22.11.2017, 18:25 Uhr

Trotz Integrationswillen droht die Abschiebung

Enayat Shafiyi macht eine Lehre bei Perndorfer. Er hat vor kurzem einen negativen Asylbescheid erhalten. (Foto: Anita Tossmann)

Sie zeigen Einsatz, Willen zur Integration und sind in ihrer Ausbildung fleißig. Trotzdem droht zwei Asylwerbern im Bezirk Grieskirchen die Abschiebung – mitten in der Lehre und im Praktikum.

BEZIRK (jmi). "Was man hier aufführt, ist mehr als eine Schweinerei! Den Menschen gibt man mit einer Lehrstelle Hoffnung, sich eine neue Zukunft aufzubauen, und dann so was", ist Franz Perndorfer, Geschäftsführer von Perndorfer Maschinenbau in Kallham, erbost. Einer seiner Metalltechniker-Lehrlinge, Enayat Shafiyi aus Afghanistan, erhielt trotz starkem Integrationswillen kürzlich einen negativen Asylbescheid. Ihm droht die Abschiebung. Perndorfer Maschinenbau hat derzeit zwei Asylwerber in der Lehre. Beide "bemühen sich und sind fleißig", wie Perndorfer betont.

Kein Einzelfall. Aktuell betrifft das auch einen weiteren Asylwerber, der derzeit ein Praktikum in einem Altenheim macht. Das Verfahren in beiden Fällen geht jetzt in die zweite Instanz. "Abschiebungen für Menschen in Ausbildungen auszusetzen, zumindest bis zum Abschluss der Lehre oder Ausbildung", fordert auch Landesrat Rudi Anschober. Das sieht Perndorfer genauso: "Da müsste man ihnen von vornherein sagen, dass es keine Ausbildung gibt und es für sie wieder zurückgeht – und nicht erst Hoffnungen machen", so der Firmenchef und verweist auf den Fachkräftemangel. "Durch die HTLs in der Region ist der Konkurrenzdruck hoch. Wir bekommen einfach keine Lehrlinge. Als Lehrling muss man auch was drauf haben. Einer unserer Asylwerber hat sogar die Berufsschule gleich im ersten Jahr in Mechatronik geschafft – und das will was heißen."

Auch bei Anita Tossmann stößt das auf Unverständnis. Die Peuerbacherin setzt sich seit 2015 ehrenamtlich für Asylwerbende in ihrer Heimatgemeinde und in Grieskirchen ein. Für sie ist die Situation ein Schock: "Vor Kurzem erreichte uns ein weiterer negativer Bescheid, der laut Auskunft von Anwälten und Rechtsberatern noch vor einem halben Jahr ein zumindest eindeutiger subsidiärer Schutz gewesen wäre. Doch nun ist die Bemühung des Einzelnen und die Integrationsleistung nichts wert. Das ist die Conclusio für unsere Asylwerbenden." Daher tritt Tossmann mit der Wirtschaftskammer in Kontakt, um "auch auf die wirtschaftliche Komponente von Asylwerbenden im Arbeitsmarkt hinzuweisen, Abschiebungen zu verhindern".

Asylwerber und Arbeit: Fakten

Asylwerber dürfen nur in diesen Bereichen arbeiten: Hilfstätigkeiten im
Quartier, gemeinnützige Arbeit, Volontariate, Saisonarbeit, Selbstständigkeit, Lehre in Mangelberufen, Dienstleistungsscheck. Bei der Eingliederung in den Arbeitsmarkt hilft das Netzwerk Integration OÖ.
Aktuell absolvieren 276 Personen eine Lehre in Mangelberufen in OÖ. Erst nach Erhalt des Asylbescheids steht dann der Arbeitsmarkt generell offen.
Die von manchen vielfach befürchtete Steigerung der Arbeitslosen-Zahlen verlief moderater als gedacht: Mit Ende Oktober waren 1.643 Asylberechtigte bzw. Subsidiär Schutzberechtigte in OÖ als arbeitslos gemeldet, weitere 1.280 in Schulung und 72 lehrstellensuchend.

Online-Petition "Ausbildung statt Abschiebung":

Hier können Sie die Petition "Ausbildung statt Abschiebung" von Landesrat Rudi Anschober unterschreiben: https://www.openpetition.eu/petition/online/ausbildung-statt-abschiebung
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