22.10.2016, 00:00 Uhr

Favoriten: Hilfe in dunkler Stunde

Doris Flandorfer hilft Hinterbliebenen, mit ihrer Trauer umzugehen und ihre Gefühle auszusprechen.

Die Favoritnerin Doris Flandorfer bietet Trauerbegleitung an. Dabei ist es ihr wichtig, den erlittenen Verlust zur liebevollen Erinnerung an den Verstorbenen zu wandeln.

"Ich beschäftige mich mit dem Thema Trauer eigentlich schon immer. Immer wieder sind Menschen auf mich zugekommen, um mit mir über den Verlust eines geliebten Menschen zu sprechen, auch Fremde auf der Straße", erzählt Doris Flandorfer.

"Während meiner Ausbildung zur Trauerbegleitung bin ich einmal spazieren gegangen, als ich Geräusche in einem Gebüsch hörte. Ich bin dann nachschauen gegangen. Da stand ein Nussbaum mit einer Schlinge am Ast, und davor ein Mann, der seinem Leben offensichtlich ein Ende bereiten wollte", erzählt die 34-Jährige. Das erste, das ihr eingefallen ist, war: "Tschuldigung, ich wollte Sie nicht stören."

Danach ist sie mit ihm spazieren gegangen und hat mit ihm gesprochen. Auch er hatte einen geliebten Menschen verloren und ist in seiner Trauer festgesteckt. "Mittlerweile geht es ihm besser, ich höre ab und zu von ihm", so Flandorfer.

Abschied ohne Sinn

Besonders schlimm ist es für die Hinterbliebenden, wenn jemand sich selbst das Leben nimmt. "Das kommt gar nicht so selten vor. Nicht immer wird ein Abschiedsbrief hinterlassen. Die Angehörigen wissen dann gar nicht, warum der Verwandte, der Freund diese Entscheidung getroffen hat. Und immer wieder gibt es beim Begräbnis Schwierigkeiten, weil die Kirche Selbstmörder nicht in geweihter Erde begraben möchte. Auch heute noch", so die Favoritnerin. "Dabei ist für die Hinterbliebenen das Begräbnis so wichtig, um sich zu Verabschieden.".

Reden fällt schwer

Oft können die Hinterbliebenen nicht mit ihrem Umfeld reden, sie wollen ihre Mitmenschen nicht belasten. Auch über Gefühle reden fällt oft schwer.

"Ich habe auf Kärtchen alle möglichen Eigenschaftswörter geschrieben, zu denen meine Klienten greifen können. Auch ich unterstütze sie dabei", so die Trauerbegleiterin. "Ich biete einen Ort für offene Gespräche, wo alle Emotionen, Gedanken, Worte und Gesten Platz haben. So können sich die Hinterbliebenen nach ihrem Verlust Trost und neue Kraft holen.".

Die Mutter von zwei Kindern nimmt sich Zeit für alle Trauernden. Nur eines kann sie nicht: "Ich betreue keine Hinterbliebenen von verstorbenen Kindern. Aber ich habe Kontakte, um in dem Bereich eine Trauerbegleitung zu vermitteln", so Flandorfer. Vermittelt werden von ihr auch Klienten, deren Trauer das normale Ausmaß übertrifft. "Ich bin keine Psychologin oder Psychotherapeutin, aber ich kann jemanden empfehlen.".

Um nicht auch von der Trauer übermannt zu werden, hat Flandorfer Rituale: "Ich habe bei den Gesprächen ein Tuch oder einen Schal um, den ich danach ausschüttle. Ist das Gespräch emotional besonders belastend gewesen, wasche ich die Stiegen. Mit jeder Stufe geht es besser", so die Trauerbegleiterin.

Eine schöne Erinnerung hat sie ihren Kindern an ihren Opa vermittelt: "Jedes Mal, wenn durch dichte Wolken ein Sonnenstrahl dringt, dann erzähl ich ihnen, dass der Opa ein Guckloch gefunden hat", so Flandorfer.

Info: flandorfer.doris@gmail.com
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