Lokalaugenschein in Sölden
Sprengung des linken Fernerkogels ist "maßlose Übertreibung" (mit Video)

Diese Visualisierung des kolportierten Abtrages des Gratgipfels fertigte der WWF an. Die auf dem Gletscher befindlichen Personen geben Aufschluss auf die Höhenverhältnisse.
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  • Diese Visualisierung des kolportierten Abtrages des Gratgipfels fertigte der WWF an. Die auf dem Gletscher befindlichen Personen geben Aufschluss auf die Höhenverhältnisse.
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SÖLDEN (ps). Zu einem Lokalaugenschein am Tiefenbachferner wurden vergangenen Mittwoch regionale wie internationale Medienvertreter eingeladen. Der Anlass dieser Beschau war die vor allem in sozialen Netzwerken kolportierte Sprengung des linken Fernerkogels, um eine Zwischenstation am Pitztaler Gletscher zu errichten. Befürworter des Zusammenschlusses der beiden Gletscherskigebiete Sölden und Pitztaler Gletscher sahen sich gezwungen, die verbreiteten Falschmeldungen richtig zu stellen. Nach eigenen Angaben häuften sich Mailanfragen von Gästen, ob wirklich ein Berg gesprengt wird.

Fernerkogel bleibt erhalten

Den Projekt-Gegnern wirft man Verbreitung falscher Informationen und Bilder vor. "Wir werden keinen Berggipfel sprengen und schon gar nicht den linken Fernerkogel, der aus mehreren hundert Millionen Kubikmeter Gestein besteht, wir sprechen von einem Abtrag (eines Grates, Anm.) von 36 Metern", erklärte Eberhard Schultes, Geschäftsführer der Pitztaler Gletscherbahn. Es würde eine der beiden geplanten Zwischenstationen darauf gebaut werden, die für die drei Seilbahnen benötigt werden. Neue Skipisten im Ausmaß von rund 64 Hektar, 58 Hektar davon auf Gletscherfläche, würden entstehen. Um die Beschneiung sicherzustellen, bedarf es eines großen Speicherteiches. "Im weitestgehend unterirdisch errichteten 'Zentrum' laufen alle drei Seilbahnen zusammen, in den Glaskuppen sind Seilbahnstationen untergebracht. Da es mit Gestein aus der Umgebung überschüttet wird, soll es sich harmonisch in die Landschaft einfügen", führte Schultes weiter aus.

Petition und rote Karte 

Die von Gerd Estermann ins Leben gerufene Petition gegen den Zusammenschluss haben mittlerweile mehr als 110.000 Menschen unterzeichnet, das spreche eine deutliche Sprache. Wenngleich die Unterzeichnenden wohl von einer Sprengung des linken Fernerkogels ausgegangen sein dürften, die von den Projektbetreibern ja vehement dementiert wird, ist dies ein klares Statement aus dem In- und Ausland. Auch von Landesumweltanwalt Johannes Kostenzer gibt es die rote Karte, er sehe hier einen Etikettenschwindel, da es um ein drittes Skigebiet und nicht um eine Erweiterung oder einen Zusammenschluss gehen würde. Dennoch sei die Rechtsstaatlichkeit zu respektieren und der Ausgang des UVP-Verfahrens abzuwarten. 

"Logik schreit danach"

"Es ist uns sehr wohl bewusst, dass die Natur unser Kapital ist", so Jakob "Jack" Falkner, Geschäftsführer der Bergbahnen Sölden, "wir können die Lifte der Pitztaler sehen und sie sehen unsere Lifte. Die Logik schreit nach einer Verbindung der beiden Täler." Das Projekt sei politisch gewollt und 2005 in die Raumordnung aufgenommen, so Falkner, der weiter  aufklärt, dass "2016 das best geprüfte Projekt, das mittlerweile 11200 Seiten mit 700 Plänen und 45 Gutachten umfasst, zur Umweltverträglichkeitsprüfung eingereicht wurde."
Elmar Haid, Bürgermeister aus St.Leonhard, sieht im Zusammenschluss einen Rettungsanker gegen die Abwanderung aus dem Tal und der wirtschaftlich schwierigen Situation seiner Gemeinde. Jungunternehmer, die sich zum "Lebensraum Pitztal" zusammengeschlossen haben, vertraten ebenfalls die Meinung, dass der Zusammenschluss eine existenzielle Frage für den Tourismus im hinteren Pitztal sei. Der Ausgang der UVP wird jedenfalls von allen Seiten mit Spannung erwartet. Weitere Schritte dauern allenfalls noch bis Ende dieses Jahres, bzw. Anfang 2020.

Mehr zum Thema: Kritik der Liste Fritz an Gipfel-Sprengung – mit Umfrage

Autor:

Petra Schöpf aus Imst

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