Lehre am ISTA
33jährige Tullnerin absolviert Lehre in der Bibliothek und erzählt
- Seit April macht die 33-jährige Tullnerin Magdalena Stubenvoll eine Lehre am ISTA.
- Foto: Privat
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Am Institute of Science and Technology Austria (ISTA) in Klosterneuburg arbeiten aktuell neun Lehrlinge. Eine davon ist die 33-jährige Tullnerin Magdalena Stubenvoll, die dort gerade ihre Lehre zur Archiv-, Bibliotheks- und Informationsassistentin absolviert. MeinBezirk Klosterneuburg hat sie zum Interview gebeten.
KLOSTERNEUBURG. Das Institute of Science and Technology Austria (ISTA) in Maria Gugging ist ein Forschungsinstitut mit eigenem Promotionsrecht. Erst kürzlich haben dort 90 neuen Doktorandinnen und Doktoranden aus 32 Ländern neu begonnen. Das ISTA bildet aber nicht nur Wissenschafter, sondern auch Lehrlinge aus und zwar in vielen Bereichen: IT- und Systemtechnik, Elektrotechnik, Installations- und Gebäudetechnik, Tierpflege, Metalltechnik – und auch Archiv-, Bibliotheks-, Informationsassistenz. In letzterem Bereich – in der Bibliothek des ISTA – macht seit April die Tullnerin Magdalena Stubenvoll (33) ihre Lehre.
Mein Bezirk: Sie machen eine sogenannte Erwachsenenlehre. Was haben Sie vorher gemacht und wie haben Sie sich dafür entschieden, jetzt eine Lehre zu beginnen?
MAGDALENA STUBENVOLL: Ich bin 33 Jahre alt, also damit nicht im typischen Lehrlingsalter. Ich war tatsächlich früher schon einmal Lehrling und bin gelernte Landschaftsgärtnerin, habe das damals Lehre mit Matura gemacht. Dann habe ich auch kurz studiert, aber schnell gemerkt, dass das nicht mein Ding war. Ich habe dann verschiedene Jobs gemacht, als Persönliche Assistenz für Menschen mit Behinderung, in der Gastro, im Handel, mit unterschiedlich vielen Wochenstunden.
- Das meiste ist digital. Physische Bücher gibt es trotzdem noch. Eine Bücherwand in der Bibliothek des ISTA im Sunstone Building des Campus.
- Foto: ISTA
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Vor circa zwei Jahren war mir dann klar: Ich möchte Vollzeit arbeiten, aber eben nicht mehr als Gärtnerin. Also habe ich mich gefragt: Wo sehe ich mich? Und bei der Recherche habe ich dann herausgefunden, dass es die Ausbildung „Archiv-, Bibliotheks- und Informationsassistenz“ gibt. Ehrlicherweise wusste ich vorher gar nicht, dass das ein Ausbildungsberuf ist, und dass das eben der Weg ist, um in einer Bib zu arbeiten.
Was hat Sie bewogen, sich am ISTA zu bewerben?
Ich wohne in Tulln, und das ISTA ist eigentlich allen Leuten in Tulln bekannt, man fährt ja oft vorbei, eben auf dem Weg nach Klosterneuburg. Aber was hier alles genau passiert – von der Gehirnforschung über KI bis zur Astrophysik – war mir vorher so nicht bewusst. Dann habe ich gesehen, dass man hier die Ausbildung in der Bibliothek machen kann und mich beworben.
Wie ging’s dann weiter?
Ich bekam nach der Bewerbung eine echt rasche Antwort, schon eine Woche später. Insgesamt war der ganze Bewerbungsprozess sehr respektvoll. Leider ist das nicht überall so, auf manche anderen Bewerbungen bekam ich nicht mal eine Antwort. Am ISTA wurde ich dann aber eingeladen zu einem Erstgespräch mit meiner jetzigen Ausbilderin. Da war dann auch ein Teil in Englisch, denn das ISTA hat – als internationales Institut mit Leuten aus aller Welt – ja Englisch als Arbeitssprache. Ich habe mich sehr gefreut, als ich kurz danach dann auch in die zweite Runde eingeladen wurde, bei der dann auch der Leiter der Bibliothek und die Lehrlingsbeauftragte des Instituts dabei waren.
- Die institutseigene Bibliothek des ISTA befindet sich im Erdgeschoss des 2022 eröffneten rosafarbenen Sunstone Building.
- Foto: Anna Stöcher ISTA
- hochgeladen von Rainer Seebacher
Das war dann direkt vor Ort in der ISTA Library. Ein Teil war ein schriftlicher Test, mit Mathe- und Textaufgaben, da war ich tatsächlich kurz nervös, da ich ja einfach schon lange aus dem Schulbetrieb raus war. Wenn man frisch aus der Schule kommt, ist man das ja noch mehr gewohnt. Aber auch das war dann weniger schlimm als gedacht, ich habe mich insgesamt wohl gefühlt, da man bei jedem Schritt der Bewerbung am ISTA den Respekt gegenüber Bewerbenden spüren konnte. Es gab dann auch noch einen praktischen Test, da möchte ich gar nicht alles preisgeben, aber ich denke, ich kann sagen, dass es darum geht, ob man ein gutes Auge für Details und Genauigkeit hat.
