Trotz Insolvenzen
Kärnten verzeichnet Anstieg bei Unternehmensgründungen
- Gewerbe und Handwerk sind die beliebtesten Branchen bei Neugründungen in Kärnten.
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2.348 Unternehmen wurden im Vorjahr in Kärnten neu gegründet. Auffallend: Immer mehr Frauen wagen den Schritt in die Selbstständigkeit. Den erfreulichen Zahlen stehen 375 Firmeninsolvenzen gegenüber. Bei den Privatinsolvenzen stieg der Frauen-Anteil.
KÄRNTEN. Die Kärntner haben Unternehmergeist: 2.348 neue Kärntner Unternehmen wurden im Vorjahr im südlichsten Bundesland gegründet. Im Jahr davor waren es 2.225 Neugründungen. Ein stabiler Wert, der laut Wirtschaftskammer Kärnten zeigt, "dass Unternehmertum und Innovation in Kärnten weiterhin großgeschrieben werden."
"Wirtschaftlich herausfordernde Zeiten"
"In wirtschaftlich herausfordernden Zeiten entscheiden sich immer mehr Menschen in Kärnten für die Selbstständigkeit", heißt es in einer aktuellen Aussendung der Wirtschaftskammer Kärnten (WKK). Mit 2.348 Neugründungen im Jahr 2025 liegt Kärnten um rund vier Prozent über dem Vorjahreswert. 2024 waren es 2.258 Neugründungen.
Viele Frauen machen sich selbstständig
Auffallend hoch ist laut WKK erneut der Frauenanteil, der mit 48,2 Prozent deutlich über dem österreichweiten Durchschnitt von 45,7 Prozent liegt.
Unternehmer werden immer jünger
Auch das Durchschnittsalter der Gründer ist mit 36,9 Jahren niedrig. Besonders stark bewegen sich die Zahlen bei jungen Gründern. Die größten Zuwächse verzeichnen laut WKK die unter 20-Jährigen sowie die Altersgruppe zwischen 20 und 30 Jahren.
Ganz vorne: Klagenfurt, Spittal und Hermagor
Die meisten Unternehmensgründungen entfielen im Jahr 2025 auf Klagenfurt-Stadt (520), gefolgt von Spittal an der Drau (287) und Klagenfurt-Land (272). Gemessen an der Einwohnerzahl wird besonders intensiv in Klagenfurt und im Bezirk Hermagor gegründet.
Diese Sparten sind beliebt
Nach Sparten zeigt sich ein ähnliches Bild wie in ganz Österreich: Gewerbe und Handwerk liegen mit 38,2 Prozent an erster Stelle, gefolgt vom Handel mit 25,6 Prozent sowie Information und Consulting mit 21,4 Prozent. Zu den stärksten Gründungsbranchen zählen Unternehmensberatung, Buchhaltung und IT, Werbung und Marktkommunikation, Versand- und Internethandel sowie persönliche Dienstleistungen.
Die Drei-Jahres-Hürde
Und die Firmen halten sich: Nach drei Jahren sind noch rund 82 Prozent der Unternehmen in Kärnten aktiv – mehr als im österreichweiten Durchschnitt (79 Prozent).
Was neue Gründer bremst
- Nika Basic, Landesvorsitzende der Jungen Wirtschaft Kärnten fordert weniger Hürden für Neugründer
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Was fehlt, weiß Nika Basic, WK-Vizepräsidentin und Landesvorsitzende der Jungen Wirtschaft Kärnten: "Was Gründer bremst, sind der Zugang zu Kontakten, komplizierte rechtliche Anforderungen und Amtswege, eine hohe und schwer planbare Sozialversicherung sowie Steuern und Abgaben." Hier sei die Politik gefordert, Abhilfe zu schaffen.
