Literaturkritik:
Ab nach Bangkok - Skyline Deluxe, ein Erotikroman

Skyline Deluxe, Cover
  • Skyline Deluxe, Cover
  • Foto: beim Autor Marianne Le Soleil Levant
  • hochgeladen von Christine Trapp

München, einest ein Ort des sexuellen Ausbunds, in einem erzkatholischen, aber widerspenstigen Bayern hat die Autorin/der Autor Marianne Le Soleit Levant, (Pseudonym für den altgedienten und verdienten Münchener Musiker Bernhard r.c. F.) längst hinter sich gelassen und so schwelg ihr/sein alter Ego ‚Tom‘ im fernen Bangkok in sinnlichen Gelüsten, um zumindest literarisch eine Japanerin und den geneigten Leser flachzulegen. Und das macht Mrs./Mr. Levant gar nicht schlecht und durchaus amüsant und weil die Autorin/der Autor Deutsche/Deutscher ist besinnt sie/er sich auf die gute Tugend der deutschen Erzählkunst dem Fabulieren und erzählt geschmeidig, eine vom männlichen Fantasien geprägte, durchaus gelungene und prickelnde erotische Geschichte vor dem exotischen Schauplatz des Fernen Ostens.

Dabei bedient sich Marianne Le Soleit Levant dem Muster von bekannten und erfolgreichen Sexromanen wie zum Beispiel ‚Fifty Shades of Grey‘, ‚The Girlfriend Experience‘ und ‚der Liebhaber‘ von Marguerite Duras. Wie in den drei genannten Werken kann auch in ‚Skyline Deluxe‘ Sex nur in einer Luxuswelt ausgelebt werden, in der nach Konfuzius ‚Alles Streben nach Reichtum und Macht nur eine reine Illusion‘ ist, aber Gesellschaftskritik (Liliana Cavani) und Klassenkampf (Lina Wertmüller) will dieses Buch, will der gepflegte erotische Roman des Abenteuerkapitalismus natürlich nicht und braucht ihn auch nicht, um Kauflust unter den Konsumenten zu entfachen. Vorbei sind die Zeiten als Sex noch ein Mittel des Aufbegehrens gegen gesellschaftliche Konventionen war, wie zum Beispiel bei Henry Miller ‚Im Wendekreis des Krebses‘ oder in Sumpf eines völlig unromantischen Künstlerlebens in Paris ungehemmt ausgelebt werden konnte. (Stille Tage in Clichy, ebenfalls von Henry Miller). Vorbei ist der Bildersturm, den Ingmar Bergman mit ‚Das Schweigen‘ ausgelöst hat, in Bayern sollte 1964 der Film auf Druck der Kirche verboten werden. (Was allerdings fehlschlug) Hier genügt es, in bester Hollywoodmanier, dem Leser ein möglichst stimmiges, freilich trughaftes, Bild von der Harmonie im Luxusleben zu vermitteln, um seine ‚Träume‘ zu befriedigen, was auch ‚Skyline Deluxe‘ sehr gut gelingt, in dem es auf Plattheiten und Geschwätzigkeit verzichtet und ein echtes Sexrührstück für die ‚Traumschifffangemeinde‘ abliefert.

Wieso versauert jetzt dieser gelungene Erotikroman als Ebook im Netz, während seine literarischen ‚Schwestern‘ und ‚Brüder‘ aus den USA munter die Bestellerlisten hinaufvögeln?

Die Probleme sind natürlich Hausgemacht!

Erstens liebt der deutsche Leser noch immer das gedruckte Wort in einem übersetzten Einheitsstil, Ebooks spielen noch wenig Rolle.

