TFV - Fußball in Tirol
Denis Husic: Fußballtrainer mit Ecken und Kanten

Nach 13 Jahren als Trainer beim SV Wörgl verlässt Denis Husic den Regionalligaverein und kehrt zu seinem Stammverein nach Kufstein in die Bezirkshauptstadt zurück. | Foto: Schwaighofer
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  • Nach 13 Jahren als Trainer beim SV Wörgl verlässt Denis Husic den Regionalligaverein und kehrt zu seinem Stammverein nach Kufstein in die Bezirkshauptstadt zurück.
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BEZIRKSBLÄTTER-Sportgespräch mit SV Wörgl-Trainer Denis Husic , der im Sommer zum FC Kufstein wechselt.

KUFSTEIN. Wer mit Denis Husic über Fußball spricht, braucht Zeit. Die körperliche Hektik, die der Trainer des SV Wörgl bei den Spielen am Spielfeldrand an den Tag legt, ist bei einem Fußballgespräch ad acta gelegt, er formuliert ruhig seine Ideen, fasst seine Fußballgedanken in wohl überlegte und einfache Sätze mit großer Aussagekraft und so manch humorvoller Pointe.
Ein Fußballtrainer mit Ecken und Kanten eben, dem es nichts ausmacht, wenn man ihn im Sportgespräch als einen "positiv Fußballverrückten" bezeichnet. In zahlreichen Stunden, auch beruflichen, widmet er sich seiner intensiven und erfolgreichen Fußball- und Trainertätigkeit. Insgesamt 13 Jahre (von der Gebietsliga bis in die Regionalliga West) war er im Wörgler Verein nicht nur für die erste Kampfmannschaft zuständig. Im Sommer wird in Wörgl die Zusammenarbeit in glaubhaft bestem Einvernehmen beendet. Denis Husic will, und wahrscheinlich wird er es auch, bei seinem Heimatverein FC Kufstein ein neues Kapitel seiner facettenreichen Fußballgeschichte aufschlagen.

Ein Fußballtrainer mit Ecken und Kanten eben, dem es nichts ausmacht, wenn man ihn im Sportgespräch als einen "positiv Fußballverrückten" bezeichnet.  | Foto: Schwaighofer
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BB: Warum scheiterte der SV Wörgl im Frühjahr an der RLW-Qualifikation?
  Husic:

Begonnen hatte es im letzten Herbstspiel mit der Niederlage gegen Kitzbühel und im Frühjahr kamen wir erst zu den Pflichtspielen in Schwung. Warum? Wir hatten keine gute Vorbereitung. Corona-Absagen der Gegner in Masse bei unseren Testspielen, Ausfälle durch Verletzungen, Schule, Studium und Erkrankungen. Die zwei Frühjahrsniederlagen hatten aber nichts mit meiner Kufstein-Entscheidung, die bei den Spielern seit Jänner bekannt war und die wir intern klar kommuniziert haben, zu tun.

Das Fußball-Glückshaferl schwappte da schon ein wenig zum Gegner hinüber. Als Misserfolg möchte ich den Platz drei in der Regionalliga Tirol im Grunddurchgang auf keinen Fall bewerten. | Foto: Schwaighofer
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BB: Nach dem Auftaktsieg gab es gleich zwei Niederlagen in Folge, das kann doch nicht allein an fehlenden Testspielen liegen?
  Husic:

Tut es auch nicht. Wir hatten nicht nur beim Sieg gegen Hall eine Top-Leistung geboten, sondern bei allen drei Frühjahrbegegnungen. In allen drei Spielen war meine Mannschaft klar stärker als der Gegner, und das mit fünf bis sechs Spielern in der Startelf der Jahrgänge 2002/2003 und jünger. Das Fußball-Glückshaferl schwappte da schon ein wenig zum Gegner hinüber. Als Misserfolg möchte ich den Platz drei in der Regionalliga Tirol im Grunddurchgang auf keinen Fall bewerten, einige Spieler konnten sich in dieser Saison enorm weiterentwickeln. Da war das Wasserglas schon halb voll, nicht halb leer.


Denis Husic ist für die TFV Fußball-Ligastruktur früherer Jahre.  | Foto: Schwaighofer
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BB: Deine Meinung zur Rückkehr der Regionalliga West (alt)?  Husic:

Dazu braucht's zwei Seiten mehr im BEZIRKSBLÄTTER-Sportteil (Husic lacht). Ich bin aber richtig froh über diese Frage. Wörgl wurde von vielen immer als Befürworter der Regionalliga Tirol (neu) hingestellt und das stimmt so einfach nicht. Eine Mehrheit an Befürwortern kam nur zustande, weil damals nicht an der Regionalliga West teilnehmende Meisterschaftsvereine – sogenannte vermutliche Aufsteiger – in die Tirol-Entscheidung miteinbezogen wurden. Die damals installierte RL neu war ein riesengroßer Fehler, den man mit der Rückführung zur RLW alt in der Öffentlichkeit als Fehlerbehebung darstellt. Bleibt es aber unter der RLW weiterhin bei der Weiterführung der Regionalliga Tirol ist der bei der Einführung am Tiroler Fußball entstandene Schaden nicht behoben, sondern bleibt bestehen. Es ist schon klar, dass die notwendige RLT-Ligaauflösung (dafür gibt es eine sehr große Anzahl an weiteren Gründen) mehr Absteiger bringen würde, und das wäre dann ja sozusagen auch ein negatives, für die Öffentlichkeit und in den Vereinen viel größer wahrzunehmendes Fehlereingeständnis des TFV. Dieses will man auf dieser Etage tunlichst vermeiden. Ich bin dafür, dass die Tirol Liga unter der RLW die höchste regionale Tiroler Spielklasse sein soll. Bei der Neueinführung der RLT vor zwei Jahren wurden viele zufrieden gestellt, weil es keine Absteiger gab, und jetzt sollen die Vereine wieder besänftigt werden, weil man einen dem Fußballsport wirklich gut tuenden Schritt zurück zur alten Ligakultur wieder nicht machen will.

