Koralmbahn-Effekt
"Es kommt zur größten Fahrplanänderung Österreichs"
- ÖBB-Regionalmanager Reinhard Wallner
- Foto: ÖBB/Simone Attisani
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"Alles verändert sich": Mit dem Start der Koralmbahn Mitte Dezember kommt es nicht nur auf (inter)nationaler, sondern auch auf regionaler Ebene zu einer massiven Fahrplanänderung. Die ÖBB werden in Kärnten mit der Koralmbahn die Halbstundentaktung der S-Bahn erhöhen. MeinBezirk Kärnten hat Regionalmanager Reinhard Wallner zu einem exklusiven Interview in Villach getroffen. Diese Änderungen kommen auf Kärntens Zugfahrgäste ab Dezember zu:
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KÄRNTEN. Es wird zweifelsohne ein historischer Tag für Kärnten: Am 14. Dezember 2025 wird die Koralmbahn Fahrt aufnehmen. Klagenfurt und Graz werden innerhalb von 45 Minuten erreichbar sein. Welche Fahrbahnänderungen die Koralmbahn auf das regionale Netz haben wird, hat uns ÖBB-Regionalmanager Reinhard Wallner bei einem exklusiven Treffen verraten.
Wenn es auch schwierig und komplex ist: Welche Auswirkungen hat die Koralmbahn auf das Kärntner Liniennetz?
Wallner: Die Koralmbahn verändert in Kärnten den gesamten öffentlichen Verkehr. Und zwar nicht nur in Kärnten, sondern in ganz Österreich. Warum? Da muss man jetzt historisch und verkehrsplanerisch das Ganze betrachten. Man hat vor über zweieinhalb Jahrzehnten einen Verkehrswarteplan für Österreich erstellt, dabei ging es um die Weiterentwicklung des öffentlichen Verkehrs inklusiver infrastruktureller Maßnahmen. Bei einem dieser Maßnahmen handelt es sich eben um das Projekt Koralmbahn.
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Welche Rahmenbedingungen sind dafür nötig?
Damit der Schienenverkehr in Österreich in einen Taktfahrplan implementiert werden kann, gibt es den sogenannten integrierten Taktfahrplan. Dieser wird im Dezember 2025 Realität. Das heißt: Ganz Österreich führt einen integrierten Taktfahrplan auf der Schiene ein. So etwas hat es bis dato nur in der Schweiz gegeben. In den 90er-Jahren gab es in Österreich mit dem NAT'91 einen Versuch. Dieser wurde aber wieder zurückgenommen.
Generell muss man wissen: Wie funktioniert öffentlicher Verkehr? Öffentlicher Verkehr funktioniert mit der Zielsetzung, dass Endkunden in Mobilitätsketten den öffentlichen Verkehr nutzen können. Es geht darum, dass man von seiner Haustür zu seinem Zielort gelangt, egal ob sich dieser in Kärnten befindet, oder ob es nach Wien, nach Salzburg oder zu einem internationalen Ziel geht. Wir haben mindestens fünf Layer. Alle Mobilitätsketten müssen ineinandergreifen, sonst strande ich ja im Nirgendwo.
Was verändert sich in Kärnten?
Kurz gesagt: alles. Es kommt zu einer kompletten Veränderung des internationalen und nationalen Fernverkehrs. Das Fernverkehrssystem hat in Österreich drei Knotenpunkte: Wien, Villach und Salzburg. Diese drei Knoten haben definierte Taktzeiten mit genau hinterlegten Fahrzeiten zwischen Wien und Villach, Villach und Salzburg sowie Salzburg und Wien. Und die sind immer gleich. Durch die Koralmbahn werden neue Fahrzeiten ermöglicht.
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Was bedeutet das für den regionalen Nahverkehr?
Die gesamte Taktzeit wird um eine Viertelstunde verschoben. Dementsprechend muss natürlich das nächste Ebenenmodell, nämlich der regionalen Nahverkehr, auch angepasst werden. Weil was nutzt es, wenn ich im Nahverkehr gleich weiterfahre, aber der Fernverkehr anders fährt? Das wird natürlich dementsprechend angepasst.
Das ist die größte Fahrplanänderung, die es in Österreich jemals gegeben hat. Und ich rede jetzt noch gar nicht vom Angebot – das kommt nämlich auch.
