Kuh-Attacke
Urteil könnte auch in Kärnten fatale Folgen haben

Das Gerichturteil zur Kuh-Attacke könnte weitreichende Folgen für Kärntens Bauern und den Tourismus haben
  • Das Gerichturteil zur Kuh-Attacke könnte weitreichende Folgen für Kärntens Bauern und den Tourismus haben
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Die Kuh-Attacke in Tirol könnte durch das Gerichtsurteil gegen den Bauern auch weitreichende Folgen für die Kärntner Almwirtschaft haben.

KÄRNTEN. Der Tiroler Landwirt wurde nach der Kuh-Attacke vom Landesgericht Innsbruck nun zu 490.000 Euro Schmerzensgeld verurteilt. Dies könnte auch in Kärnten weitreichende Folgen für die Almwirtschaft, die Bauern und den Tourismus haben.
"Eine Schadenersatzforderung von knapp einer halben Million Euro ist für einen einzelnen Bauern existenzzerschmetternd", betont Bauernbund-Präsident Georg Strasser.

Betretungsverbote als Konsequenz

Sollte das Urteil in der nächsten Instanz bestätigt werden, müssten die Bauern Konsequenzen daraus ziehen. Eine mögliche Maßnahme wären Betretungsverbote der Weideflächen oder ein Hundeverbot auf den Almen.
"Die Grundeigentümer sind jetzt schon stark sensibilisiert. Wenn die Gefahr, für Unfälle juristisch zur Verantwortung gezogen zu werden, weiter steigt, dann werden die Betroffenen daraus Konsequenzen ziehen", ist sich Wolfgang Kuttnig, Geschäftsführer der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft der Wirtschaftskammer Kärnten, sicher.
Die Auswirkungen für den Kärntner Tourismus könnte man heute noch gar nicht abschätzen, so Kuttnig. Wandern, Bergtouren und weitere Freizeitaktivitäten auf den Almen wären nicht mehr möglich.

Einzäunen von Almweiden

Johann Mößler, Präsident der Landwirtschaftskammer Kärnten, ist sich sicher, sollte das Urteil bestätigt werden, bestünde ein enormes wirtschaftliches Risiko für die Bauern, wenn sie ihre Tiere auf die Almweiden treiben.
Die Alternative, dass man den Wanderern das Betreten von Almweiden untersagt, wäre wiederum für den Tourismus katastrophal, erklärt Mößler.
Laut Josef Obweger, Obmann des Kärntner Almwirtschaftsvereins, ist bei einem ähnlichen Fall auf der Turrach, der Bauer vom obersten Gerichtshof frei gesprochen worden, da man befand, dass die freie Haltung von Rindern auf der Alm üblich sei.

"Sollte das erstinstanzliche Urteil jetzt bestätigt werden, drohen massive Auswirkungen auf den gesamten Kärntner Tourismus, denn kein Almbauer könnte mehr das Risiko eingehen, seine Weideflächen von Wanderern betreten zu lassen."
Josef Obwerger

Betreten von Weideflächen

Das freie Wegerecht nach dem Forstgesetz gilt nur für den Wald. Das Betreten von Weideflächen und das Benützen von Wanderwegen die Weideflächen queren wird von den Grundeigentümern nur toleriert.
Ein Wegerecht innerhalb des Mäh- und Weidelandes müsste vertraglich vereinbart oder ersessen werden. Andernfalls obliegt ein Betreten des Gebietes der Duldung durch den Eigentümer, so die LK Kärnten.

Einzäunen von Almweiden

Obwohl der Bauer Warnschilder angebracht hatte, die auf die Mutterkuhhaltung hinwiesen, entschied das Innsbrucker Gericht, dass der Bauer den Weg hätte abzäunen müssen.
Für Mößler ist ein flächendeckendes Einzäunen der Almweiden jedoch realitätsfremd und in der Praxis weder durchführbar noch finanzierbar.

Eigenverantwortung statt Vollkasko-Menalität

"Wir wollen keine amerikanischen Verhältnisse bei der Haftung", betont Strasser. Seit Jahren werden Naturliebhaber über das richtige Verhalten auf Österreichs Almen aufgeklärt, speziell wenn Hunde dabei sind.
Sowohl Strasser als auch Kuttnig rufen daher zu mehr Selbstverantwortung und Hausverstand auf.

"Wer auf einem Forstweg mit dem Mountainbike stürzt, sollte den Fehler bei sich und nicht beim Wegerhalter suchen. Wer mit seinem Hund wandern will, muss in der Nähe von Mutterkühen eben besonders aufpassen. Wenn diese Schuldzuweisungsmentalität weiter zunimmt, könnte das Auswirkungen auf den Tourismus haben, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können."
Wolfgang Kuttnig

Miteinander im Naturpark Dobratsch

Kritik an dem vorläufigen Urteil kommt auch von Villachs Tourismusreferentin StR. Katharina Spanring. Sie plädiert darauf, ein gutes Miteinander zwischen Tourismus und Landwirtschaft nur möglich ist, wenn alle Eigenverantwortung zeigen.

"Gerade für unseren Naturpark Dobratsch ist es wichtig, das Einheimische und Touristen auf den Wegen bleiben um zu wandern und nicht in den Lebensraum der Tiere eindringen, ansonsten wird es blad kein harmonisches Miteinander mehr geben."
Katharina Spanring

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