Droht dem Bezirk ein Ärztemangel?

Die Statistiken stimmen zuversichtlich: Von allen Planstellen in den Bezirken ist nur eine unbesetzt.
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  • hochgeladen von Florian Uibner

BEZIRKE (fui). Zeit- und Kostendruck sowie dürftige Honorierung sollen den Mangel an niedergelassenen Kassenärzten weiter befeuern. Aber wie viele Ärzte fehlen wirklich und wie wird dem angeblichen Kollaps im Gesundheitssystem begegnet?
Im Bezirk Eferding gibt es  13 Kassenstellen für Allgemeinmediziner, die alle besetzt sind. Für Grieskirchen sieht die Oberösterreichische Gebietskrankenkasse (OÖGKK) 32,7 Planstellen vor, von denen eine derzeit unbesetzt und eine weitere in eine Gemeinschaftsstelle übertragen wird. "99 Prozent aller Krankenkassen-Vertragsarztstellen in Oberösterreich sind aktuell besetzt. Dieser Wert zeigt: Das Hausarztmodell ist grundsätzlich attraktiv. Aber: Damit es in Zukunft so bleibt, müssen wir die Hausarztrolle an die Erwartungen der nächsten Ärztegeneration anpassen. Dezidiert erwarten viele Jungmediziner eine bessere Work-Life-Balance und mehr Teamarbeit – auch im niedergelassenen Bereich", erklärt Harald Schmadlbauer, Sprecher der Gebietskrankenkasse.

Work-Life-Balance und Kontrolldruck

Eine gute Balance aus Arbeit und Freizeit betont auch Engelbert Schamberger, Bezirksärztevertreter in Grieskirchen, als wachsendes Bedürfnis junger Ärzte: "Familienleben und Kassenstelle unter einen Hut zu bringen, ist schwierig. Viele junge Ärzte wünschen sich eher ein geregeltes Arbeitsverhältnis. Aber ein Arzt darf keinen anderen Arzt anstellen. Außerdem ist es zunehmend unattraktiv, ein Kassenarzt zu werden. Kostenbewusstsein ist notwendig, aber unter dem derzeitigen Kontrolldruck zu arbeiten, ist für junge und ältere Ärzte schwierig."
Herbert Hörtenhuber, Bezirksärztevertreter im Bezirk Eferding, sieht das wie sein Kollege: "Die Wertschätzung in der Bevölkerung für unseren Beruf ist da, aber die Honorierung entspricht nicht mehr. Während der Wahlarzt alle seine Leistungen verrechnen kann, bekommt der Kassenarzt durch die Deckelung der Honorare unterschiedliche Abgeltung für gleiche Leistungen. Das ist auch für junge Kollegen alles andere als motivierend. Unter den Allgemeinmedizinern ist der Anteil der Wahlärzte noch gering, bei den Fachärzten sieht das anders aus." Vonseiten der Gebietskrankenkasse heißt es dazu, man arbeite gemeinsam mit der Ärztekammer an einer "zeitgemäßen Weiterentwicklung des Hausarztberufes."

Kaum Allgemeinmediziner in Ausbildung

Neben der Attraktivität des Berufes hat sich auch die Ausbildung der Mediziner verändert: "In den Krankenhäusern werden keine Allgemeinmediziner mehr ausgebildet, sondern nur noch Fachärzte. Auch wenn der Hausärztliche Notdienst Entlastung bringt, sind wir an den Grenzen unserer Kapazitäten. Gut zwei Drittel aller Ärzte im Bezirk Grieskirchen sind um die 60 oder noch älter, und die Suche nach Nachfolgern wird immer schwieriger. Bei den Krankenkassen und in der Politik klammert man sich offenbar an die Hoffnung, dass das alles irgendwie so weitergeht", so Schamberger.

Volle Wartezimmer und leere Kassen

Kommentar von Florian Uibner
Ein Familienleben und der Beruf als niedergelassener Kassenarzt scheinen tatsächlich schwer vereinbar. Zu den Ordinationsöffnungszeiten – die in den meisten Fällen wohl nach hinten ausgedehnt werden – kommen Visiten, Bereitschaftsdienste und eine penible Dokumentation. Im Hinblick auf eine ausgewogene Work-Life-Balance nicht das attraktivste Jobmodell. Dass sich da der Nachwuchs schwer motivieren lässt, ist nachvollziehbar. Auch wenn die Zahlen für die Bezirke gut sind, ist der Weg zum nächsten Arzt in manchen Randgebieten weit und sind die Wartezimmer voll. Die Gründe dafür sind vielfältig und liegen sicher nicht nur am "Kostenbewusstsein" der Krankenkassen. Die Politik wäre gefordert, hier Anreize für junge Ärzte zu schaffen. Stattdessen läuft alles weiter wie gewohnt. Fraglich nur, wie lange noch.

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