Wie haben sich die Kärntner Verkehrsunternehmen auf den Start der Koralmbahn vorbereitet?
Wir bereiten uns seit acht Jahren auf den 14. Dezember vor. Dazu wurde 2017 ein 40 Seiten starkes Strategiepapier mit dem Titel "Handlungsstränge Kärntner Linien" entwickelt. Damals haben wir uns Fragen gestellt wie: Was passiert im Dezember 2025? Was ist unsere Vision als Verkehrsunternehmen? Wie wollen wir unser Angebot ausgeprägt haben?
Die Wohnsituation von 562.000 Kärntnern in Kärnten und die 1.600 Haltepunkte von Bahn und Bus wurden dafür analysiert. Mit dem Ergebnis: 450.000 Kärntnerinnen und Kärntner wohnen in einer Distanz bis zu maximal 2,5 Kilometer von einem Haltepunkt des öffentlichen Verkehrs entfernt. Eine Distanz, die mit Fahrrad oder Scooter erreichbar ist.
51 Prozent – und das ist keine geringe Zahl – wohnen in einer Distanz, fußläufig bis zu maximal 750 Meter von den nächsten öffentlichen Haltepunkten entfernt. Unsere Vision: Für rund 80 Prozent der Kärntner Bevölkerung soll an Werktagen grundsätzlich eine halbstündliche Mobilitätskette vorhanden sein.
Alle haben uns gefragt, wie das funktionieren soll. In der S-Bahn hatten wir einen Zweistundentakt. Mit dem jetzigen Fahrplanwechsel setzen wir nahezu alle unsere Punkte aus dem Papier um.
Wie sieht die Fahrplanänderung konkret aus?
Auf der S1 werden wir von Lienz bis nach Wolfsberg – quer durch ganz Kärnten – im Abschnitt zwischen Spittal und Wolfsberg einen Halbstundentakt haben, von Montag bis Freitag, die restliche Woche einen Stundentakt. Auf der S2-Linie zwischen Villach, Feldkirchen, St. Veit und Klagenfurt wird ein Stundentakt umgesetzt. Im Abschnitt zwischen Villach und Feldkirchen geht es schon Richtung Halbstundentakt. Auf der S3, das ist der Abschnitt Klagenfurt nach Weizelsdorf, kommt ein Stundentakt. Auf der S4 – Hermagor – Villach – haben wir schließlich einen Stundentakt, ebenfalls von Villach nach Rosenbach auf der S5. Ein weiteres Ausbauprogramm sieht vor, dass wir mit dem neuen Fahrplan 2027 noch einen Halbstundentakt zwischen Villach und Feldkirchen bzw. St. Veit und Friesach einführen. Somit haben wir unser Ziel erreicht: 80 Prozent der Kärntner habe dann von Montag bis Freitag eine Halbstundentakt-Verbindung. Zwischen Villach und Hermagor besteht bereits eine Halbstundentaktverbindung, diese wird mit S-Bahn und Bus gesichert. Das heißt, ich fahre in einem Stundentakt S-Bahn und dazwischen in einer halben Stunde fährt der Bus nach Hermagor bzw. zum Teil sogar bis nach Kötschach.
- Die Taktung im Nahverkehr wird heuer noch erhöht.
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Wann wird die Fahrplanänderung umgesetzt?
Am 14. Dezember 2025 kommt es zur Fahrplanänderung. Die Präsentation der neuen Fahrplaninformationen sowie der Vorverkauf erfolgen am 16. September.
Zur Sache
Um Mobilitätsketten erstellen zu können, gibt es ein Verkehrsebenenmodell, das aus fünf Ebenen besteht. Die oberste Verkehrsebene besteht aus dem internationalen Fernverkehr – es gibt eine Vernetzung über ganz Europa. Die zweite Ebene bildet der nationale Fernverkehr. Die letzten Ebenen bestehen aus dem regionalen Nahverkehr auf der Schiene sowie dem regionalen Busverkehr und dem Mikro-ÖV.
Entwicklung der S-Bahnstrecke in Kärnten: 2017 gab es rd. 4, 8 Millionen Angebotskilometer. 2025 stehen 7,5 Millionen zur Verfügung.
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