Suchtberatung Tirol geht neue Wege

Birgit keel, Suchtberatung Tirol
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Im vergangenen Jahr hat die Suchtberatung Tirol rund 1000 KlientInnen (davon 159 Angehörige und Bezugspersonen) beraten und betreut. Die Zahl der Einzelkontakte stieg auf 4817. 80 Prozent der KlientInnen der Suchtberatung Tirol sind Männer, 70 Prozent der Angehörigen, die mit der Suchtberatung Tirol Kontakt aufnehmen, sind Frauen. Beim illegalen Drogenkonsum geben mehr als die Hälfte der Betroffenen Cannabis als Leitdroge an, 15 Prozent geben Opiate an, elf Prozent Kokain.

„Unsere Erfahrungen zeigen, dass manche Sucht-KlientInnen erhebliche Schwierigkeiten haben, eine Beratungsstelle aufzusuchen oder einen kontinuierlichen Kontakt mit uns zu halten. Deshalb bietet die Suchtberatung Tirol seit einem Jahr sehr erfolgreich einen mobilen aufsuchenden Dienst an. Wir erreichen dadurch tendenziell ältere, aber auch tendenziell mehr weibliche Betroffene “, berichtet Birgit Keel, MSc anlässlich der Präsentation des Jahresberichts der Suchtberatung Tirol (SBT).

„Sucht ist mehr als ein Randgruppenphänomen. Sucht betrifft nahezu unsere gesamte Gesellschaft/Bevölkerung. Der Großteil der Menschen kommt in Krisensituationen mit Alkohol, Medikamenten und anderen Drogen in Berührung, um so zu versuchen, krisenhafte Situationen zu bewältigen“, so Birgit Keel. „So sind 1.230.000 Menschen in Österreich nikotinabhängig, 565.000 kaufsüchtig, mind. 350.000 alkoholkrank, 130.000 medikamentenabhängig, mind. 57.000 internetsüchtig, 38.000 spielsüchtig und ca. 30.000 von Opiaten abhängig. (Quelle ARGE Sucht, 2016). Die Dunkelziffer ist sicherlich hoch,“ sagt Keel.

„Unsere KlientInnen brauchen in ihrer schwierigen Situation eine Reihe von psychologischen und sozialen Hilfestellungen. Diese reichen von der Sicherung des Überlebens durch eine Reduzierung des Risikoverhaltens, über die Einleitung von Rehabilitationsmaßnahmen, der Möglichkeit der sozialen Reintegration bis hin zur psychischen Stabilisierung durch die Behandlung von Depressionen, Ängsten und anderen Symptomen“, sagt Dr. Dietmar Kamenschek, Klinischer- und Gesundheitspsychologe bei der Suchtberatung Tirol.

„In den Beratungen selbst stellen wir fest, dass ein Großteil der suchtkranken Menschen im Laufe ihres Lebens eine Traumatisierung durch Gewalt, Missbrauch, psychische Ausnahmezustände oder Kriegserfahrung erlebt haben. Diese Traumatisierungen versuchen sie mit Drogen zu lindern und selbst zu behandeln. Wir bemühen uns, unsere KlientInnen nicht nur auf die Suchterkrankung zu reduzieren. Wir versuchen, die eigentlichen Probleme hinter der Drogensucht zu erkennen, und eine positive Identität sowie vorhandene Stärken und Ressourcen zu fördern, so Dr. Kamenschek.

Die Suchtberatung Tirol bietet in neun Beratungsstellen in ganz Tirol psychosoziale und klinisch-psychologische Beratung, Betreuung und Begleitung von drogengefährdeten und drogenabhängigen Personen mit illegalem Substanzenkonsum, sowie für deren Angehörige und Bezugspersonen. Die Beratung ist kostenlos und anonym. Mehr Informationen: www.verein-suchtberatung.at. Email: office@verein-suchtberatung.at. WhatsAPP: 0650/8808478

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