Insolvenzen vor allem bei Bau und Immo
Den erfreulichen Neugründungen stehen Kärntens Insolvenzen gegenüber: Vor allem die Bau- und Immobilienbranche verzeichnete laut Alpenländischem Kreditorenverband (AKV) in Kärnten 2025 drastische Steigerungsraten. In der Immobilienbranche wurden doppelt so viele Insolvenzen wie im Jahr davor gemeldet, die Baubranche vermeldet eine Steigerungsrate von plus 30 Prozent (56 Fälle). Trotz dieser Steigerungsraten ist in Kärnten der Handel mit 63 Insolvenzfällen am häufigsten betroffen.
- Die Baubranche verzeichnete 2025 in Kärnten drastische Steigerungsraten bei den Insolvenzen.
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Gründe für die Pleiten
Die Ursachen sind laut AKV vielfältig: "Die Unternehmen kämpfen mit den gestiegenen Kosten, schwacher Nachfrage bzw. Konsumzurückhaltung bei den Verbrauchern und der anhaltend hohen Inflation. Viele Unternehmen sind bereits hoch verschuldet und kommen nur schwer an neue Kredite oder bestehende Kredite werden nicht verlängert."
375 Firmen mussten Insolvenz anmelden
In Summe gesehen, wies Kärnten im Vorjahr insgesamt 375 Firmeninsolvenzen auf, was im Vergleich zum Jahr 2024 einen minimalen Anstieg von 0,54 Prozent (373 Verfahren im Jahr 2024) bedeutet.
Die meisten Mitarbeiter
Hinsichtlich ihrer Mitarbeiterzahl lag die Insolvenz der Bad St. Leonharder Firma Hermes Schleifmittel Ges.m.b.H. österreichweit an fünfter Stelle mit 188 betroffenen Dienstnehmern. Zweitgrößte Insolvenz in Kärnten entfiel auf die Firma a.zoppoth haustechnik GmbH aus Gundersheim mit Verbindlichkeiten von rund 18 Millionen Euro und an dritter Stelle lag die Klagenfurter Immobilienentwicklungsfirma EWO Bauträger GmbH mit Passiva von rund 15 Millionen Euro.
Prominente Pleitefälle
In Kärnten kam es 2025 auch zu einigen prominenten Pleitefällen, wie jene Gesellschaften des Eventgurus Hannes Jagerhofer. Die Verbindlichkeiten der insolventen "Jagerhofer Gesellschaften" beliefen sich auf rund 9,33 Millionen Euro, Walter Mossers MID Holding GmbH zählte Verbindlichkeiten von 12,2 Millionen Euro und auch Heinz Marolts Hotelbetriebsgesellschaft "K.S. Betriebs GmbH & Co KG" schlitterte mit Verbindlichkeiten von 1,2 Millionen in die Insolvenz.
Ein später und prominenter Antrag
Im Raum Villach kam es 2025 auch zu einem ungewöhnlichen prominenten Pleitefall, nämlich jener der Dr. Dietrich Birnbacher GmbH. Diese Insolvenz war nicht nur hinsichtlich des Zeitpunkts der Insolvenzantragstellung, nämlich etliche Jahre nach der aktiven Geschäftstätigkeit, sondern auch hinsichtlich zweier betroffener Gläubiger, wovon ein Gläubiger aus dem Gesellschafterkreis selbst kam, ungewöhnlich.
Private Insolvenzen
Insgesamt sind die Privatinsolvenzen von 659 Fällen im Jahr 2024 auf 687 Verfahren im Jahr 2025 (4,25 Prozent) gestiegen. Die durchschnittliche Verschuldung ist dafür von 93.000 Euro auf 87.000 Euro gesunken. Der Anteil der Männer hat sich von 62 Prozent im Jahr 2024 auf 58 Prozent reduziert, wobei deren durchschnittliche Verschuldung 2025 bei 103.000 Euro lag. Der Frauenanteil hat sich von knapp 38 Prozent auf 41 Prozent erhöht. Hier lag die durchschnittliche Verschuldung bei knapp 65.000 Euro.
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