Interview
"Vorbild ist alles, was dich fasziniert"

- Martin Scharnagl schaffte mit seinen Kompositionen wie "Von Freund zu Freund" den europaweiten Durchbruch in der Blasmusikszene.
- Foto: Fotostudio West
- hochgeladen von Johanna Bamberger
Interview mit dem gebürtigen Kössener Martin Scharnagl (31), europaweit erfolgreicher Komponist, Musikschullehrer, Kapellmeister der Musikkapelle Kössen und Bandleader der Formation "Viera Blech"
KÖSSEN/REITH (jos). Im Probelokal der Musikkapelle Kössen wird die Tür geöffnet. Nur das Dirigentenpult ist besetzt, man hört das leise Kratzen des Bleistifts auf Papier. Der Stift wird niedergelegt, darauf folgt ein freundlicher Gruß.
Martin Scharnagl, Komponist, Kapellmeister der Musikkapelle Kössen und Bandleader der Formation "Viera Blech" empfing die BEZIRKSBLÄTTER zum Interview.
BEZIRKSBLÄTTER: Erzähl etwas über deine Person: Alter, Schulausbildung, musikalische Ausbildung usw.
Martin Scharnagl: "Meine schulische Ausbildung absolvierte ich an der Volksschule und Hauptschule in Kössen. Mit acht Jahren saß ich zum ersten Mal am Schlagzeug, mit 11 Jahren, im Jahr 1999, wurde ich Mitglied der Bundesmusikkapelle Kössen. Bis ich 14 war, erhielt ich Unterricht an der Landesmusikschule (LMS) St. Johann. Nach meiner schulischen Ausbildung in Kössen wechselte ich ins Musik-BORG in Innsbruck. Neben der Matura hab' ich da auch mein Vorbereitungs-Studium absolviert. Anschließend widmete ich mich dem IGP-Studium (Instrumental- und Gesangspädagogik, Anm. d. Red.) am Mozarteum Salzburg/Abteilung Innsbruck, welches ich 2012 abschloss. Gleich im Anschluss konnte ich an den LMS Wörgl, Kitzbühel und St. Johann Vertretungen der Lehrpersonen übernehmen. Jetzt bin ich Musikschullehrer an der LMS Brixental."
Welche Instrumente spielst du?
"Ich spiele hauptsächlich Schlagzeug, Klavier, Orgel und Tuba, alles Andere ist nicht erwähnenswert (lacht). Im Jahr 2008/09 hab ich zusätzlich noch das Studium zur Blasorchesterleitung absolviert."
Seit 2014 bist du Kapellmeister der Musikkapelle Kössen. Was macht dir daran am meisten Spaß?
"Es ist einfach schön, dass man immer in seine Heimat zurückkehren kann, da ich seit fünf Jahren in Reith wohne. Mein Bezug zu Kössen besteht von Kindesbeinen an. Das Einstudieren und Ausprobieren meiner selbstkomponierten Stücke macht mir große Freude, da es einfach interessant ist, zu hören, wie sich die eigenen Stücke anhören, wie die Musiker über die Stücke denken und wie sie sie spielen. Eine Komposition sollte immer realitätsbezogen sein und sie sollte den Leuten und auch den Musikanten gefallen. Dank der interessanten Einblicke lernt man immer dazu."
(Muttertagskonzert der MK Kössen am 11. Mai, VZK Kössen, Anm. d. Red.)
Erzähl mir etwas über die Formation "Viera Blech": Entstehung, Produktionen bisher, größte Auftritte usw.
"Die Formation wurde 2004 von vier Mitgliedern der Musikkapelle Kössen gegründet: Bernhard Achhorner, Michael Schweinester, Helmut Gründler jun. und ich. Seit 2009 treten wir als Septett auf, wobei ich als einziges Gründungsmitglied noch aktiv beim "Viera Blech" spiele. Seit dem Gründungsjahr wurden sieben CDs produziert. Die Kompositionen und Arrangements werden hauptsächlich von mir geschrieben, andere Gruppenmitglieder steuern aber natürlich auch bei.
Unsere größten Auftritte waren bisher sicher beim Festival "Woodstock der Blasmusik" in Ort im Innkreis, bei dem wir seit 2011 mitwirken. Wir haben das Festival sozusagen von Beginn an 'mitwachsen' sehen. Kaum vorstellbar, aber im Jahr 2018 waren 60.000 Leute in vier Tagen beim Festival."
Am 14. März 2020 wird die neue CD des "Viera Blechs" vorgestellt. Wie ist hier Stand der Dinge?
"Die CD wird im Winter produziert, das grobe Konzept dazu haben wir aber bereits erstellt. Der Stil wird sich aber ähnlich gestalten wie bei den vorherigen Werken - es soll ein 'bunter Mix' entstehen."
Hast du derzeit ein neues Werk in Arbeit? Woher kommen deine Ideen für neue Werke? Erste Kompositionen?
"Das ist schwer zu sagen (lacht). Das ist vielleicht ähnlich wie bei Buchautoren: die entwerfen auch etwas, das sie selbst spannend finden.
Insgesamt hab' ich über 100 Stücke geschrieben, die meisten davon sind für Blasorchester und für das 'Viera Blech'. Seit 2013 erscheinen meine Werke im Rundel-Verlag. Meine ersten 'Gehversuche' im Komponieren startete ich bei der Musikkapelle Kössen. "Das Dorf in den Bergen" wurde von den Mitgliedern uraufgeführt, als ich 17 Jahre alt war. Mein erstes Werk, den Marsch 'Bergluft', schrieb ich aber mit 14 Jahren."
Hast du ein großes Vorbild?
"Vorbild ist alles, was dich fasziniert. Ich hab in jedem Bereich viele Vorbilder, die als großartige Komponisten und Interpreten fungieren."
Welche Musikvorlieben hast du außerhalb der Blasmusikszene?
"Ich höre gerne Jazz und Rock, vor allem die Michel Camilo Bigband und Toto."
Hast du einen großen Zukunftswunsch?
"'G'sund bleib'n' (lacht) und mir weiterhin mein Hobby zum Beruf machen. Ich liebe die Mischung aus spielen, schreiben und unterrichten."
Danke für das Gespräch!
Interview: Johanna Schweinester
Mehr über Martin Scharnagl lesen Sie hier.
Mehr über die Formation "Viera Blech" lesen Sie hier.
Mehr über die Musikkapelle Kössen lesen Sie hier.


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