheke in Enns.
  • Iris Ott studierte Pharmazie und ist seit 2007 als Apothekerin tätig. Sie hat eine Ausbildung in Homöopathie und Traditioneller Europäischer Medizin. Seit März diesen Jahres leitet sie die Diana Apotheke in Enns.
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Schon die alten Römer wussten die heilende Wirkung der Natur zu schätzen. Lange galt dieses Wissen als überholt, doch Heilkräuter finden immer mehr den Weg in unsere Hausapotheke zurück.

ENNS. Ob Bauchweh, Schlafstörungen oder Kopfschmerzen: Fast immer wird zu Tabletten oder Pulverchen gegriffen, wenn es irgendwo zwickt oder zwackt. Doch es muss nicht immer Chemie sein. Heilkräuter unterstützen den Körper auf natürliche Weise - und wachsen oft im eigenen Garten. Iris Ott, Pharmazeutin und Leiterin der Diana Apotheke in Enns, weiß welches Kraut wofür gewachsen ist. Im Interview mit der BezirksRundschau spricht sie über die Verwendung, auf was man achten sollte und welche Heilpflanze ihr Favorit ist. 

Was macht eine Pflanze zur Heilpflanze? 
Wenn sie spezielle Inhaltsstoffe aufweist, die zur Linderung von Krankheiten, sowohl innerlich als auch äußerlich, dienen. Diese Inhaltsstoffe können unterschiedliche Wirkungen haben, wie zum Beispiel entzündungshemmend (Arnika) , beruhigend (Hopfen) oder auch abführend (Rhabarber ) um nur ein paar zu nennen. So können sie für Phytopharmaka – Arzneimittel pflanzlichen Ursprungs – in unterschiedlichen Arten, aber auch für Teezubereitungen oder Tinkturen verwendet werden.

Welche Teile der Pflanzen werden verwendet?
Blätter, Knospen, Blüten, Samen, Kraut, Wurzel.

Wie entfalten Heilkräuter am besten ihre Wirkung?
In der kalten Jahreszeit sind Heilkräuter am ehesten als Tee gefragt. Genauso können sie aber auch zum Inhalieren, als Badezusatz, als Öl oder in eine Salbe eingearbeitet, zum Einreiben, als Tinktur , als Gemmomazerat – das sind Knospen die in Glycerin und Alkohol eingelegt werden –  oder in Säften zur inneren Anwendung oder als Aromaöl angewendet werden. Kräuter und Gewürze sind die Seele der Kochkunst. In kleinen Menge und gut aufeinander abgestimmt, machen Sie jedes Gericht zur Gaumenfreude. Neben Vitaminen und Mineralstoffen sind vor allem die bioaktiven Stoffe (sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe) wertvoll. Wer auf die Kraft der Kräuter setzt, sollte sich aber bewusst sein, dass diese keinesfalls den Besuch beim Arzt ersetzt.

Bei welchen Heilpflanzen muss man ganz besonders aufpassen, wenn man sie einnimmt?
Viele Menschen meinen, dass pflanzliche Mittel völlig harmlos sind. Doch manche Kräuter können im Körper die Wirkung anderer Arzneimittel beeinflussen – sogenannte Wechselwirkungen mit ihnen eingehen. Dazu gehören zum Beispiel: 

  • Johanniskraut: Es kann bei leichten depressiven Verstimmungen helfen aber es aktiviert auch bestimmte Enzymsysteme in Leber und Darm, welche die Wirksamkeit von Cholesterinsenkern, Verhütungsmittel oder auch Asthma-Mittel abschwächen. 
  • Ginkgo und blutverdünnende Mittel: Gingko-Präparate helfen bei Durchblutungsstörungen und Gedächtnisproblemen. Sie beeinflussen aber auch die Fließeigenschaften des Blutes. Das kann mit der Einnahme gerinnungshemmender Medikamente, wie Phenprocoumon oder Acetylsalicylsäure, möglichweise die Blutungsneigung erhöhen. 
  •  Thymian und Hustenreizlindernde Medikamente: Schleimlösende Kräuter wie Thymian, Primel oder Efeu zählen zu den Anti-Husten-Klassikern. Sie lösen zähes Sekret aus den Atemwegen und erleichtern so das Abhusten. Vermeiden Sie es aber, den pflanzlichen Hustenlöser direkt mit einem Hustenreiz-lindernden Mittel wie Dextromethorphan zu kombinieren. Denn das eine Medikament hat eine gegenteilige Wirkung wie das andere. Wenden Sie dagegen morgens den Hustenlöser und abends den Hustenstiller an, spricht meistens nichts gegen eine Kombi.
  • Sennesblätter und Medikamente für Herzschwäche: Sennesblätter dienen als Abführmittel. Sie greifen jedoch – vor allem bei zu häufigem Gebrauch hoher Dosen – in den Salz- und Flüssigkeitshaushalt des Körpers ein. Dadurch kann der Arzneistoff Digitoxin, der bei Herzschwäche angewendet wird, stärker wirken und unerwünschte Effekte auslösen.