Genauigkeit ist sicherlich etwas, das Leute mit dem Job einer Bibliothekarin in Verbindung bringen. Aber wie sieht der Arbeitsalltag wirklich aus, und was ist vielleicht auch anders, als viele Menschen denken?
(Lacht) Wenn ich sage, dass ich in einer Bibliothek arbeite, bekomme ich manchmal als Reaktion: „Boah, cool, du kannst den ganzen Tag Bücher lesen.“ Aber so ist es ja nicht. Wir haben nicht sehr viel Leerlauf oder Wartezeiten. Und unsere Bücher sind ja auch keine Romane, sondern sehr anspruchsvolle wissenschaftliche Fachbücher. Wie genau die Arbeit als Archiv-, Bibliotheks- und Informationsassistenz aussieht, ist auch stark abhängig davon, wo man arbeitet. Wir sind eben eine wissenschaftliche Fachbibliothek, das ist anders als eine öffentliche Bibliothek, und ein Archiv wäre nochmal anders. Was vielleicht auch überrascht: Mit physischen Büchern habe ich tatsächlich seltener zu tun, mehr mit Datenbanken, Publikationsverwaltung, digitalen Zugängen, Open Access oder auch der Archivierung der Abschlussarbeiten der PhD Studierenden. Und natürlich mit den Forschenden des ISTA, die wir bei Recherchen oder anderen Fragen unterstützen.
Was ist das Besondere an Ihrer Erwachsenen-Lehre am ISTA?
Durch meine Vorausbildung dauert meine Lehre statt drei Jahren nur zwei Jahre. Ich habe also die erste Klasse Berufsschule übersprungen, bin direkt in die zweite Klasse eingestiegen. Der Auswahlprozess war ja im letzten November, angefangen habe ich heuer im April. Eigentlich starten die Ausbildungen aber im September. Ich habe aktiv gefragt, ob ein früherer Start möglich wäre und das Institut ist mit hier entgegengekommen. Dafür bin ich dankbar. Und auch dafür, wie sehr man mir auf Augenhöhe begegnet und mir Vertrauen entgegenbringt.
- Fachbücher in der Bibliothek des ISTA im Sunstone Building des Campus.
- Foto: ISTA
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Ich fühle mich nicht wie ein „kleiner Lehrling“, sondern wie eine fast vollständige Mitarbeiterin, man lässt mich sehr selbstständig arbeiten. Und ich war jetzt im Sommer bereits sechs Wochen auf einem Praktikum in der Bibliothek der Universität Wien. Das war auch sehr cool, eine andere Bib kennen zu lernen und das bereits nach zwei Monaten am Institut. Wirklich ein Vertrauensvorschuss.
Was haben Sie aus Ihren vorherigen Tätigkeiten zu Ihrem Job am ISTA mitgenommen?
Ich denke man kann von überall etwas mitnehmen. Persönliche Assistenz hat eine sehr menschliche Komponente. Das erleichtert später Zusammenarbeit, Rücksicht nehmen, und damit die Arbeit im Team. In der Gasto lernt man Belastbarkeit. Durch die Gärtnerei habe ich schätzen gelernt, dass mein jetziger Job keine so körperlich schwere Arbeit verlangt. Generell erlaubt mir der Vergleich wahnsinnig wertzuschätzen, was ich am ISTA hab. Zum Beispiel auch keinen hierarchischen Druck von oben, wie ich es zum Beispiel aus kleinen Handwerksbetrieben kenne.
Welche weiteren beruflichen Ziele haben Sie jetzt?
In erster Linie ist mein Ziel die Lehrabschlussprüfung in eineinhalb Jahren. Danach möchte ich gerne am ISTA bleiben, denn es ist ein toller Arbeitgeber, und mir hier eben ein Spezialgebiet oder einen Verantwortungsbereich suchen, mit dem ich weiter den Wissenschafterinnen und Wissenschaftern hier helfen kann, spannende Forschung zu betreiben.
Lehre am ISTA: Bewerbungen für 2027 ab Herbst 2026 möglich
Im Herbst werden am ISTA wieder fünf neue Lehrstellen ausgeschrieben: Tierpflege (Aquatics sowie Animal House), Elektrotechnik, Installationstechnik und Metalltechnik. Regulärer Beginn dieser Ausbildungen ist dann im September 2027. Informationen zur Lehre am Institute of Science and Technology Austria (ISTA) in Klosterneuburg gibt es unter www.ista.ac.at/lehre.
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