27.11.2016, 18:24 Uhr

Sport - gesund mit wenigen Ausnahmen

ORF NÖ-Moderatorin Mag. Alice Herzog mit Univ.-Prof. Dr. Stefan Nehrer
Krems an der Donau: Donauuniversität |

Im MINI MED-Vortrag ‚Sport, Prävention, Sportverletzungen, Wintersport‘ widmete Univ.-Prof. Dr. Stefan Nehrer anlassbezogen Skiunfällen und deren Folgen.

Speziell das Knie zählt im Skisport zu den verletzungsanfälligen Körperregionen - oft überfordern wir unsere Bänder in diesem Bereich, sei es durch zu wenig Training, Aufwärmen oder fehlendes technisches Können. „Carving-Ski verleiten den Skifahrer dazu, seine Möglichkeiten zu unterschätzen“, so Nehrer. Interessant: mit zunehmender Höhe des Geländes steigt die Gefahr, Risiken beim Sport zu unterschätzen.

Statistisch betrachtet führt Skifahren die Liste der Sportunfälle in Österreich an, jährlich sind durchschnittlich 38.000 Menschen davon betroffen, gefolgt von 37.000 Fällen beim (Freizeit-)Fußballspielen. Hier sind übrigens Frauen aufgrund ihrer Anatomie speziell in den Bereichen Knöchel, Knie und Rücken statistisch verletzungsgefährdeter als Männer.

Insgesamt verarztet medizinisches Personal 199.100 Österreicher, und das im Schnitt jedes Jahr. „Dabei federn vor allem Sturzhelme in den letzten Jahren noch höhere Verletzungs- oder sogar Todeszahlen ab, sie sind ein Beweis dafür, dass man sehr wohl präventiv etwas tun kann“, ergänzt Nehrer. Betrachtet man das Verletzungsrisiko beim Sport allgemein, liegt dieses dennoch beim Freizeit- und Breitensport am niedrigsten und steigert sich bei Wettkampf-, Leistungs- und Hochleistungssport. Am höchsten - fast logisch - ist die Anzahl Verletzter im Extremsport.

Doch zurück zu jenen Bretteln, die Sportlern aus dem Alpenraum die Welt bedeuten: 2014 verteilten sich die 38.000 beim Skifahren entstandene Verletzungen auf die Bereiche Knie (50%), Schulter (30%), Kopf (8%) und Sonstige. Dazu 18 Todesfälle, die dem Faktor ‚Carving‘ entsprangen. Vor allem die Instabilität beim Geradeausfahren sowie verkanten und verschneiden mit hoher Auslenkgeschwindigkeit fordern hier regelmäßig Unfallopfer. Korrekturbewegungen sind aufgrund des Kantengrips und der Geschwindigkeit nicht möglich. Ein Gegentrend: ‚Bergstemme', ein neuer Schwung, der unbelasteten Richtungswechsel, kein Drehen am belasteten Ski und sichere Abstützung bedeuten soll. In Verbindung mit einem 'Cave‘, der neuen, breiteren Skigeneration.

Abschließend zum Skilanglauf, der deutlich weniger Verletzungsrisiken in sich birgt und dennoch sehr effizient für Kondition, Ausdauer und Kreislauf ist. Die jährlich 3.700 Verletzungen verteilen sich mit 34% auf die oberen und 55% auf die unteren Extremitäten, 60 - 80% durch Stürze bei der Abfahrt infolge Übermüdung und technischer Fehler. Dr. Nehrer rät dazu, Verletzungen auszuheilen, sich keinesfalls ‚fit-spritzen‘ zu lassen, denn die Verletzungsgefahr steigt mit jedem neuen Unfall um ein vielfaches. „Setzen Sie, vor allem, wenn Sie schon einmal eine Sportverletzung davongetragen haben auf Vorbeugen mit koordinativen Bewegungsübungen, Ausdauer- und Krafttraining sowie Technikschulungen“, lautet der abschließende Tipp des Arztes.

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