Generell gilt: Wenn mehrere Medikamente eingenommen werden, dann sollte im Vorfeld mit dem Arzt und Apotheker abgeklärt werden, welche Mittel kombiniert werden dürfen und wann es Probleme geben kann.

Wenn man Heilkräuter selber sammelt, was sollte man beachten?
Man muss beim Sammeln die bestimmten Kräuter genau erkennen. Auch der Ort ist wichtig, man sollte darauf achten, dass keine industriellen Abwässer oder gespritzte Felder in der Nähe sind. Der Sammelzeitpunkt in Bezug auf die Tageszeit hängt davon ab, welche Pflanzen man pflücken möchte: Da die meisten Kräuter in der Blüte gesammelt werden und diese tagsüber ihre Kraft entfalten, pflückt man am besten vormittags. Wurzeln sammelt man am besten abends, wenn die Pflanzenkräfte sich wieder in den Boden zurückziehen. Wichtig ist für alle Pflanzen, sie im trockenen Zustand zu sammeln, damit sie gut trocknen können. Um die Kraft der Heilkräuter zu erhalten, sollten diese dunkel, trocken und nicht in der Nähe von Wärmequellen gelagert werden. Plastikbehälter sind dafür nicht geeignet. Am besten sind dunkelbraune Gläser mit Schraubverschluss.

Welche Kräuter findet man spontan in der Wiese, die heilend sind?
Gänseblümchen, Brennnessel, Löwenzahn, Gundermann, Schafgarbe, Kamille, Augentrost, Johanniskraut, Stiefmütterchen, Tausendgüldenkraut, Schlüsselblume, Königskerze, Hirtentäschel.

Was ist ihre persönliche Lieblingsheilpflanze die sie jedem empfehlen würden?
Eine meiner persönlichen Lieblingspflanzen ist die schwarze Johannisbeere. In der Phytotherapie gelten die Knospen als natürliches Kortison durch eine ähnliche Wirkung, nur ohne die bekannten Nebenwirkungen. Ich habe sie gerne in meiner Handtasche da sie sehr hilfreich sein kann für plötzlich aufkommende Halsschmerzen, eine Erkältung , Allergie oder Ekzeme. Sie reguliert somit unser Immunsystem und verschafft Linderung und hat auch auf unser seelisches Gleichgewicht Einfluss. Ein wahres Allroundmittel also. 

Welche Heilkräuter helfen am besten gegen…

  •  Erkältung und Husten: Lindenblüten,Spitzwegerich, Anis, Eibisch, Königskerze, Fenchel , Holunder, Hundsrose , Salbei,  Echinacea, Sanddorn 
  • Blähungen, Magen-Darm-Beschwerden: Kamille ,Fenchel ,Salbei, Pfefferminze, Melisse, Anis und Kümmel ,Ingwer, Engelwurz, Enzian, Tausendgüldenkraut, bittere Schleifenblume, Kalmus, Schafgarbe, Faulbaumrinde
  • Niere und Blase: Goldrute, Zinnkraut, Birkenblätter, Bärentraube, Heidekraut, Liebstöckel, Rosmarin ,Preiselbeere
  • Kopfschmerzen: Goldmohn, Hundsrose, Mutterkraut, Mädesüß, Holunder, Weidenrinde, Schwarzpappel, , Baldrian Pfefferminze
  • Kreislaufbeschwerden: Weißdorn, Mistel, Rosmarin, Herzgespann, Melisse
  • Schlafstörungen, Stress und Nervosität: Haferstroh, Passionsblume, Baldrian, Hopfen, Lavendel, Feigenbaum ,Goldmohn, Silberlinde
Autor:

Marlene Mitterbauer aus Enns

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