09.10.2014, 10:35 Uhr

Das „War-Requiem“ kommt als Gesamtkunstwerk auf die Tiroler Bühne

300 Mitwirkende setzen Benjamin Brittens Werk in Innsbruck um

100 Musiker, 160 Sängerinnen und Sänger, 40 Buben – Profis und Laien haben am 26. Oktober 2014 ein großes Ziel. Sie machen die Erinnerung an den 1. Weltkrieg lebendig und mahnen in einem gewaltigen Bild- und Tonwerk vor Not und Zerstörungswut. Das „War Requiem“ zählt ohne Zweifel zu den bedeutendsten und beeindruckendsten Kompositionen des Engländers Benjamin Britten. Unter der Trägerschaft des Tiroler Sängerbundes (TSB) und der künstlerischen Leitung von Claudio Büchler wird das Werk am Nationalfeiertag erstmals in Tirol aufgeführt.

Die Vorfreude beim Obmann des Tiroler Sängerbundes, Manfred Duringer, ist groß. Immerhin handelt es sich laut seinen eigenen Aussagen um ein „Monsterwerk“, das noch nie zuvor in Tirol präsentiert wurde. „Auch wir wollten des Beginns der beiden Weltkriege gedenken. Bereits vor eineinhalb Jahren begannen die Vorbereitungsarbeiten. Die Idee kam vom künstlerischen Leiter, Claudio Büchler“, berichtet Duringer. Die Herausforderung nahm der Sängerbund, dem 460 Chöre mit mehr als 10.000 Mitgliedern angehören, an. „Alles andere als einfach, weil wir nur ein eingeschränktes Budget zur Verfügung haben“, so Duringer. Nach der erfolgreichen Suche nach einem Aufführungsort – keine Kirche kann die 300 Mitwirkenden und das Publikum gleichzeitig fassen – ging es in die Detailplanung. „Das Tiroler Symphonieorchester Innsbruck, ein Kammerorchester, der Opernchor des Landestheater, die Chöre des Mozarteums und des Konservatoriums, weitere Chöre aus Tirol, die Wiltener Sängerknaben und internationale Solisten treffen bei uns aufeinander. Die Dimension ist gewaltig und wird dürfen uns auf ein besonderes Ereignis freuen“, sagt Manfred Duringer.

Erinnerung an die Zerstörung von Coventry
Der künstlerische Leiter, Claudio Büchler, von dem auch die Idee zur Umsetzung stammt, schildert seine Beweggründe: „Das Gedenkjahr passt für dieses Opus. Schließlich waren die Zerstörung und der Wiederaufbau der Kathedrale von Coventry in England Auslöser, Benjamin Britten mit einem Requiem zu beauftragen“, sagt Büchler. „In drei Ebenen zeichnet Britten Krieg und Totengedenken: die erste, geistliche Ebene basierend auf dem Text der lateinischen Totenmesse, musikalisch besetzt durch den Solosopran, den Chor und das große Orchester.
Die zweite, weltliche Ebene ist besetzt durch zwei „Gegner“, Tenor, Bariton und das Kammerorchester. Und darüber liegt die dritte, transzendierende Ebene des Knabenchores mit Orgelpositiv, der Unschuld aber auch Hoffnung vermittelt. Britten lässt aber die Frage nach der Zukunft offen“, erklärt der Dirigent. Ihn freut die positive Zusammenarbeit in der Vorbereitung zwischen Laien und Profis. Büchler lobt dabei auch die perfekte Organisation im Vorfeld. „Die enge Zusammenarbeit zwischen den Verantwortlichen des TSB und den zuständigen Musikern und Sängern macht die Umseztung erst möglich“, so Büchler.


Bilder begleiten die Zuhörer
Aber nicht nur die Musik alleine soll wirken. Zum Konzert werden Simultanprojektionen die Zuschauer begleiten. „Es geht mir um die Bebilderung des Geschehenen. Das Werk ist sehr komplex- Wir wollen den Zuhörer durch den Abend leiten. Dazu dienen beispielsweise historische Teile des Requiemtextes, die den tragisch-poetischen Gedanken eines Soldaten im Schützengraben im ersten Weltkrieg gegenüber gestellt werden“, sagt Siegfried Antonelle Schwendtner, der für die Live-Projektion während der Aufführung verantwortlich zeichnet. Er verzichtet dabei auf Kriegsbilder, wie sie uns die letzten Monate begleitet haben. Vielmehr will Schwendtner die Themen Gewalt, Zerstörung oder auch Verlust als Bildinhalte darstellen.

Kartenvorverkauf läuft
Noch läuft der Kartenvorverkauf. Karten sind erhältlich im Büro des Tiroler Sängerbundes, Museumsstr. 33, 6020 Innsbruck oder unter 0512/58 88 01 oder in der Innsbruck Info, Burgraben 3, 6020 Innsbruck. Die Preise liegen zwischen 40 und 30 Euro für Sitzplätze und 18 Euro für Stehplätze.
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