Gedanken nach der Feuernacht in Tamsweg

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Der eine hatte das beste Pfort schon angezogen und war am Weg zu einer Feier, der andere war als Pendler auf dem Heimweg nach einer anstrengenden Woche, in Gedanken bei Frau, Famillie und Wochenende. Der Dritte war am Traktor und hatte nur mehr wenige Fuhren Heu zum einführen. Viele bereiteten sich auf das WM Spiel vor, das Bier eingekühlt, die Grillage vorbereitet. So mancher jüngere war in Partylaune, am Marktplatz sollte es ja bald rundgehen.
Dann ging die Sirene. Dann kam das SMS, dessen Absender LAWZ schon nichts Gutes ankündigte.
Kurz darauf waren sie alle im Zeughaus, hatten Einsatzgewand und Schuhe übergezogen und waren mit Blaulicht unterwegs zum Marktplatz in Tamsweg. Manch einer überlegte noch, wer der Maier sein könnte, oder welches Haus am Marktplatz die Nr 5 hat. Bald war es allen klar: DER Maier, der Gambswirt brannte! Das Gebäude ist für viele mit Erinnerungen verbunden, hier wurde geheiratet, Familien- Vereinigten- und andere Vereinsfeiern abgehalten, nach Begräbnissen getrauert, bei Sitzungen gestritten und anschließend wieder versöhnt. Für so manchen ein Ersatzwohnzimmer und Ort mit viel Erinnerungen.
Rasch war aus der vorbereiteten Partymeile am Marktplatz ein Katastropheneinsatzzentrum geworden. Blitzschnell war die Murgasse voller Schläuche, Pumpen waren aufgebaut, Tankwägen als Relaisstationen dazwischengeschalten, der Atemschutzzug aufgebaut und alle waren sie im Einsatz. Alte Haudegen wie junge, für manchen der erste Einsatz nach vielen Jahren mit Übungen bei der Feuerwehr. Sie gingen mit Atemschutz in das brennende Gebäude, kletterten über die Drehleiter auf das Dach der Nachbargebäude und machten, was sie jahrelang geübt hatten, wofür sie zur Feuerwehr gegangen waren: Helfen

Und sie hielten die ganze Nacht durch, die Männer und Frauen der Freiwilligen Feuerwehren aus dem gesamten Lungau. Jeder/e in seiner/ ihrer Funktion. Der Maschinist an der Pumpe, ebenso wie die Logistikerin des Atemschutzzuges oder die Schlauchwachen.Sie unterhielten sich, man traf schliesslich auch alte Bekannte, spekulierte über Ursachen und und wie es wohl ausgehen würde und sie unternahmen alles, um den Schaden so gering wie möglich zu halten. Genau wie die Frauen und Männer des Roten Kreuzes, der Polizei, des Energieversorges sowie der Gemeinde und der Bezirkshauptmannschaft. Unterstützt wurden sie von Kameraden aus dem Pongau und Tennengau, später auch von zivilen Firmen und die meiste Nacht von Nachbarn, wie dem Metzger, der seinen Wurst- und Semmelvorrat aufbrauchte, die Bürodamen, die als "Marketenderinnen" Kaffee verteilten, der Wirt, der auch mal ein Getränk stundete und sich nicht über die Benutzung der WC beschwerte, der Brunnenbauer, der mit Wissen und Pumpen zur Stelle war - und auch der Bürgermeister.
Sie zeigten, wie stark der Zusammenhalt eines ganzen Bezirkes sein kann, was Nachbarschaftshilfe bedeutet. Welch großartiges System, das ist, wenn man sich nicht einfach auf eine Berufsfeuerwehr verlässt, die "das schon machen" würde.

Was nehmen wir übrigen mit, die wir aus Neugierde zu nahe zum Einsatzort gegangen sind, die wir vielleicht sogar noch die letzte Absperrung überwinden wollten um "live" dabei zu sein?
Wir können nur danken!
Danke für Euren Einsatz!
Danke, daß ihr schlimmeres verhindert habt, nicht vorzustellen, wie Tamsweg sonst heute aussehen würde!
und vor allem Danke, daß ihr schon lange bereit wart, euch für Einsätze wie diesen zur Verfügung zu stellen!

Und wir können noch was tun: Wir können überlegen, wieso wir nicht dabei sind, welche Ausreden uns hindern, unseren Beitrag für die Gemeinschaft zu leisten.
Und wir können uns und unsere Umgebung auffordern: "Gehts zuwa"
Es muss ja nicht die Feuerwehr sein. Da gibt es noch Rettung/ Rotes Kreuz, Telefonseelsorge, Bergrettung, aber auch Berg- und Naturwacht, Landjugend, die lokale Bibliothek, den Chor, und viele weitere Vereine, die sich um die Gemeinschaft kümmern.
"gehts zuwa" - macht mit bei mindestens einer Organisation, die sich zum Ziel gesetzt hat, den anderen zu helfen und beizustehen.
Als Mütter sollten wir unseren Söhnen dazu raten, als Väter es unseren Töchtern nicht ausreden.
Und "gehts zuwa", wenn einer dieser Vereine eine Veranstaltung, ein Fest ausrichtet oder einfach nur eine Sammlung macht - alles, um sich zu finanzieren. Die Frauen und Männer sollen unseren Dank für Ihren Einsatz auch daran merken, daß wir zu Ihnen kommen, wenn sie uns benötigen.

Das sollten wir uns vornehmen, das ist nicht so schwierig, das lässt sich einrichten.

Jeden Samstag um 12 Uhr erinnern uns die Sirenen an diesen Vorsatz. Und spätestens bei der bundesweiten Sirenenprobe am 4. Oktober sollten viele von denen, die bis hier fertiggelesen haben, unten als Kommentar dazuschreiben können "Ich bin dabei"

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