Zweitens hat sich der deutsche Buchmarkt nahezu komplett us-amerikanischen Medienkonzernen verkauft. Übersetzungen aus dem Englischen dominieren die Szene mit Literatur, die nicht mehr ‚geschrieben‘ sondern ‚erzeugt‘ wird, hergestellt von einer Medien- und Unterhaltungsindustrie, die die Buchproduktion ‚von der Pike auf‘ durch ‚Schreibkurse‘ und ‚Schreibwerkstätten‘ kontrolliert und gleichgeschalten hat. Stilistisch sind diese Bücher alle gleich und austauschbar. Egal was man/frau liest, man/frau versäumt wirklich nichts, ähnlich wie im Unterhaltungskino oder in den TV-Serien ist alles zum Verwechseln ähnlich, was letztendlich auch den Erfolg dieses reaktionären, langweiligen, uninteressanten, korrupten, erzkonservativen, kapitalistischen Spektakels ausmacht. Es geht nur noch darum möglichst viel Geld zu scheffeln.

Wieso sollte man also ‚Skyline Deluxe‘ lesen? Es ist, in seinen Konventionen, ein gut geschriebener Unterhaltungsroman und das ist sehr viel wert in einer deutschsprachigen Literatur, die, wie Peter Handke 1966 in Princeton so treffend bemerkt hat ‚beschreibungsimpotent‘ ist.

Was ist nun passiert? Wieso hat sich 52 Jahre nach Peter Handkes berühmten Sager scheinbar nichts verändert oder sich sogar verschlechtert?

Zum einen hat die deutschsprachige Literatur und die hiesige Literaturkritik ein fundamentales Problem. Sie hält sich für wichtiger als es (das Problem) sie (die Literatur und Literaturkritik) ist. Viele berufen sich hier auf die großen deutschen Klassiker (Hölderlin, Goethe, E.T.A. Hoffmann, Heine usw.), aber, das Publikum liebt neues Lesefutter aus der Unterhaltungsliteraturabteilung und keine Sprachexperimente und ellenlange, sprachlich ausgefeilte Abhandlungen.

Das Publikum ist nicht mehr neugierig auf: literarische Abenteuer (z.B. Die Dämonen, Doderer) und Entdeckungsreisen (z.B. Auf der Suche nach einer verlorenen Zeit, Proust), auf verschlüsselte Botschaften (Hans Magnus Enzensberger), gesellschaftliche Abrechnungen (Heinrich Böll), Aufarbeitung der Zeitgeschichte (Dieter Noll/Wolf Biermann), soziale Konflikte (Peter Henning) Aufrufe zu politischen und sexuellen Revolutionen (Marco Lombardo Radice/Lidia Ravera). 

Die Leserin/der Leser begnügt sich damit, gutgestimmt in Erinnerungen an ferne Länder zu schwelgen, die man/frau vielleicht selbst bereist hat und sich während des Lesekonsums gemütlich einen oder mehrere herunterzuholen. Da sind die zwanzig Euro für ein Buch besser und nachhaltiger angelegt als der Besuch im Luxuspuff, denn wenn schon, dann gleich gediegen, wie in der Luxuswelt des (märchenhaften) Hochglanzfilms und des (unrealistischen) neuen Erotikromans. ‚Wieso sollte ich nicht einfach ein paar Weiber abschleppen und machen einen Puff aus der Wohnung‘, (Woody Allen, 1972) diese Maxime lebt heutzutage niemand.

O lala, in diesem Sinne, greift zu ‚Skyline deluxe‘ von Mrs./Mr. Marianne Le Soleil Levant, es wird weit unter seinem Wert als Ebook auf alle bekannten Plattformen verhökert, aber es lohnt sich, denn, trotz aller Widrigkeiten ist das Ebook eine der wenige Möglichkeiten für jede Frau/jeden Mann zu publizieren und sei es noch so ausgefallen, was da angeboten wird, so hat sich unbemerkt von der (klein)bürgerlichen, kleinkarierten, egomanischen Literaturkritik eine zweite Szene entwickelt, die blüht und gedeiht und auf ‚Teufel komm raus‘ Literatur produziert und darauf hofft, dass sie endlich beachtet wird.

Skyline Deluxe‘ von Marianne Le Soeil Levant ist, in der deutschen Ebookszene, sicher einer der Höhepunkte, den es zu erklimmen gilt.

SKYLINE DELUXE
von Marianne Le Soleil Levant
Eine romantische Novelle über das Abenteuer
eines erotischen Experiments in der Wissenschaft der Liebe
jetzt im Buchhandel, bei tredition, Amazon oder als Ebook

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