08.10.2016, 00:00 Uhr

Der Herr der Gezeiten

Wegen meiner Bewerbung als Herrscher über die Imster Wasserversorgung treffe ich mich pünktlich um acht Uhr in der Früh mit dem Chef der Imster Stadtwerke, Thomas Huber. Nach dem knappen, fast militärischen, "Guten Morgen, auf geht's" starten wir mit dem Geländefahrzeug in Richtung Alpeil-Quellen. Wassermeister Franz Posch klärt mich über meine zukünftigen Aufgaben auf: "Du musst heute die Quellfassung in der Alpeil überprüfen. Dabei werden Wasserproben genommen und das gesamte Bauwerk unter die Lupe genommen. Das ist aber für heute noch lange nicht alles. Später werden wir noch zum Hochbehälter beim Rastbühel fahren und dort nach dem Rechten sehen." Beim schweißtreibenden Anstieg zu den Quellen am Fuß der Heiterwand erzählt mir der Imster Wassermeister, was noch so alles auf mich zu kommt. Neben der ständigen Aufsicht über die vielen Imster Quellfassungen, Hochbehälter, Haupt- und Nebenleitungen ist jede Menge Papierkram zu erledigen. Behördenbescheide, Statistiken, Gutachten, Stellungnahmen sind ein Teil der täglichen Arbeit. Ein Wasserbuch muss geführt werden. Überhaupt muss man beinahe jeden Handgriff und Schritt dokumentieren, das sieht der Gesetzgeber so vor, ist aber auch ein wichtiger Teil der täglichen Dokumentation. "Im Moment habe ich auch noch eine Zusatzaufgabe, denn durch den Neubau der Imster Beschneiung muss ich den Quellschutz der Ursprungquelle sicherstellen. Diese Kontrolle der Imster Quellen ist ein ganz wichtiger Teil zur Sicherung der Imster Trinkwasserversorgung", erklärt Posch. Die zahlreichen Imster Brunnen sind sein ganzer Stolz, zeigen sie doch die hohe Qualität des heimischen Wassers. Rund 10.080 Einwohner und viele Betriebe werden derzeit vom Wasserwerk mit Trinkwasser versorgt. Das Wasserleitungsnetz von Imst umfasst eine gesamte Länge von rund 160 km (87 km Hauptleitungen und 73 km Anschlussleitungen). Der durchschnittliche Tagesverbrauch liegt bei 3.500 m³, an Spitzentagen werden bis zu 4.500 m³ Wasser verbraucht. 35 Quellfassungen und fünf Hochbehälter sorgen für eine reibungslose Wasserversorgung. 1,2 Million m³ Trinkwasser werden pro Jahr an 2.400 Hausanschlüsse und an 42 öffentliche Trinkbrunnen abgegeben. Das ist übrigens Rekord. In keinem Ort vergleichbarer Größe finden Sie so viele öffentliche Brunnen, die alle von quellfrischem Wasser gespeist werden!
Hier noch ein paar Betrachtungen zur Geschichte des Imster Wassers:
Diese ist kurz, aber prägnant. Bis Ende des 19 Jahrhunderts bestand in Imst keine zentrale Versorgungsanlage. Die Versorgung der Stadt mit Trink- und Nutzwasser war ursprünglich auf öffentliche Brunnen beschränkt, davon gab es aber nicht gerade wenige! Heute noch prägen über 35 Trinkbrunnen das Bild der Stadt. 18 davon sind historische, zumeist Heiligen gewidmete Brunnen, die akribisch renoviert wurden und noch heute von freiwilligen „Paten" mit Sorgfalt weiter gepflegt werden.
Diese Brunnen dienten damals Bürgern und dem zahlreichen Vieh. Die Wasserversorgungsanlage der Stadt Imst wurde um die Jahrhundertwende 1900 gebaut. Seit dem Jahre 1893 wird die Fraktion Imst Untermarkt und seit dem Jahr 1900 auch die Fraktion Imst Obermarkt mit Trinkwasser versorgt.
Die Bürger von Imst haben ihre damalige Wasserversorgung buchstäblich aus eigener Kraft erreichtet. Die damalige Marktgemeinde hat die Wasserbezugswerber zur Vorfinanzierung gebeten, aber diese Mittel reichten bei weitem nicht aus. Finanzkräftige Bürger des Marktes haben durch private Darlehen die Restfinanzierung Bildgesichert und bekamen für die Verzinsung einen verbrieften Freiwasserbezug in ihrer Hofstätte (Servitutsbrunnen).Diese erste Trinkwasserversorgung bewährte sich über ein halbes Jahrhundert.


