KEM-Manager Lukas Schützenhofer
"Klimaschutz ist kein Privileg der wohlhabenden Bevölkerung"
- Lukas Schützenhofer ist Manager der Klima- und Energiemodellregion mit Sitz in Steinbach an der Steyr.
- Foto: Klima- & Energiemodellregion
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Interview mit Lukas Schützenhofer, Manager der Klima- und Energie-Modellregion Traunviertler Alpenvorland.
Herr Schützenhofer, Sie sind Manager der Klima und Energiemodellregion Traunviertler Alpenvorland – kurz KEM. Verraten Sie uns ein paar persönliche Details?
Schützenhofer: Ich bin 30 Jahre alt und komme aus Piberbach. Ich habe mich für den Job beworben, da ich einen Beitrag für eine Zukunft mit gesunder Luft, Versorgungssicherheit und regionaler Wertschöpfung leisten möchte.
Was haben Sie gemacht, bevor Sie KEM-Manager wurden?
Ich habe zuerst eine Landwirtschaftsschule absolviert und dann Energietechnik studiert. Nebenbei habe ich verschiedene Praktika gemacht, beispielsweise im Sonnenkollektorbau und bei einem Stromnetzbetreiber. Danach war ich 3,5 Jahre lang Techniker und Projektleiter für Photovoltaikanlagen.
Wofür ist der KEM-Manager zuständig?
Wir versuchen auf verschiedensten Wegen, die Regionen unabhängiger von Energieimporten zu machen und unseren Beitrag zur Begrenzung zukünftiger Starkregenereignisse und Hitzewellen zu leisten. Dazu gehören etwa Beratungen der Gemeinden, Photovoltaik-Anlagen über Bürgerbeteiligung, nachhaltige Mobilitätsformen anbieten und vieles mehr. In unserer Region speziell bin ich zu einem Teil auch für die BürgerEnergie Traunviertler Alpenvorland zuständig.
Was macht diese?
Das ist eine Genossenschaft, die bereits viele PV-Anlagen auf öffentlichen Gebäuden über Bürgerbeteiligung finanziert hat und E-Carsharing in Steinbach an der Steyr, Bad Hall, Neuhofen und Kremsmünster betreibt.
Welche Aufgaben landen auf Ihrem Schreibtisch?
Vor allem arbeite ich mit den 23 Mitgliedsgemeinden zusammen. In der aktuellen Periode gibt es aber auch Kooperationen mit Gewerbebetrieben und Themen wie Energiegemeinschaften, wo sich grundsätzlich alle Bürger beteiligen können.
Welche interessanten Projekte laufen in der Region?
Wir versuchen gemeinsam mit Wohnbauträgern E-Carsharing anzubieten, da sich diese dadurch teure Parkplätze ersparen können und die Nutzer haben kurze Wege bis zum Auto. Außerdem werden weitere Photovoltaik-Anlagen, Energiegemeinschaften und ein notstromfähiger Speicher für ein Gemeindeamt geplant. Bei den PV-Anlagen können sich wieder alle Bürger finanziell beteiligen. Momentan gibt es auch Förderungen für den Ausstieg aus Ölheizungen und zur Nutzung von Abwärme aus Abwasser. Interessierte können sich gerne an mich wenden. Ich suche aktuell auch noch ein öffentliches Vorzeigegebäude, das wir vorbildhaft sanieren, um den Energiebedarf massiv zu senken und gleichzeitig die Behaglichkeit und den Wert zu erhöhen. Außerdem wäre es sinnvoll, ein vielfältiges Angebot für sanfte Mobilität einer breiteren Bevölkerung zugänglich zu machen. Dazu könnten wir beispielsweise bei genügend Zeit und Unterstützung aus der Bevölkerung zukünftig Lastenräder, E-Mopeds oder Stepper günstig zum Leihen anbieten, wenn genügend Interesse besteht.
Welche Herausforderungen gilt es zu meistern?
Wenn man es ernst mit der Energiewende meint, sollte zuerst Energie sparen im Vordergrund stehen. Nicht verbrauchte Energie ist bekanntlich die umweltfreundlichste Form der Energie. Manche Leute versuchen Klimaschutz als Privileg der wohlhabenderen Bevölkerung darzustellen. Das ist Unfug, denn gerade die sozial Schwächeren werden tendenziell härter von der Klimakrise getroffen. Das Soziale darf nicht gegen das Ökologische ausgespielt werden. Jede und Jeder sollte das ihr oder ihm Zumutbare tun, um Energie zu sparen und somit Österreich unabhängiger von Strom-, Öl- oder Gas-Importen zu machen. Jede noch so kleine Tat zählt und kann der Beginn eines größeren Schrittes sein.
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