04.11.2016, 11:13 Uhr

Gemeinderat beschloss "Steuerungsgruppe" für Stadtfest-Zukunft

Schon beim diesjährigen Wörgler Stadtfest ging etwas zu Bruch, die aktuellen Scherben dürften aber schwerer weg zu kehren sein. (Foto: Maier)

Mitgliederliste "aus der Politik, den diversen Vereinen, dem Stadtmarketing und dem alten Verein Wörgler Stadtfest" stand "nur teilweise" und wurde einfach blanko abgesegnet.

WÖRGL (nos). Am Mittwochvormittag versuchten Bürgermeisterin Hedi Wechner, Kultur- und Bildungsreferentin Gabi Madersbacher, VBgm. Mario Wiechenthaler, der selbst einige Jahre die Geschicke des Stadtfestes lenkte, und Stadtmarketing-GF Luggi Ascher in einer eilig einberufenen Pressekonferenz die Wellen rund um den Rückzug des Vereins aus der Festorganisation zu glätten. Zuvor hatten die VP-(nahen) Listen beantragt, das Fest neu zu überdenken.
Eine "Steuerungsgruppe" solle sich mit der Zukunft und möglichen Neuausrichtung befassen, so das zur Pressekonferenz präsentierte "Ergebnis". Um diese zu gründen, brauchte es allerdings noch einen Gemeinderatsbeschluss.

Diesen Beschluss sollten die Mandatare dann am Donnerstag, dem 3. November, fällen. Der Bildungsausschuss der Stadtgemeinde empfahl den Gemeinderäten "die Einrichtung einer Steuerungsgruppe mit Mitgliedern aus der Politik, den diversen Vereinen, dem Stadtmarketing und dem alten Verein Wörgler Stadtfest. Die Steuerungsgruppe soll das 35. Wörgler Stadtfest im Jahr 2017 planen und organisieren."
Der Antrag des Bildungsausschusses sprach sich auch für Eile aus: "Da in dieser Angelegenheit Handlungsbedarf besteht, wird seitens des Bildungsausschusses ein Vorschlag für die stimmberechtigten Mitglieder bis zur Gemeinderatssitzung am 3. 11. ausgearbeitet. Die Bekanntgabe erfolgt bei der Sitzung."

"Stehen die fest?" – "Teilweise"

Referentin Gabi Madersbacher verlas dann auch den Beschlussvorschlag: "Der Gemeinderat beschließt, die Neuausrichtung des Wörgler Stadtfestes ab dem Jahr 2017. Hierzu soll eine Steuerungsgruppe mit nachfolgenden stimmberechtigten Mitgliedern eingerichtet werden: …" Dann stoppte die Rätin – die Liste war schlichtweg nicht fertig geworden, sie konnte keine Mitglieder nennen. "Stehen die (Anm. Mitglieder der Steuerungsgruppe) fest?", fragte Bgm Wechner nach. "Teilweise", retournierte Madersbacher. "Und die Steuerungsgruppe soll analog zum Bildungsausschuss besetzt werden?", erkundigte sich die Bürgermeisterin. "Ja", meinte Madersbacher.
Hedi Wechner erklärte daraufhin selbst ihr Bild von der "Steuerungsgruppe": "Es wird stimmberechtigte Mitglieder geben und an sich auch Mitglieder, die sich einbringen". Wer "Mitglieder, die sich einbringen", also eine beratende aber keine entscheidende Funktion bekommen, und wer "stimmberechtigte Mitglieder" sind, blieb ebenso offen, wie die tatsächliche Zusammensetzung. Wechners Ziel für die Festzukunft scheint da schon genauer umrissen: "Wir alle sollen uns zu diesem Stadtfest bekennen können."

Wünsche und Ideen

Orientieren soll sich der "Reboot" des Stadtfests laut Antrag der Bürgerlichen an "den Erfolgsveranstaltungen", die in der Stadt abgehalten werden:
"Als Vorbild sollten Veranstaltungen wie das Bergbauernfest, Fest der Nationen bzw. 'Über die Gassen' dienen."