Ab den 70iger Jahren bestand allerdings ein großer Handlungsbedarf. Die konstant steigende Bevölkerungszunahme machte die Erweiterung der Trinkwasserspeicherung erforderlich. Die Versorgungsanlage wurde mit großem Aufwand saniert bzw. komplett erneuert. Es wurden zuerst 4 neue Behälter errichtet. So wurde im Jahre 1970 der Speicher Sonnberg, im Jahre 1972 der Speicher Nuireith, im Jahre 1973 der Trinkwasserspeicher Scheibenbühel und im Jahre 1986 der Hochbehälter Gunglgrün sukzessiv errichtet.


Die Trinkwasserversorgung war jedoch noch nicht auf einen längeren Zeitraum gesichert. Eine im Jahr 1985 in Auftrag gegebene Wasserverlustanalyse brachte zu Tage, dass wegen defekter oder undichter Leitungen  viel vom kostbaren Nass durch Leckstellen verloren ging. Prompt wurde für das gesamte Stadtgebiet ein Rohrnetzplan erstellt. In den Folgejahren wurden das Versorgungsnetz zum Großteil ausgetauscht, die Leitungsschäden behoben sowie die bestehenden Quellfassungen generalsaniert. 

  
1986 erteilte der Gemeinderat der Stadt Imst den Planungsauftrag zur Fassung und Ableitung der Alpeilquellen. Das erste Quellwasser aus den Alpeilquellen konnte im Februar 1990 in das Rohrnetz eingeleitet werden. Mit der Errichtung der Trinkwasserversorgungsanlage und Alpeil wurde ein zweites wichtiges Standbein aufgebaut. 

   
Die Stadtwerke Imst sind seitdem in der Lage,auch benachbarte Gemeinden wie Arzl und Tarrenz und seit 2003 auch Karres mit Quellwasser zu versorgen. Darüber hinaus wirkt das Quellwasser auch zur Verbesserung der Energieversorgung der Stadt mit. Die Druckenergie wird über ein Trinkwasserkraftwerk auch für die Stromerzeugung genutzt.
Die 25 Quellfassungen schütten im Jahresschnitt zwischen 70 bis 80 l/sec, Trinkwasser. Die lange Verweildauer des Wassers in den verschiedenen geologischen Schichten reinigt das Niederschlagswasser gründlich. Da das Einzugsgebiet und die Umgebung meist Wälder sind, die landwirtschaftlich wenig genutzt werden, kann man auf eine sichere Wasserversorgung schließen.
Durch die örtlichen Gegebenheiten ist das Wasserwerk in der glücklichen Lage ohne Pumpenbetrieb auszukommen. Um die starken Verbrauchsschwankungen - der Tagesbedarf an Wasser für das gesamte Gemeindegebiet beträgt im Durchschnitt 3200 m³, kann aber bis 5.000 m³ steigen - im Versorgungsgebiet auszugleichen benützt das Wasserwerk 5 Behälter. Sobald der Verbrauch größer wird als die momentane Förderung, geben die Behälter ihr gespeichertes Wasser wieder in das Netz ab.
Sämtliche Trinkwasseranalysen liegen im Wasserwerk auf und können jederzeit eingesehen werden. Die Ergebnisse zeigen immer Werte sehr weit unterhalb der Grenzwerte auf und bezeugen dem Imster Trinkwasser stets einwandfreie Qualität.
 Die Schaltwarte, welche in den Stadtwerken beheimatet ist, ist die Zentrale und das technische Herzstück der Wassergewinnung und Wasserverteilung der Stadt Imst. Die Fernübertragung der Daten (Messwerte, Sollvorgaben, Meldungen und Befehle) zwischen den Unterstationen erfolgt durch ein hochmodernes Fernmesssteuer- und -überwachungssystem.
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