Pilzextrakte und social media
Dualauszug ist nicht immer die beste Wahl
- hochgeladen von Tom Beyer
Sissi Kaiser und Tom Beyer warnen vor pauschalen Empfehlungen in sozialen Medien und erklären, wann Wasser, Alkohol oder Glycerin sinnvoll sind
PREGARTEN / FREISTADT. In Pilzgruppen in den sozialen Medien wird immer häufiger der sogenannte Dualauszug (erst Alkohol, dann Wasser) als uneingeschränkter Goldstandard angepriesen. Sissi Kaiser und Tom Beyer, Mitglieder des wissenschaftlichen Beirates der Mycoverse Foundation (Liechtenstein) und Autoren des Buches „Heimische Baumpilze - Rezepte und Anwendungen für die Hausapotheke" (Freya Verlag), halten diese Pauschalisierung für bedenklich. „Es gibt gute Gründe, warum man nicht jeden Pilz zu einem Dualauszug verarbeiten sollte“, sagt Sissi Kaiser.
Gesundheitsvorsorge: Speisepilze und milder Tee reichen oft aus
Für die reine Gesundheitsvorsorge reiche es vollkommen aus, regelmäßig Speisepilze zu essen. Sie liefern β-Glucane, Präbiotika, Ballaststoffe und weitere Inhaltsstoffe, die das Immunsystem, den Darm und den Stoffwechsel unterstützen. Beobachtungen aus asiatischen Ländern, in denen Pilze traditionell zur täglichen Nahrung gehören, bestätigen positive Zusammenhänge mit der allgemeinen Gesundheit. Ein milder Pilztee (Aufguss, keine starke Abkochung - zum Beispiel ein Tee aus Igelstachelbart) könne das Spektrum sinnvoll erweitern und auch Arten wie Reishi (Ganoderma lucidum) oder Chaga (Inonotus obliquus) für regelmäßige Anwendungen zugänglich machen.
Starke Abkochung und Pilzbitter als Ergänzung
Eine starke Abkochung hingegen könne so hohe Wirkstoffkonzentrationen freisetzen, dass sie ohne klaren Anlass bei dauerhafter Einnahme unerwünschte Wirkungen oder Gewöhnungseffekte auslösen kann. „Was therapeutisch sinnvoll ist, gehört nicht - frei nach dem Motto, viel hilft viel - in den Alltag“, betont Tom Beyer. Als ergänzende Vorsorge empfiehlt er in Maßen einen Pilzbitter – allein oder in Kombination mit einem klassischen Kräuterbitter. Die Bitterstoffe regen die Verdauung an und unterstützen die Aufnahme der Nährstoffe.
Gezielte Unterstützung: Die Löslichkeit der Inhaltsstoffe beachten
Bei gezielter Unterstützung im Genesungsprozess müsse man nicht nur die Löslichkeit der Inhaltsstoffe beachten, sondern auch berücksichtigen, dass Alkohol und andere Lösungsmittel selber eine Wirkung haben. Polysaccharide und β-Glucane sind wasserlöslich, viele Triterpene (etwa Ganodersäuren) dagegen besser in Ethanol. Ein zweifacher Auszug sei sinnvoll, wenn man bewusst beide Stoffgruppen brauche. Er sei aber nicht immer die beste Lösung. Bei einem gestörten Mikrobiom können die Feststoffe des Pilzes als Präbiotika wertvoll sein – genau die Anteile, die ein Dualauszug weitgehend entfernt.
Wenn der reine Alkoholauszug treffender ist
Es gibt auch Fälle, in denen ein reiner Alkoholauszug treffender ist und der zusätzliche Wasseranteil eher stört. Ein Beispiel: Wenn man gezielt die lipophilen Triterpene von Ganoderma lucidum nutzen möchte. Wasserlösliche Polysaccharide aktivieren stark die angeborene Immunabwehr und können die Wirkung der Triterpene verdünnen oder in manchen Situationen gegenläufig beeinflussen. Hier ist der reine Ethanolauszug die klar bessere Methode.
Lösungsmittel und Alternativen bei Unverträglichkeit
Besonders kritisch wird es, wenn das Lösungsmittel selbst problematisch ist. Bei Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse ist Alkohol grundsätzlich ungeeignet. In solchen Fällen empfiehlt Sissi Kaiser Wasserauszüge oder Glycerin in Kombination mit Ultraschall (haushaltsübliche Geräte). Glycerin kann teilweise die Rolle von Ethanol übernehmen: Es löst viele Verbindungen besser als reines Wasser, auch wenn es bei stark fettlöslichen Triterpenen nicht ganz an die Wirksamkeit von Ethanol heranreicht. Ultraschall mit einem herkömmlichen Haushaltsgerät verbessert dann die Ausbeute erheblich.
Fazit
„Die Methode muss zum Ziel, zur Löslichkeit der Wirkstoffe und zur Verträglichkeit passen“, fasst Tom Beyer zusammen. Pauschale Empfehlungen wie „Dualauszug ist immer das Beste“ verdecken diese notwendigen Unterscheidungen und können zu unnötigen oder sogar ungeeigneten Anwendungen führen.
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