BB: Was stört dich dabei so sehr, sollte neben der RLW  auch die Regionalliga Tirol beibehalten werden?  Husic:

Wie ich schon sagte, Tirols höchste Spielklasse kann nur Tirol Liga (alt) heissen, die Regionalliga Tirol bedeutet nicht Aufwertung, sondern "Viertklassigkeit" und gleichzeitig bedeutet sie bei  Beibehaltung - eine "Fünftklassigkeit" der Tirol Liga. Es fehlt der Mut hier Klartext über gemachte Fehler zu reden. Die Regionalliga Tirol verwässerte alles - alles, von den Ligen oben, bis nach unten wurde in alle Richtungen geschossen. Kitzbühel, Kufstein, Wörgl und Schwaz sind damals abgestiegen. Das fühlt sich bis heute bei mir so an. Verein, Spieler und Trainer sind damals abgestiegen. Nochmals, der komplette Schnitt zurück zu bewährtem ist erforderlich und jeder kennt dann auch die Ausgangslage für Auf- und Abstieg in der nächsten Saison. Die gemachten Fehler sind behebbar, aber nur mit dem Eingeständnis sie gemacht zu haben - und wenn sie nicht weiterhin mitgezogen werden. Es geht dabei ja auch um vieles mehr.

BB: Was meinst du mit vieles mehr?  Husic:

Unter anderem um junge Spieler aus der Region und deren Entwicklung. Diese sollten in Spielen gegen Vorarlberger und Salzburger Spitzenteams spielen. Diese Jungs brauchen Spiele gegen Dornbirn, Austria Salzburg u.s.w., nicht mehrmals gegen den SVI oder Hall, bei aller Wertschätzung dieser Vereine, aber das ist meine Meinung dazu. Das Beispiel Naschberger (FC Wildschönau) der jetzt beim "Silbi" in Wattens spielt hat  das damals bei uns mitgemacht. Er ist nur ein Beispiel von mehreren Spielern bei den damaligen renomierten RLW-Clubs.

Diese Jungs brauchen Spiele gegen Dornbirn, Austria Salzburg u.s.w., nicht mehrmals gegen den SVI oder Hall, bei aller Wertschätzung dieser Vereine. | Foto: Schwaighofer
  • Diese Jungs brauchen Spiele gegen Dornbirn, Austria Salzburg u.s.w., nicht mehrmals gegen den SVI oder Hall, bei aller Wertschätzung dieser Vereine.
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BB: Ein Blick von dir in die Landeshauptstadt zum FC Wacker Innsbruck! Husic:

Um den FC Wacker Innsbruck als Tiroler Traditionsverein tut es mir leid. Der Verein ist seit Jahren immer wieder von einigen Leuten umgeben, die sich um eine Eigen-Bevorteilung in gesellschaftlichem Bereich oder aus sozialer Sicht mehr bemühten als um den Fußballsport, im Profi- wie im Amateurbereich.

BB: Wie siehst du deine Trainingstätigkeit bis zum Übergang im Sommer beim FC Kufstein? Husic:

Also in Wörgl, und hier spreche ich von einem gemeinsamen Wir-Gefühl (Verein, Spieler, Staff), werden wir das sehr professionell abwickeln und intern mit großer Offenheit gegenüber allen Beteiligten bis zum Sommer beenden. Obmann Widschwenter ist ja bereits in der Trainernachfolge mit Emir Music fündig geworden. Ich bin es gewohnt, viel Zeit in meine Trainertätigkeit und in den Fußballsport zu investieren, und das wird in den nächsten Wochen sicher eher zunehmen als abnehmen. Die neue Kufsteiner Vereinsführung steht für ein neues Konzept und ich für eine dazugehörige, geeignete Regionalliga-Mannschaft. Daher führe ich schon jetzt Gespräche mit den Spielern der jetzigen RLT-Mannschaft des FC Kufstein, aber auch mit interessanten und auch jungen Spielern aus der Region. Für mich eine Herausforderung im mentalen und sportlichen Bereich zugleich, da es sich dabei ja auch um meine Fußballheimat Kufstein handelt.

Nach 13 Jahren als Trainer beim SV Wörgl verlässt Denis Husic den Regionalligaverein und kehrt zu seinem Stammverein nach Kufstein in die Bezirkshauptstadt zurück. | Foto: Schwaighofer
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