22.06.2016, 06:56 Uhr

Wenn die Freiheit im Internet zur Gefahr wird

Smartphones und schnelles Internet führen oft in einen Dschungel vielfältiger Gefahren.

Ständig online sein und dem Internet mehr glauben als der Realität, wird zu einem Problem.

BEZIRKE (raa). Ständig online sein – das scheint die Devise unserer Zeit zu sein. Das Smartphone ist heute ein ständiger Begleiter. Nahezu pausenlos ist der Zugriff aufs Internet möglich, und das wird auch reichlich genutzt. Viel zu reichlich, meinen viele. "Wenn das Internet zur Sucht wird, sind die Folgen oft ähnlich wie bei alkoholkranken Menschen", betont Pauline Stürzenbaum von der Alkoholberatung in Grieskirchen. Gerade nach Alkoholentzügen könne es, so die Expertin, zu Suchtverlagerungen hin zum Computer bis hin zur Spielsucht kommen. "Soziale Entfremdung und Vereinsamung selbst in der eigenen Familie können hier wie dort die Folge sein."
Eine soziale Entfremdung ganz anderer Art ist in den sozialen Medien wie Facebook Tag für Tag zu erleben. Hier wird munter drauflosgeschimpft, über Mitmenschen gelästert, Kollegen gemobbt und vielfach sogar zur Gewalt gegen Menschen aufgerufen. Gerade im Umgang mit Flüchtlingen und in Zeiten von Wahlkämpfen gibt es teilweise schlimme Dinge zu lesen. Bis hin zum offenen Aufruf zum Mord. Personen, die aufhetzen, beleidigen oder schlicht die Unwahrheit behaupten, fühlen sich in der vermeintlichen Anonymität des Netzes sicher. Ein Trugschluss. "Durch das Posten erreiche ich schnell eine breite Öffentlichkeit, das ist nicht mehr vertraulich", weiß Rechtsanwalt Klaus Holter aus Grieskirchen. "Eine Ehrenbeleidigung, eine üble Nachrede im Sinne des Strafgesetzes ist hier schnell erreicht", so der Anwalt. "Der Tatbestand der Verhetzung kann unter Umständen zu einem Verfahren führen und empfindliche Geldstrafen und sogar eine Freiheitsstrafe von mehreren Monaten nach sich ziehen", so Holter. Beleidigungen gegen bestimmte Personen sind nach dem Gesetz ein Privatanklagedelikt, auf das der Betroffene selbst reagieren muss. "Verhetzung oder gar Wiederbetätigung sind Offizialdelikte, die jeder anzeigen kann und die auch von der Staatsanwaltschaft verfolgt werden", weiß Holter aus seiner täglichen Praxis.
"Facebook ist eine ordentliche Macht, doch die Leute nehmen mehr und mehr Abstand von der Stimmungsmache darin", ist der Stadtparteiobmann der FPÖ, Michael Lehner, überzeugt. Nicht zuletzt stand der Account des FPÖ-Chefs Heinz-Christian Strache mit Reaktionen auf seine Postings verstärkt im Fokus und der Kritik der Öffentlichkeit. "Für mich ist dieses soziale Netzwerk eine Blase, in der sich die Leute im eigenen Saft wälzen", betont der Fraktionssprecher der Grünen in Grieskirchen, Bernhard Waldhör. "Trotzdem ist das Internet wichtig", so Lehner. "Das Netz ist kostenlos, und man kann rasch reagieren."
Nicht kostenlos sind im Netz hingegen Bilder und andere urheberrechtlich geschützte Werke. Hier hat sich mitunter eine Selbstbedienungsmentalität entwickelt, die so manch einen teuer zu stehen kommt. "Wer beispielsweise Bilder von einer fremden Homepage runterlädt und selbst öffentlich verwendet, kann zivilrechtlich belangt werden. Das ist schlicht Diebstahl", so der Anwalt. "Das kann dann von einer Unterlassungserklärung bis hin zu hohen Schadensersatzforderungen reichen." Zahlreiche Kollegen Holters durchforsten das Netz regelrecht nach "geklautem" Material, um kostenpflichtig abzumahnen.
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