Viele Gläubige wünschen sich rigorose Abgrenzung ihrer Kirche

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NEUMARKT/HINTERSEE (lin). Die Religionslehrerin Manuela Ebner aus Neumarkt ist eine von 102.025 Katholiken in den vier Dekanaten des Bezirks Flachgau. Auch sie bittet um den Segen der Kirche für sich und ihr Kind und geht zur Kommunion. Das tun aber immer weniger Menschen im Land. Auch 2016 sind im Flachgau fast 1.000 Menschen, genau 967, aus der Kirche ausgetreten. Die Austrittes- Zahlen sind in der gesamten Erzdiözese Salzburg seit Jahren etwa gleich. "Wir verlieren in unserem Gebiet Salzburg und Teile Tirols jahrlich zwischen 4.000 und 5.000 Menschen", sagt Katholikenanwalt Othmar Stephan. Warum eigentlich?

"Die Kirche schützt uns nicht"

Vordergründig nennen viele Menschen die Kirchensteuer in der Höhe von rund 200 Euro pro Jahr als Grund. "Immer wieder aber höre ich den Satz 'Die Kirche schützt uns nicht'. Viele Leute wünschen sich eine deutlichere Abschottung von fremden Religionen und vor allem vor dem Islam" sagt Stephan. Das bringt uns natürlich in eine Zwickmühle, denn das Engagement für Schutzsuchende und die Toleranz gegenüber Minderheiten sind zentrale Bestandteile der christlichen Soziallehre. Auch Papst Franziskus steht für diese Haltung."

Brauchtum statt Spiritualität

Die großen Austrittswellen sind vorbei. Rund um die Affaire Groer in den späten 80er-Jahren und die Missbrauchsaffaire Anfang der 2000er sind mehr als doppelt so viele Menschen ausgetreten als heute. "Aber trotzdem ist eine Enfremdung von der religiösen Praxis nicht zu verleugnen", sagte Albert Thaddäus Esterbauer, Vizekanzler der erzbischöflichen Kurie. "Sehr viele Menschen sind vor allem durch das religiöse Brauchtum an die Kirche gebunden. Die Kirche nutzt die Erstkommunion, die Firmung, Frohnleichnahm Ostern oder Weihnachten, um spirituelle Glaubensinhalte zu vermitteln".

Die Türe bleibt offen

Die größte Flachgauer Pfarrgemeinde ist Seekirchen mit 7.000 Katholiken und die Kleinste ist Hintersee mit 385 Gläubigen. Egal wo, jeder Katholik, der austritt, bekommt Post von Franz Lackner. Darin bedauert der Erzbischof den Austritt, fragt nach den Gründen und unterstreicht, dass jeder, der zurückkehren will, willkommen ist. 73 Menschen in den Flachgauer Dekanaten Bergheim, Köstendorf, St. Georgen und Thalgau haben dieses Angebot genützt. Ein stärkerer Rückfluss in den Schoß der Kirche, ausgelöst durch den über alle Grenzen hinaus beliebten Franziskaner-Papst, ist hingegen ausgeblieben.

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Autor:

Christoph Lindenbauer aus Salzburg-Stadt

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