Julia Santer lernt Seilbahntechnikerin
Technik ist auch Frauensache
- Die Ötztalerin freut sich über den Austausch mit ihren erfahrenen Kollegen.
- Foto: Bergbahnen Sölden/Nösig
- hochgeladen von Clemens Perktold
Sie ist sechzehn Jahre alt, fährt gerne Ski, spielt Flügelhorn in der Musikkapelle Huben – und baut in ihrer Ausbildung bei den Bergbahnen Sölden an Seilen, Klemmen und Liften.
Bergbahnen Sölden
SÖLDEN. Die Ötztalerin Julia Santer hat sich für die Lehre zur Seilbahntechnikerin entschieden. Damit gehört sie zu einer kleinen, aber wachsenden Gruppe junger Frauen, die in der Technik ihren Weg gehen. Seit September 2024 ist Julia Teil der Lehrlingscrew bei den Bergbahnen Sölden. Was sie antreibt?
„Ich habe mich beim Skifahren immer gefragt, wie so eine Bahn eigentlich funktioniert.“
Erste Antworten fand sie im Rahmen der „Schnupperwochen“ während der Pflichtschulzeit und gewann spannende Einblicke hinter die Kulissen. Etwa beim Auseinanderbauen einer Klemme. Heute weiß sie: Es war der Start in eine Ausbildung, die ihr täglich neue Perspektiven eröffnet. Bereits das erste Lehrjahr brachte viel Abwechslung: Revisionen im Herbst, ein Monat in der Betriebsschlosserei, dann Station in der Pistenbully-Werkstatt. Im Frühjahr 2025 ging es nach Hallein in die Berufsschule. Aktuell fasziniert sie, wie rasch eine neue Anlage entsteht, die Bergbahnen Sölden realisieren zur Wintersaison 25/26 zwei neue, topmoderne 8er-Sesselbahnen inklusive KI-Funktion.
Bergbahnen Sölden
Sicherheit geht vor
Technik im Seilbahnbereich bedeutet Verantwortung. Julia ist sich dessen bewusst: „Bei der Klemmenrevision schaue ich lieber zweimal hin. Es hängt ja der ganze Sessel oder die komplette Gondel daran. Sicherheit hat absoluten Vorrang.“ Auch im Winterbetrieb, wenn täglich Kontrollgänge und Probefahrten anstehen, wird ihr klar, dass der Job nicht nur technisches Interesse, sondern auch Sorgfalt verlangt.
Bergbahnen Sölden
Gemeinsam lernen
Die Bergbahnen Sölden zählen zu den größten Ausbildungsbetrieben der Branche. Sieben Lehrlinge absolvieren aktuell die Ausbildung zur Seilbahntechnikerin bzw. zum Seilbahntechniker. Ausbildungsleiter Dominik Graf beschreibt das Konzept: „Wir starten mit einer intensiven
Onboarding-Phase, in der die Lehrlinge das gesamte Unternehmen kennenlernen – von der Werkstatt bis zum ice Q, Österreichs höchstgelegenes Haubenrestaurant auf 3.048 m. Dazu kommen Schulungen, Exkursionen und unser bewährtes Buddy-System.“ Letzteres gibt jedem Auszubildenden eine erfahrene Fachkraft als BegleiterIn an die Hand, welche ihr Wissen weitergibt und Fragen beantwortet. „Das ist wertvoll, denn die alten Hasen haben so viel Erfahrung“, ergänzt Julia. Auch Exkursionen zu anderen Seilbahnunternehmen oder Herstellern wie Doppelmayr oder TechnoAlpin sind Teil des Programms.
„Jede Frau kann tun, was sie will“
Noch sind Frauen in der Seilbahntechnik selten. Julia ist die dritte weibliche Auszubildende bei den Bergbahnen Sölden. Doch die Zahlen steigen, österreichweit befinden sich derzeit rund 35 weibliche Lehrlinge in Ausbildung. „Mir wäre es recht, wenn es mehr werden. Frauen bringen oft neue Sichtweisen ein und bereichern die Teams“, sagt Dominik Graf. Für Julia ist das Thema eigentlich gar keines: „Ich finde es ganz normal. Jede Frau kann tun, was sie will. Man darf sich nicht von Vorurteilen leiten lassen.“ Ihr Freundeskreis habe anfangs skeptisch reagiert, heute sei es „cool“, dass sie diesen Weg eingeschlagen hat. Auch UrlauberInnen sprechen sie immer wieder an, wenn sie im Einsatz ist: „Viele freuen sich, dass Frauen in diesem Beruf sichtbarer werden.“
Persönlicher Rückhalt
Unterstützung bekommt Julia von Familie und FreundInnen. „Meine Eltern haben von Anfang an gesagt: Geh schnuppern, probiere es aus. Sie stehen hinter mir.“ Gleiches gilt für ihre Schwester, die ebenfalls eine technische Ausbildung zur Radmechatronikerin macht. Freizeit bleibt Julia natürlich trotzdem: fürs E-Biken, für Wintersport und für die Musik.
Neben der Lehre zur Seilbahntechnikerin bieten die Bergbahnen Sölden interessierten Frauen die Möglichkeit, Maschinistin zu werden. Diese Fortbildung ist kürzer angelegt. Ein rund einwöchiger Kurs am WIFI mit anschließender Prüfung eröffnet den Zugang. Alternativ lässt sich die gesamte Lehre auf dem zweiten Bildungsweg über etwa 1,5 bis 2 Jahre nachholen. Derzeit arbeiten bei den Bergbahnen Sölden drei Frauen in technischen Funktionen: Julia Santer als Lehrling sowie zwei Seilbahnmaschinistinnen.
Tiefe Einblicke
Sichtbar gemacht werden diese Rollen auch bei Berufsfestivals oder Betriebsführungen, wo Schülerinnen Einblicke erhalten und gezielt Fragen stellen können. Ein niederschwelliger Zugang, der Vorurteile abbaut und neue Perspektiven eröffnet.
Julia Santer meint: „Wichtig ist, dass man auf das Bauchgefühl hört. Wenn man Lust auf einen Beruf hat, sollte man es einfach machen – unabhängig davon, was andere sagen.“
Dominik Graf, ihr Ausbildungsleiter, erklärt zufrieden: „Bei Julia spürt man, dass sie mit Begeisterung dabei ist. Sie packt an, stellt Fragen und ist ein echter Gewinn fürs Team.“
FACTBOX:
Lehre Seilbahntechnik bei den Bergbahnen Sölden: Lehrlinge: 7 aktuell in Ausbildung (2025)
Ausbildungsdauer: 3,5 Jahre, Ausbildungsinhalte: Mechanik, Elektrotechnik, Hydraulik, Steuerungstechnik, Sicherheit & Gästebetreuung
Highlights: Onboarding-Tage mit Einblick in alle Unternehmensbereiche, Buddy-System mit erfahrenen KollegInnen, Eigener Schulungsraum, Exkursionen
Perspektiven: Hohe Übernahmequote, Doppel-Lehre Seilbahntechnik/Elektrotechnik möglich, internationale Karrierechancen
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