Campus Hagenberg
Professorin ermutigt Mädchen zu MINT-Ausbildung

Die FH-OÖ-Forschungsgruppe „FemTech Lab“ versucht auch mit Hilfe von Gamification für IT zu begeistern, zum Beispiel mit einem eigens konzipierten „Escape the Room“ Spiel. | Foto: FH OÖ
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  • Die FH-OÖ-Forschungsgruppe „FemTech Lab“ versucht auch mit Hilfe von Gamification für IT zu begeistern, zum Beispiel mit einem eigens konzipierten „Escape the Room“ Spiel.
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Wie eine im Mai erschienene Studie der FH Oberösterreich (FH OÖ) zeigt, zieht mehr als die Hälfte der befragten Schülerinnen eine technisch-naturwissenschaftliche Ausbildung nicht in Betracht und wird zu einer solchen von ihrem Umfeld weder motiviert noch ausreichend informiert. Dem steuert Martina Gaisch, Co-Autorin der Studie und Professorin an der FH OÖ (Fakultät für Informatik, Kommunikation & Medien in Hagenberg), schon seit längerem mit verschiedenen Aktivitäten entgegen.

HAGENBERG. Mehr Frauen in die Technik beziehungsweise in die IT! Das ist nicht nur ein vielfach hörbarer Aufruf aus Politik und Wirtschaft, sondern auch eine Herzensangelegenheit von Martina Gaisch, der wissenschaftlichen Leiterin des Diversity Managements an der FH OÖ und Studiengangsleiterin an der IT-Fakultät in Hagenberg: "Ich möchte Mädchen dabei helfen, Türen aufzustoßen und Neues zu entdecken – konkret im Bereich der Informatik, die wesentlich kreativer, vielseitiger und weniger nerdig ist als viele denken."

Selbstvertrauen stärken

Wie notwendig das ist, zeigt die jüngst veröffentlichte Studie „Wie MINT gewinnt“, die von der FH Oberösterreich durchgeführt wurde. Von den mehr als 1.500 befragten österreichischen Schülerinnen zwischen 14 und 18 Jahren können sich nämlich mehr als die Hälfte keine Ausbildung im Bereich MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) vorstellen. Für jede Vierte scheint ein solcher Karriereweg zumindest teilweise denkbar. In eben dieser Gruppe der Unentschlossenen sieht Gaisch auch das größte Potenzial, um mehr Schülerinnen für MINT zu begeistern. „Es braucht einfach eine Stärkung des Selbstvertrauens und bessere Aufklärung über die Möglichkeiten, die eine solche Ausbildung bietet“, betont die FH-Professorin.

Meist traditionelle Berufe

"Meistens gehen Mädchen in traditionelle Berufe, weil sie keine anderen kennen, weil sie hören, dass MINT-Berufe unweiblich seien und weil sie bei vorhandenem Interesse für MINT zu wenig positives Feedback erfahren“, erklärt Gaisch. Es gebe also viel zu tun und das vor allem im Bereich Motivation und Aufklärung, betont die Professorin, die seit Jahren gemeinsam mit FH-OÖ-Kolleginnen zum Thema „Frauen in MINT“ forscht und zahlreiche Initiativen und Maßnahmen ins Leben gerufen hat.

Mehr weibliche Vorbilder

Bereits ihre Vorgängerstudie zum IT-Interesse von Schülerinnen aus dem Jahr 2017 hat aufgezeigt, was sich Mädchen wünschen und was sie motiviert, eine IT-Ausbildung in Betracht zu ziehen – nämlich mehr Bezug zu gesellschaftlichen Themen, ein anderes Wording bei der Beschreibung der Studieninhalte und Karrierewege, mehr weibliche Vorbilder sowie projektbasiertes Lernen.

Eigenes Studium entwickelt

Auf Basis dieser Ergebnisse hat Gaisch mit zahlreichen weiteren Frauen aus dem IT-Bereich ein eigenes Studium für ihre Fakultät in Hagenberg entwickelt. Ziel des im Herbst 2022 gestarteten Bachelors „Design of Digital Products“, der neben UX-Design auch die Themen Nachhaltigkeit, Ethik und Kreativität in der Software-Entwicklung in den Mittelpunkt stellt, war es, mehr Vielfalt in die Informatik zu bringen. Programmierkenntnisse sind für den Einstieg in dieses Studium – wie auch bei allen anderen Hagenberger Bachelor-Studiengängen – übrigens keine Grundvoraussetzung.

Forschungsgruppe gegründet

Um den Frauen in Hagenberg mehr Möglichkeiten zum Vernetzen zu bieten, hat Gaisch zudem ein eigenes Studentinnen-Netzwerk gegründet und für den umliegenden Softwarepark den "Tech Fem Club" ins Leben gerufen. Mit ihrer Forschungsgruppe „Fem Tech Lab“ hat sie auch den Escape the Room „Flucht aus dem Museum“ konzipiert, der mittlerweile ein echter Renner bei den Schulbesuchen am Campus geworden ist und jederzeit gebucht werden kann. Dieses Angebot setzt ein weiteres Ergebnis der Studie in die Praxis um, nämlich die spielerische Annäherung an das Thema und das Aufzeigen von praktischen Anwendungen der Informatik.

Frauen vor den Vorhang

Mit dem vom Bundeskanzleramt geförderten Projekt MINT your future hat Gaisch zudem zahlreiche weibliche Role Models sichtbar gemacht. Dafür wurden mehr als 50 Frauen aus den MINT-Bereichen interviewt und deren Tätigkeiten, Karrieren und Ausbildungswege skizziert. In einem nächsten Schritt werden nun Videos produziert, um die Vielfalt von MINT-Berufen aufzuzeigen. Zusätzlich holen die von Martina Gaisch und der Wirtschaftskammer-Sparte Industrie ins Leben gerufenen „Female Leadership Talks“ weibliche Führungspersonen aus Oberösterreich vor den Vorhang und ermöglichen spannende Diskussion über Themen wie Führung, Kind und Karriere, flexible Arbeitszeiten und Verdienstaussichten.

IT braucht mehr Weiblichkeit

„Die IT braucht dringend mehr Weiblichkeit, denn mit gerade mal 18 Prozent weiblicher Studierender in Österreich sind noch viel zu wenig Informatikerinnen am Werk“, sagt Gaisch. Besser ist die Situation in Hagenberg, wo der Frauenanteil am Campus mittlerweile bei mehr als 30 Prozent liegt. „Unsere FH hat den richtigen Weg eingeschlagen“, zeigt sich Gaisch erfreut. "Das liegt zum einen an unserer breiten Ausrichtung, die neben Informatik auch auf Kommunikation und Medien setzt, zum anderen an den zahlreichen Initiativen, die darauf abzielen, dass sich die Studentinnen in Hagenberg wohl und gut integriert fühlen."

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