23.01.2018, 18:10 Uhr

Kurz vor der Landtagswahl: Schwere Vorwürfe gegen FPÖ-Spitzenkandidat Udo Landbauer

Die Mitgliedschaft in der Burschenschaft Germania und deren Veröffentlichungen bringen FPÖ-Spitzenkandidat Udo Landbauer wenige Tage vor der Landtagswahl in Niederösterreich in Erklärungsnot. (Foto: FPÖ Niederösterreich)

Der Spitzenkandidat der Freiheitlichen sieht sich wenige Tage vor der Landtagswahl in Niederösterreich mit heftigen Vorwürfen konfrontiert. SPÖ und NEOS fordern Aufklärung oder Rücktritt.

Wenige Tage vor der Landtagswahl, am Sonntag, 28. Jänner, gerät der Spitzenkandidat der FPÖ, Udo Landbauer, durch Recherchen einer Wiener Wochenzeitung gehörig unter Druck. Laut FALTER sei Landbauer stellvertretender Vorsitzender der "Germania", welche ein Liederbuch herausgegeben habe, in dem Judenmord und das Naziregime verherrlicht würden.

Landbauer zieht erste Konsequenzen

In einer Aussendung nahm der 31-jährige Landtagsabgeordnete nun Stellungen zu den Vorwürfen. Er sei "auf das Äußerste entsetzt und schockiert über jene Text- und Liedpassagen, welche heute zum Gegenstand politischer Diskussionen geworden sind", heißt es in der Aussendung. Landbauer betont allerdings, dass er zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des diskutierten Buches erst 11 Jahre alt gewesen sei und von den Liedtexten erst durch den Bericht der Wochenzeitung erfahren habe.

Nun werde er allerdings sofort die nötigen Konsequenzen ziehen und seine Mitgliedschaft "in diesem Bund umgehend ruhend stellen", so Landbauer.
"Gerade ich, mit meinem Migrationshintergrund, habe weder in der FPÖ noch in meinem Bund in den vielen Jahren meines Wirkens auch nur das geringste Maß an Fremdenfeindlichkeit oder Antisemitismus wahrgenommen.", erklärt der Sohn einer persischen Mutter weiters. Landbauer wolle nun mit Nachdruck die Klärung dieser Angelegenheit vorantreiben.

Bundeskanzler: Liedtexte der Germania sind "absolut widerwärtig"

Sebastian Kurz nahm über Twitter Stellung. Laut Bundeskanzler seien die veröffentlichten Liedtexte der Germania rassistisch, antisemitisch und absolut widerwärtig. Für so etwas dürfe es in Österreich keinen Platz geben, führt Kurz fort.  "Es braucht daher volle Aufklärung und die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden.", so der Kanzler.

SPÖ: Landbauers Ausreden sind lächerlich

Die Empörung in den anderen Parteien ist groß. Sabine Schatz, SPÖ-Sprecherin für Gedenkkultur, fordert in einem ersten Statement den sofortigen Rücktritt Landbauers von allen politischen Ämtern. "Die Ausreden, die Landbauer gegenüber Medienanfragen ausrichten lässt, sind lächerlich", so Schatz.

Parteigenosse Max Lercher zeigt sich ebenso empört: "Die FPÖ beweist mit solchen Aktionen einmal mehr, dass rechtsextremes Gedankengut selbst bei ihren Spitzenrepräsentanten weit verbreitet ist." Landbauer müsse laut Lercher die getätigten Vorwürfe nun aufklären oder sofort zurücktreten.
Der Bundesgeschäftsführer der SPÖ sieht auch FPÖ-Landesparteiobmann Walter Rosenkranz in der Pflicht: "Rosenkranz muss Aufklärungsarbeit leisten und rasch Konsequenzen in seiner Partei ziehen, sonst macht sich die FPÖ als Partner für jede politische Zusammenarbeit in Niederösterreich untragbar", so Lercher.

Ebner: Vorwürfe müssen restlos aufgeklärt werden

Für die Volkspartei Niederösterreich sind die Vorwürfe gegen Udo Landbauer "unglaublich schwerwiegend". Diese müssen "jedenfalls restlos aufgeklärt werden", reagierte ÖVP-Landesgeschäftsführer Bernhard Ebner.


NEOS sind schockiert

Auch die NEOS zeigen sich empört. Indra Collini, Spitzenkandidatin für die Landtagswahl am kommenden Sonntag, sei schockiert und sehe für Landbauer, sollten sich die Vorwürfe bestätigen, als einzige Konsequenz den Rücktritt.
"Ein Regierungsmitglied mit dieser Geisteshaltung ist für unser Bundesland besonders bedrohlich. Was Niederösterreich braucht, ist ein klares Bekenntnis zu mehr Freiheit und Rechtsstaatlichkeit", erklärt die pinke Spitzenkandidatin.

"Anpatzerei" – FPÖ verteidigt Landbauer

Für Harald Vilimsky, Generalsekretär der Bundes-FPÖ, seien die Vorwürfe schlicht "Anpatzerei" eines "untadeligen Kandidaten", getätigt von einem "linksextremen Wiener Nischenmagazin".

"Was hier von Seiten der linksextremistischen Falter Redaktion abgezogen wird, hat nicht einmal die SPÖ mit ihrem Dirty-Campaigning-Experten zuwege gebracht", stößt FPÖ-Landesparteisekretär Christian Hafenecker in das selbe Horn wie Vilimsky.

Walter Rosenkranz, Landesparteiobmann der niederösterreichischen Freiheitlichen, stellt sich in einer ersten Stellungnahme hinter "seinen" Spitzenkandidaten: "Ich habe Landbauer als Spitzenkandidaten vorgeschlagen , weil ich ihn für absolut integer und vertrauenswürdig halte.“ Und das gelte heute genauso wie vor vier Monaten.", so Rosenkranz.

Landbauer habe sich laut Rosenkranz stets klar von antisemitischem und rassistischem Gedankengut abgegrenzt. Die von Landbauer gezogenen Konsequenzen – sofortiges Ruhendstellen der Mitgliedschaft und die Forderung nach lückenloser Aufklärung – seien der richtige Schritt, führt der Landesparteiobmann aus.
1
Einem Mitglied gefällt das:
8 Kommentareausblenden
245
Joni Goggl aus Neunkirchen | 23.01.2018 | 19:02   Melden
488
Karl Maurer aus Krems | 23.01.2018 | 19:59   Melden
245
Joni Goggl aus Neunkirchen | 23.01.2018 | 20:04   Melden
245
Joni Goggl aus Neunkirchen | 24.01.2018 | 11:29   Melden
260
Hermann Biber aus Scheibbs | 24.01.2018 | 18:00   Melden
245
Joni Goggl aus Neunkirchen | 25.01.2018 | 08:50   Melden
260
Hermann Biber aus Scheibbs | 25.01.2018 | 10:43   Melden
245
Joni Goggl aus Neunkirchen | 25.01.2018 | 10:47   Melden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.