"Ein wiederkehrendes Fest ist immer Neuerungen unterworfen", weiß Gemeinderat Christian Kovacevic (Team Wechner/SPÖ) . Er kritisierte die "falsche Vorgangsweise" der bürgerlichen Fraktionen mit ihrem Antrag auf Neuausrichtung. "Ich hätte mir gewünscht, dass man vorher die Diskussion mit den Veranstaltern sucht", meinte er, "diese Vorgangsweise halte ich für suboptimal!" Zudem störte er sich am Umgang mit den Veranstaltern: "Wenn da Ehrenamtliche arbeiten, dann ist das schon etwas Anderes!" "Wobei Ehrenamt hier breit gefasst ist", wie die Bürgermeisterin ergänzte.
Christian Huter (FWL) wünscht sich "persönlich, dass politische Parteien keine Stände am Stadtfest betreiben".
Michael Riedhart (Junge Wörgler) verteidigte seinen Antrag auf Neuausrichtung und stellte auch fest, dass "Rücktritte nicht im Ermessen der Antragssteller" lagen. Dass Luggi Ascher nach dem Antrag im Gemeinderat das Handtuch im Verein warf, sei nicht gewollt oder angedacht gewesen. Auch Richard Götz (Grüne) pflichtete Riedhart bei, dass "ein Rücktritt sicher nicht bedacht" war. Vizebgm Hubert Aufschnaiter (Bürgerliste Wörgler VP) "wollte nicht, dass das Fest zu einem Politikum wird" und meinte, er habe im Vorfeld mit Ascher gesprochen. Zudem seien auch Gelder der Stadt ins Fest geflossen, der Antrag sei also ganz legitim. Vizebgm Mario Wiechenthaler (FWL) weiß von "2.300 Euro Subvention für den Verein, bis das Stadtmarketing das Fest übernahm".
Wechner schloss die Diskussion um den Antrag salomonisch:
"Wir haben uns dazu bekannt, dass wir über dieses Stadtfest sprechen wollen. Dass wir eventuell Änderungen wollen. Aber ich will der Steuerungsgruppe nicht vorgreifen."

Wer sich nun in dieser – einstimmig beschlossenen – Steuerungsgruppe wiederfinden soll, ist derzeit nicht bekannt, ebensowenig, wann sie das erste Mal zusammentreten soll und bis wann Ergebnisse auf dem Tisch liegen sollen. Sicher ist bislang: "Es wird auch 2017 ein Wörgler Stadtfest geben", wie die Bürgermeisterin weiß.

Worum geht's?

Stein des Anstoßes war der Antrag der drei bürgerlichen, VP-nahen Gemeinderatsfraktionen, allen voran die "Junge Wörgler Liste". Sie stützen sich auf Feedback von Bürgern, denen die kommerziellen Marktstände ("Fetzentandler"), die Teilnahme von Vereinen, die nicht in Wörgl beheimatet sind, und Stände von Gastronomiebetrieben ein Dorn im Auge sind. Sie fordern eine "Rückbesinnung" auf das Stadtfest als "Fest der Wörgler Vereine".
Laut Riedhart und Aufschnaiter habe man, bevor der Antrag eingebracht wurde, das Gespräch mit den "Verein Wörgler Stadtfest" und Obmann Luggi Ascher gesucht. Dessen darauf folgender Rücktritt sei nicht in Bedacht gezogen worden.
Ascher erklärte in der Pressekonferenz, dass allein die kommerziellen Standler für Einnahmen zwischen 10.000 und 14.000 Euro an Standmiete sorgen würden. Dieses Geld müsse über die Stände der Vereine über höhere Entgelte herein kommen, wenn man die kommerziellen aussperre. Der Kostenaufwand für die Veranstaltung liege bei rund 180.000 Euro.
Ascher sowie die Mitarbeiter des Stadtmarketings leisteten "ehrenamtlich" unbezahlte Überstunden im Ausmaß von etwa 50 Stunden pro Person für das diesjährige Stadtfest.
Luggi Ascher wird mit Jahresende die Geschäftsführung der Stadtmarketing Wörgl GmbH niederlegen. "Drei Monate lang interimsmäßig" werde dann Stadtamtsdirektorin Simone Riedl das Unternehmen leiten und, geht es nach den Wünschen von Bürgermeisterin Wechner, auch auf Synergien und Möglichkeiten hin beleuchten.
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