06.10.2014, 11:36 Uhr

Kaserne: Der Kampf geht weiter

(Foto: Tilly-Kaserne)
FREISTADT. "Für mich persönlich kam das Aus der Kaserne am Schluss doch sehr überraschend, weil wir bis vor zwei Wochen nicht mehr auf der Schließungsliste gestanden sind. Wie und warum wir dann doch zur geplanten Schließung freigegeben wurden, kann ich nicht beantworten!" So enttäuscht zeigt sich auch der Offizierstellvertreter Reinhard Atteneder, der auch Vorsitzender des Gewerkschaftlichen Betriebsausschusses der Tilly-Kaserne ist. Der Soldat und SPÖ-Stadtrat Atteneder fassungslos: "Schade, wie leichtfertig und vor allem schnell von den politischen Entscheidungsträgern 50 Arbeitsplätze in Freistadt aufgegeben werden. Die Kaserne Freistadt bietet mit ihrem eigenen, fußläufig erreichbaren, Übungsplatz das ideale Umfeld um junge Wehrpflichtige und Kadersoldaten auszubilden."
In der Tilly-Kaserne arbeiten derzeit rund 50 Bedienstete. Für 365 Soldaten ist die Freistädter Tilly-Kaserne ein ideales Ausbildungszentrum. Seit 2005 werden hier mit großem Erfolg Berufssoldaten ausgebildet.
Atteneder weiter: "Ich selbst sehe die gesamte Umstrukturierung ausschließlich als Sparpaket im bedrohlichem Ausmaß." Er will den Kampf jedenfalls noch nicht aufgeben: "Solange die Umstrukturierungsmaßnahmen vom Ministerrat nicht abgesegnet sind, werden wir für den Erhalt der Kaserne und den Arbeitsplätzen für Freistadt kämpfen. Die Fakten würden für den Erhalt der Kaserne sprechen. "Neben der Wirtschaftlichkeit, Arbeitsplätzen im ländlichen Raum, der sehr guten Ausbildung die wir leisten, spricht vor allem die Tatsache, dass wir in Oberösterreich dann nur noch vier Kasernenstandorte hätten. Und das bei einem Wehrpflichtigenaufkommen von 58 Prozent des Gesamtaufkommens Österreichs. Viele junge Oberösterreicher müssen jetzt schon zum Ableisten ihres Grundwehrdienstes in andere Bundesländer auspendeln."
Atteneder rechnet vor: "Tatsächlich spart das Bundesheer bei der Ausbildung von Soldaten in Freistadt, und zwar mindestens 132.000 Euro pro Jahr. Mit jedem Auszubildenden mehr in Freistadt wird dieser Vorteil größer" betont Atteneder. Nur alleine die zusätzlichen Kosten für die Anmietung notwendiger ziviler Busse würden für einen Ausbildungsabschnitt in der Dauer von drei Monaten 15.000 Euro betragen, hochgerechnet auf das gesamte Jahr also 60.000 Euro. Zusätzlich Kosten für Personal, Eigen-Kfz, Arbeitszeit etc steigern die Kosten für ein Ausbildungsvorhaben aus anderen Kasernen um ein Vielfaches.“
Er will alles erdenkliche versuchen, diese Argument bis an die Bundesheer-Spitze zu bringen. Es gab ein Treffen mit Oberst Hartl, dem Vorsitzenden der Offiziersgesellschaft. Auch bei der Bundesvorstandssitzung der SPÖ setzte er sich noch einmal für den Erhalt der Kaserne ein. "Für die Kaserne Freistadt könnte es noch Hoffnung geben, wenn der Landeshauptmann und sein Stellvertreter an einem Strang ziehen und sich ebenfalls dafür einsetzen. Bis zum Ministerrat in 14 Tagen ist noch alles offen", so Atteneder abschließend.
Auch der Landtagsabgeordnete und SPÖ-Bezirksobmann Hans Affenzeller ist enttäuscht: „Für Oberösterreich ist die Schließung der Tilly-Kaserne eine militärische Bankrotterklärung. Oberösterreich hat unter den vergleichbaren Bundesländern jetzt schon die mit Abstand wenigsten Standorte. Während Oberösterreich den aktuellen Plänen zufolge nur mehr sechs Kasernenstandorte hat, gibt es im Heimatbundesland von Verteidigungsminister Gerald Klug, in der Steiermark, noch immer zwölf Standorte. Wie das der Landeshauptmann zulassen kann, ist mir schleierhaft."
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