Interview mit Kletterass
Barbara Zangerl: "Adventurer of the Year" – mit VIDEO

"Odyssee": Barbara Zangerl in der Eiger Nordwand.
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  • "Odyssee": Barbara Zangerl in der Eiger Nordwand.
  • Foto: Paolo Sartori
  • hochgeladen von Othmar Kolp

STRENGEN (otko). Kletterass Barbara Zangerl erhielt eine besondere Auszeichnung. Im Interview spricht sie über ihre Abenteuer.

Die aus Strengen stammende Kletterin Barbara Zangerl macht derzeit Furore. Zusammen mit ihrem Lebensgefährten Jacopo Larcher hat sie die schwerste Freikletterroute "Odyssee" am Eiger begangen. Kürzlich wurde die 30-Jährige von "National Geographic" als "Adventurer of the Year" ausgezeichnet.

National Geographic hat fünf SportlerInnen weltweit mit dem Award "Abenteurer des Jahres 2019" ausgezeichnet. Wie fühlt man sich mit solch einer Würdigung?
ZANGERL: Ich war überrascht, dass ich gewählt wurde. Es ist aber für mich nicht so extrem wichtig, aber trotzdem eine große Ehre.

Du hast im Sommer 2018 in der berühmt, berüchtigten Eiger Nordwand eine besondere Leistung geschafft.
Wir haben die Route "Odyssee" als erstes Team wiederholt. Bei dieser Route hat es noch nie eine Wiederholung gegeben. Dabei haben wir die Route von unten bis oben frei geklettert. Dabei nimmt man nur die Felsstruktur und bewegt sich ohne technische Hilfsmittel frei am Fels fort. Absicherungen werden nur für den Fall eines Sturzes verwendet.

Was ist die Herausforderung dieser schwierigen Route?
In der Eiger Nordwand ist es extrem steil und überhängend. Dort herrschen fast immer schwierige Witterungsverhältnisse. Bei vier Längen wurden wir komplett nass und es gab jeden Tag ein Gewitter. Wir hatten Glück, dass es überhaupt hingehaut hat. Eine Seillänge beträgt zwischen 30 und 60 Meter und die Route ist in 33 Seillängen aufgeteilt. Wenn man eine Seillänge nicht schafft, dann muss man zurück zum nächsten Stand.

Wie lange wart ihr unterwegs?
Insgesamt waren wir vier Tage in der Wand. Geschlafen wurde in einem Wandzelt. Auch unsere Schlafsäcke sind nass geworden und wir haben nur wenig geschlafen.

Wie bereitet man sich auf solch ein Projekt vor?
Man trainiert direkt vor Ort in der Route und probiert immer wieder verschiedene Zugänge. Das besondere am Eiger war, dass ich sie davor nicht kannte.

Auch am bekannten El Capitan im Yosemite National Park in Kalifornien hast du im Dezember 2017 das Kunststück vollbracht, als erste Frau die zweitschwierigste Route Magic Mushroom zu klettern.
Wir haben im vorhinein 30 Tage in die Route investiert und Essen und Wasser in der Wand deponiert. Das Projekt war aufwendig und wir haben dann elf Tage für die Durchsteigung benötigt.

Wie kann man sich so ein Leben in einer Wand über Tage vorstellen?
An die 100 Kilogramm müssen hochgezogen und als Kletterer ist man immer beschäftigt. Man braucht viele Sachen wie Absicherungen, Proviant, Schlafsäcke oder ein Wandzelt. Es braucht hier eine gute Planung, damit man genügend Verpflegung hat. Im Zelt wohnt man auf zwei Quadratmetern und beim Schlafen in der Wand ist man ständig am Klettergurt angehängt. Natürlich gibt es dort auch nur eine minimalistische Körperhygiene.

Was macht man als erstes nach einem Gipfelsieg?

Essen, Trinken und in einem Bett schlafen. Man freut sich ganz fest auf simple Sachen.

Braucht es viel Training für solche Durchsteigungen?
Ich gehe viel Sportklettern, was ein gutes Training für hohe Wände ist. Gerade dort braucht man jede Disziplin. Ich trainiere den Winter über fünf Tage die Woche drei bis vier Stunden in der Kletterhalle. Früher bin ich nur gebouldert und habe dann die Entwicklung über das Sport- zum Alpinklettern gemacht.

Was ist beim Klettern besonders wichtig?
Das Mentale ist besonders wichtig. Man hängt dort in einer Wand, wo es 500 Meter hinuntergeht. Gerade solche Situationen werden trainiert. Wenn man ins Seil fliegt, geht man besser mit der Angst um. Die Angst ist ein lähmendes Gefühl und diese muss ausgeblendet werden, um sich voll und ganz auf das Klettern zu konzentrieren.

Kannst Du vom Klettersport leben?
Mittlerweile schon, obwohl es eine Randsportart ist (lacht). Nebenbei arbeite ich noch 30 Prozent als Röntgenassistentin im Krankenhaus Bludenz. Ich habe eine flexible Arbeit und klettere viel in den USA. Natürlich gibt es auch Firmen und Sponsoren, die einem unterstützen. Zudem teste ich Produkte und vermarkte diese mit Fotos und Filmen.

Was sind Deine nächsten großen Ziele?
Zusammen mit der Freeriderin Nadine Wallner plane ich ein Projekt an der Roten Wand in Lech. Zusammen werden wir klettern und dann mit Ski abfahren. Im Sommer geht es nochmals zurück zum Eiger und zum El Capitan, wo wir die längste Route frei klettern werden.

Interview führte Othmar Kolp

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