Die ‚Hohe Kirche‘ im Valsertal
Christusfigur statt Gipfelkreuz
- Der 'Gipfelchristsos' auf der Hohen Kirche, im Hintergrund Olperer und Fußstein. ©W. Kräutler
- hochgeladen von Werner Kräutler
SANKT JODOK IM VALSERTAL. Die ‚Hohe Kirche’ im Valsertal ist vor allem Einheimischen wohl bekannt. Die Bergspitze erscheint Wanderern im Tal als eine Art spitz zulaufendes Kirchendach. Sie ist das Ziel von Menschen, die gerne dort wandern, wo sich nicht Massen von Touristen tummeln.
Die Warnung vieler Naturfreund_innen, die letzten Naturreservate unseres Landes nicht den Massen in den social media 'zum Fraß' vorzuwerfen, ist absolut berechtigt. Die hier präsentierte Bertgour verschließt sich allerdings den Halbschuh- und Instagram-Tourist_innen. Denn sie ist viel zu anstrengend. Die Besteigung der Hohen Kirche im Inneren Valsertal des Nordtiroler Wipptales gehört zu den anspruchsvollen Touren, die vor allem Trittsicherheit und Ausdauer erfordern.
Mit Öffis zur Touristenrast
Ausgangspunkt der Tour ist das legendäre Gasthaus Touristenrast am Ende des Valsertales, das mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist. Von hier aus starteten berühmte Bergsteiger wie zum Beispiel Peter Habeler ihre Kletterpartien in der Olpererregion. Deshalb ist auch ein anspruchsvoller alpiner Höhenweg nach ihm benannt, der direkt an der Touristenrast vorbeiführt. Diesen Peter-Habeler-Weg nehmen auch jene Menschen, die die Hohe Kirche besteigen wollen. Er führt zuerst an der Nockeralm vorbei und mündet auf der Zeischalm als Zwischenziel. 600 Höhenmeter sind vom Tal bis zur Alm zu überwinden, der Weg führt an zahlreichen Wasserfällen vorbei. Trittsicherheit ist schon hier erforderlich.
Das 'steinerne Reich' des Erich Gatt
Die Zeischalm selbst ist ein Unikat, wie es selbst in Tirol sehr selten zu finden ist. Hier amtiert ein Mann als Hirte, der dies schon seit Jahrzehnten Sommer für Sommer tut: Im Valsertal als ‚Simelas Erich’ ein fixer Begriff, hat er in der Hochlandschaft der Zeisch seine markanten Spuren hinterlassen. Erich Gatt ist ein Alp-Künstler, dessen Werke schon den Aufstieg in Form von klingenden Wasserrädchen versüßen. Die Alm zieren markante Trockensteinmauern, wunderbar aufgerichtete Mehire und überlebensgroße Stoamandln. Dieses 'steinerne Reich' ist das künstlerische Ergebnis jahrelangen Wirkens des Hirten auf der Zeisch.
Da die Alm ist nicht einmal mit Mountainbikes zu erreichen ist müssen Nahrung und Baumaterial seit Jahrzehnten zu Fuß hochgeschleppt werden. Und da der Aufstieg zur Zeisch ziemlich anstrengend ist, bleibt sie ein Ziel für wahre Bergfexe und all jene, die weiter zur Hohen Kirche aufsteigen wollen.
Der Weg auf die Hohe Kirche? Wer suchet, der findet!
In den Alpen gibt es nur sehr wenige Bergspitzen, die über keinen ‚offiziellen’ Weg zu erreichen sind. So auch die Hohe Kirche, deren Weg von den Wandersleuten selbst ausgekundschaftet werden muss. Er ist vorhanden, weil Simelas Erich schon vor Jahrzehnten für wahre Bergwanderer einen Weg in die Steilen Hänge geschlagen hat. Wer von der Zeisch aus in Richtung Hohe Kirche aufsteigt sieht die Weg-Serpentinen im Hang. Damit ist auch der Einstieg nicht zu verfehlen.
Die steinerne Kunst-Installation
Wer nun die Mühen des steilen Aufstieges auf sich nimmt kommt in den Genuss eines einmaligen Kunstwerkes, das sich vom Einstieg bis zum Gipfel erstreckt. Der Weg führt durch eine wahrhaftige Kathedrale der Natur, deren Felsformationen von Erich Gatt künstlerisch ergänzt worden sind. „Die Steine wirken erst, wenn sie aufgerichtet werden“ meint er. So wird dann der Weg zur Hohen Kirche von Menhiren - das sind stehende Steine - gesäumt. Es ist eine Art Wallfahrt durch die belebte Natur.
Christusfigur statt Gipfelkreuz
Am Gipfel der Hohen Kirche wartet die nächste Überraschung: Drei große Stoamandlen bilden eine Art Spalier, an deren Ende eine himmelfahrende Christusfigur thront. Es is ein ziemlich einmaliges Bild, das sich den staunenden Wandersleuten bietet. Der Blick auf den Olperer und Fußstein, den Schrammacher und die Sagwand fällt auf ein monumentales Panorama, ein unvergleichliches Naturschauspiel.
Das auch noch: Aquavit zur Stärkung
Eine Sitzbank bietet dann die Gelegenheit, sich von den Strapazen des Aufstiegs zu erholen. Hier wartet eine letzte, wahrhaftige Überraschung. Die Bank birgt nämlich ein Geheimnis, das sich hinter einer kleinen Edelstahltür offenbart. Da wartet ein Fläschchen Aquavit auf jene Menschen, die den Gipfel erklommen haben.
Mehr zur Bergtour, zur Zeisch und zur Hohen Kirche in meinem Blog: https://tirolischtoll.wpcomstaging.com/2018/10/02/die-kathedrale-des-valsertales/
Die Eckdaten der Tour
Start: Touristenrast / Innervals - Bus-Endstation
Distanz: ca. 12 km
Höhenmeter: ca. 1.320 hm
Gehzeit: ca. 5 - 6 h
Schwierigkeit: schwer
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