VIDEO: Bei uns soll alles billiger werden

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Bezirksbauernobmann Rudolf Köll über Bauernproteste, die bäuerliche Zukunft und Agrargemeinschaften

Der Tarrenzer Bürgermeister Rudolf Köll führt auch künftig ein Doppelleben als Dorfchef und Bezirksobmann des Bauernbundes. Vor kurzem wurde er wiedergewählt.

BB: Was hat der bäuerliche Protest vor den Hoferfilialen gebracht?
KÖLL:
Das Preisthema ist ein Gesamtanliegen der Landwirtschaft, nicht nur der Milchbauern. Die Nahrungsmittel haben heute keinen Wert mehr. In jedem anderen Beruf gibt es Indexsteigerungen und bei uns soll alles billiger werden. Die Kosten für Energie und Futtermittel sind gestiegen. So zu produzieren ist nicht einfach. Der Konsument steht zwar hinter uns, für den Endverbraucher ist es aber auch legitim, dass er selber wirtschaften muss. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Milch liegt in Österreich bei 80 Liter im Jahr. Bei einer Preiserhöhung von 20 Cent wären das 16,- Euro im Jahr. Das gibt so mancher unbedarft an einem Tag aus.

BB: Was passiert, wenn die Milchquote 2015 tatsächlich fallen sollte?
KÖLL:
Die Quoten sind ein Schutz für unsere Berggebiete. Wenn der Markt komplett aufgeht, werden wir mit den Milchindustrien nicht mehr mithalten können. Man wird mit ähnlichen Regionen wie Südtirol, Allgäu, und Bayern zusammen kämpfen müssen. Vom Mythos der schön gepflegten Natur werden wir auf Dauer nicht leben können. Mir fehlt die Loyalität der Handelskonzerne gegenüber den bäuerlichen Produzenten.

BB: Das künftige Selbstverständnis der Bauern ist also nicht als Tourismusklischee und Landschaftsgärtner durch die Gegend zu wandeln?
KÖLL:
Das ist auch eine moralische Sache. Wir arbeiten mit der Natur und müssen ortsansässig sein. Da kann es nicht sein, dass wir nur Subventionsempfänger sind.

BB: Viele Menschen setzen den Bauernstand und die Agrargemeinschaften gleich. Ist das ein Problem?
KÖLL:
Wir haben das Problem, dass in der Dorfgemeinschaft und in der Gesellschaft viel vermischt wird. Die Agrargemeinschaften (AG) und das Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofes sind da. Das ist auf Gemeindeebene zu regeln. Erster Schritt ist zu erheben, ob es sich tatsächlich um Gemeindeguts-AGs handelt. Teilweise waren die AGs Systemerhalter zum Wohle der Allgemeinheit. Ich glaube nicht, dass alle Gemeinden eine Freude haben, wenn sie diese Leistungen übernehmen müssen, die momentan die AG-Mitglieder tun. Ich bin gespannt, ob die übrige Bevölkerung auch Fron und freiwillige Schichten macht, wie die AG-Mitglieder. Gemeinden und AG-Mitglieder sind gefordert, im Sinne der Sache zu handeln.

Rudolf Köll im Gespräch mit den BEZIRKSBLATT IMST:

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